ULI JON ROTH: The best of

Wer diesen großartigen Künstler noch nicht kennt, findet hier eine prima Zusammenstellung. Einzige Voraussetzung: ihr bringt das nötige Hippie-Feeling mit und habt keine Angst vor klassischer Musik!

Wie schreibt man eine kurze Einleitung über Deutschlands Vorzeige-Hippie, ohne zu sehr auszuschweifen? Versuchen wir es so: der Name ULI JON ROTH sorgt bei jüngeren Gitarristen eher für ein fragendes Gesicht. Bei echten Musikern, vor allem der etwas älteren Generation, wandert sicher ein Strahlen über das Gesicht. Selten als direkter Einfluss genannt, erntet dieser Gitarrist durch seine hohe Musikalität und sein einzigartiges Gitarrenspiel großen Respekt und Hochachtung. Bekannt geworden durch die ersten SCORPIONS-Platten, hat ULI JON ROTH als vielleicht erster Gitarrist intensiv Zitate der Klassik in sein Spiel integriert und diese mit viel Hippie-Flair zu einem einzigartigen Stil gepaart. Nach der Trennung von den SCORPIONS hat er über die Jahre beide Komponenten für sich weiterhin intensiv ausgelebt in Bands und Projekten wie ELECTRIC SUN, SKY OF AVALON und TRANSCENDENTAL SKY GUITAR, mal mehr in die Hippie-Richtung, mal intensiv der Klassik zugewendet. Als repräsentativen Querschnitt seines bisherigen Schaffens gibt es nun als Doppel-CD diese Best Of.

CD 2 rockt und setzt sich damit hartnäckiger in den Player. Die drei Songs vom ersten ELECTRIC SUN-Album Earthquake nach dem Ausstieg bei den SCORPIONS lassen etwas an Roths Songs von den SCORPIONS-Alben Fly to the rainbow oder In trance denken. Burning wheels turning kommt dabei noch mit stark irischem Touch und klingt wie eine Zusammenarbeit von RORY GALLAGHER und THIN LIZZY. Beim sehr intensiven Enola gay – Hiroshima today? mit etwas exotisch angehauchtem Ende kommen deutlich die Einflüsse von JIMI HENRIX durch, seinem Vorbild zollt Roth noch mit den Live-Covers Voodoo Chile und Little wing Tribut. Die Vocals von Roth bleiben gewöhnungsbedürftig und sehr eigen, eine Mischung aus HENRIX, Kermit und Dieter Bohlen kommt dem wohl am nähesten. Beim CREAM-Cover White room gibt es Vocals und Bass von CREAM-Legende Jack Bruce, bei Roths Sky overture vom Legends Of Rock-Festival wird schnell deutlich, warum so viele Gitarrenhelden nie an ULI JON ROTH heranreichen werden. Denn neben atemberaubender Spieltechnik gibt es hier vor allem grenzenloses Feeling, das zeigt den Unterschied auf zwischen den vielen guten Gitarristen und wahren Gitarrenkünstlern wie Roth. Mit einem kurzen Mozart-Intermezzo und klassischen Pianoklängen endet diese CD und man bleibt beeindruckt zurück, will noch mal diese Scheibe hören oder gibt sich den klassischen Klängen hin und greift zur ersten CD.

Hier wird man nämlich von den klassisch orientierten Werken von ULI JON ROTH in eine andere Welt ge- und verführt. Egal ob Roth hier VIVALDI, CHOPIN, BACH oder seine eigenen Kreationen umsetzt, man kann sich eigentlich nur beeindruckt zurücksetzen und sich von diesen Klängen einfangen lassen. Mal mit leichten Vocals, zum Glück nicht von Roth selbst, mal rein instrumental, ist die Musik beeindruckend inszeniert und Roths Gitarre fügt sich nahtlos ein ins Gesamtbild. Bedenkt man, dass heute jede zweite Band ein Album mit Orchester hat, sollten die Werke des Pioniers dieser Verschmelzung aus Rock und Klassik definitiv nicht ungehört bleiben. Die drei Songs vom ELECTRIC SUN-Album Beyond the astral skies lockern mit ruhigem Bombast-Rock diese CD etwas auf, die dann aber wieder klassisch ausklingt. Diese CD hört man nicht nebenher, da ist mal ent-, mal gespanntes Zuhören angesagt, perfekt für dunkle Abende unter dem Kopfhörer oder über die Anlage, dann aber Metal-kompatibel richtig laut! Ein Video von ULI JON ROTH mit seinem SKY ORCHESTRA, in dem sie Cry of the night präsentieren, rundet diese Best of-Sammlung ab.

Eine tolle und abwechslungsreiche Sache, diese The best of, auch wenn man schon einiges im Schrank hat von ULI JON ROTH. Wer diesen großartigen Künstler noch nicht kennt, findet hier eine prima Zusammenstellung. Einzige Voraussetzung: ihr bringt das nötige Hippie-Feeling mit und habt keine Angst vor klassischer Musik! Für Fans, die nicht immer den ganzen Backing-Katalog durchhören wollen, bietet The best of eine ansprechende Mischung aus dem Schaffen dieses Ausnahmekünstlers.

Veröffentlichungstermin: 10.11.2006

Spielzeit: CD1 55:22 – CD2 64:48 Min.

Line-Up:
Uli John Roth – Guitars, Vocals
Sky Orchestra

Jack Bruce – Bass, Vocals
Ule Ritgen – Bass
Lucy Shaw – Bass
Barry Sparks – Bass
Don Airey – Keyboards
Stephen Bentley-Klein – Violine
Brain Wright – Violine
Roger Smith – Cello
Nick Holland – Cello
Giles – Viola
Michael Flexig – Vocals
Tommy Heart – Vocals
Leonora Gold – Vocals
Liz Vandall – Vocals
Clive Bunker – Drums
Clive Edwards – Drums
Shane Gaalaas – Drums
Sidhatta Gautama – Drums
Chris Lowe – Percussions

Produziert von Uli Jon Roth
Label: Steamhammer/SPV

Homepage: http://www.ulijonroth.com

Tracklist:
CD 1
1. The Tempest
2. Bridge To Heaven
3. Pegasus
4. Tod Und Zerstörung
5. E Lucevan Le Stelle
6. War Of The Winds
7. Thunder Cadenza
8. Cry Of The Night
9. Starlight
10. Air De Bach
11. Why?
12. I´m A River
13. I´ll Be There
14. Sehnsucht-Mazurka
15. The Heart Of Chopin
16. Dance Of The Water Spirits
17. Transfiguration
18. Venga La Vita
19. Aqua Vitae
Cry Of The Night – Video

CD 2
1. Still So Man Lives Away
2. Winter Days
3. Burning Wheels Turning
4. Fire Wind
5. Hiroshima Today?
6. Voodoo Chile
7. Little Wing
8. White Room
9. Sky Overture
10. Rondo Alla Turca
11. Aquila-The Eagle And The Rainbow
12. Lethe-River Of Oblivion