WARLORD: Rising out of the Ashes

First and foremost I would like to thank William and Mark for putting trust in me…, beginnt Joacim Cans seine Thankslist im Booklet des neuen, langersehnten WARLORD-Werkes Rising out of the Ashes. Unwillkürlich fragt man sich, warum er denn dann das entgegengebrachte Vertrauen so sehr enttäuschen musste. Der Einstiegssatz war fair von ihm, noch fairer wäre allerdings gewesen, das Gesangsangebot von WARLORD abzulehnen und zu sagen Leute, ich kann nicht singen, ich will den Kult um WARLORD nicht kaputt machen!

Okay, ich will nicht wieder zu bissig werden und schon gar nicht meine Kritik an Rising out of the Ashes allein auf die furchterregende Gesangsleistung des Anti-Sängers reduzieren. Zumal man in diesem Fall mit dem Gelästere über Cans vorsichtig sein muss. Denn mal ehrlich: mit wirklich stimmgewaltigen Sängern hat sich Meister Tsamis auch früher nicht umgeben und so kultig die Werke von WARLORD und LORDIAN GUARD auch sind, ohne Kritik am Gesang kommt keines der Alben weg.

Im Gegensatz zu Cans wussten jedoch sowohl Damien King II, als auch Vidonne Sayre-Riemenschneider den Melodien Ausdruck und eine gewisse Mystik zu verleihen, was Cans jedoch völlig abgeht. Der Kerl trällert wirklich jegliches Gefühl in Grund und Boden, was Rising out of the Ashes manchmal wirklich schwer erträglich macht.

Kommen wir aber endlich auf die Musik zu sprechen und da fällt erst mal auf, dass lediglich vier der neun Songs wirklich neu sind.

Gleich vier Stücke stammen von den beiden LORDIAN GUARD-Werken, was ja an sich okay wäre, denn Battle of the Living Dead, Winds of Thor, War in Heaven und My Name is Man sind einfach verdammt gute Songs, die in den vorliegenden Versionen allerdings überhaupt keine Aufwertung erfahren haben. Tsamis hat die Stücke vom Songaufbau her im Grunde im Original belassen und so seltsam es auch klingen mag – die deutliche Reduktion der Keyboardparts wirkt sich im Falle von WARLORD schlicht negativ aus. Das gehört eben einfach zum Sound der Band. Und auch die Neuaufnahme des WARLORD-Klassikers schlechthin, Lucifer´s Hammer, wirkt im Gegensatz zum Original drucklos und schwach auf der Brust – und das trotz besserer Produktion.

Kombiniert mit den seelenlosen Vocals (sorry, es ist halt so!) sind also bereits 5 Stücke auf Rising Out of the Ashes ziemlich entbehrlich.

Überraschend fallen dann die ersten beiden neuen Stücke Enemy Mind und Invaders aus, denn den eigentlichen WARLORD-Sound findet man hier nur rudimentär. Während Enemy Mind durch seine düstere Atmosphäre und Komplexität durchaus überzeugen kann, darf man Invaders aufgrund seiner songwriterischen Flachheit als ziemlichen Totalausfall werten.

Letztendlich sind es dann die beiden Abschlusstracks Sons of a Dream und Achilles Revenge, die mich davon überzeugen, dass aus Rising Out of the Ashes eigentlich ein hervorragendes Reunion-Album hätte werden können. Ein ganzes Album mit solch edlen Epicstücken hätte ich mir gewünscht, leider ist mir dies aber aufgrund der genannten Gesamtumstände verwehrt geblieben.

In 1984 the legend has been built – in 2002 it was destroyed by its own creators, so könnte das vernichtende Urteil lauten, trotz größtenteils hervorragender Songs. Der einzige Kaufanreiz für mich, wäre jedenfalls lediglich die Tatsache, die LORDIAN GUARD-Stücke endlich von einem richtigen Drummer (und zwar von einem hervorragenden!!!) eingespielt zu hören, böse Zungen könnten allerdings behaupten, dass man den Unterschied aufgrund des exakten Spiels von Mark Zonder und dessen Vorliebe für E-Drums eh nicht hört. Aber ich kann einfach nicht über meinen Schatten springen – auch dieses Argument wird mir aufgrund des Gesangs völlig vermiest. Wirklich schade das….

Fierce

Veröffentlichungstermin: 22.07.02

Spielzeit: 50:50 Min.

Line-Up:
William J. Tsamis – Guitars

Mark S. Zonder – Drums

Joacim Cans – Vocals

Produziert von Warlord
Label: Drakkar

Hompage: http://www.warlord.ws

Tracklist:
1. Battle of the Living Dead

2. Enemy Mind

3. Invaders

4. Winds of Thor

5. War in Heaven

6. My Name is Man

7. Lucifer´s Hammer

8. Sons of a Dream

9. Achilles Revenge