TRIVIUM: The Crusade

TRIVIUM: The Crusade

Vom dritten Album sagt man, es entscheide über das Schicksal einer Band. Make it or break it heißt es. Wenn dem so ist wird es spannend im Hause TRIVIUM. Erschien das Debüt Ember To Inferno noch beim Indie Lifeforce, wurde bereits das Zweitwerk Ascendancy beim Branchenriesen Roadrunner veröffentlicht. Mit eben diesem zweiten Album gelang der Durchbruch. Die Mischung aus klassischen Metal-Gitarrenleads und neo-thrashigem Riffing in Kombination mit dem Wechselspiel zwischen klarem Gesang und Gebrüll kam in mitten des Metalcore Booms zur rechten Zeit auch wenn die Band sich – nicht ganz zu unrecht – immer dagegen gewehrt hat in diese Schublade gesteckt zu werden. Mit Pull Harder On The Strings Of Your Martyr enthielt die Platte sogar einen kapitalen Tanzflächenfeger der seitdem die Rock-Diskotheken erschüttert.

Wie also würde sich der dritte Longplayer aus dem Hause TRIVIUM anhören? Die Antwort auf diese Frage: Überraschend anders! Dass die großen Vorbilder von Frontmann und Chefdenker Mathew K. Heafy IRON MAIDEN und insbesondere METALLICA heißen, daraus hat er nie eine Hehl gemacht. Ganz im Gegenteil. Nach dem Hören von The Crusade könnte man dies wohl auch nicht mehr abstreiten. Besonders METALLICA haben es den Jungs sichtlich angetan. Heafy orientiert sich bei seinen Shouts mehr als deutlich an James Hetfield, hier und da vielleicht sogar zu sehr denn an einigen Stellen klingt der Gesang doch etwas gepresst. Auch das Riffing erinnert immer wieder an die Bay Area-Legende. Dazu kommen so einige, oft auch zweistimmige Gitarrensoli bei denen das Gitarristen-Duo Heafy/Beaulieu seine äußerst respektablen Fertigkeiten unter Bewies stellen kann und die man ja durchaus auch schon auf dem Vorgänger zu hören bekam. Nur dass TRIVIUM auf dem neuen Album die Anzahl der Gitarrensoli eben deutlich erhöht haben. Bevor allerdings jetzt den Fans von Ascendancy der Angstschweiß den Rücken runter strömt sei gesagt, dass TRIVIUM auch auf ihrem neuen Release immer noch ganz klar nach TRIVIUM klingen. Besonders die beiden ersten Songs, Ignition und Detonation sollten jeden Anhänger der Vorgängerscheibe zufrieden stellen. Hier fällt höchstens auf, dass Mat Heafy sich die ganz derben Brüller fast komplett verkneift.

Doch im weiteren Verlauf der Scheibe bekommt man von den Jungs so manches Experiment vorgesetzt. Anthem (We Are The Fire) ist der wohl traditionellste Metal-Song den TRIVIUM je aufgenommen haben. Eine treibende Up-Tempo-Nummer mit vielen absolut klassischen Gitarrensoli.
Endgültig schießen TRIVIUM den Vogel mit The Rising ab, einem Song der so dermaßen nach 80er Poser Metal-Hymne klingt, dass es einem wirklich schwer fällt zu glauben, dass man da die selbe Band hört die Ascendancy eingespielt hat. Und das Beste daran? Der Song ist richtig geil und wirkt auf mich auch kein bisschen aufgesetzt. Deutlich vertrackter kommt Becoming The Dragon daher welches mit seinen Breaks und Tempo-Wechseln ein wenig länger braucht um zu zünden. Das mit einem all zu softem Refrain ausgestattete The World Can´t Tear Us Apart ist zwar der, meiner Meinung nach, schwächste Song auf The Crusade verdient sich aber trotzdem immer noch das Prädikat gut. Man glaubt es kaum, aber TRIVIUM haben tatsächlich schon wieder ein Album ohne Ausfälle geschrieben. Weitere Highlights sind die beiden kurzen, aber knackigen Abrissbirnen Tread The Floods und To The Rats. Der, das Album abschließende Titeltrack überrascht erneut. Hierbei handelt es sich um ein etwa achtminütiges Instrumentalstück bei dem die Herren Musiker mal zeigen was sie so drauf haben, ohne allerdings gleich in wahnwitziges Gefrickel zu verfallen. Ein unerwarteter Abschluss eines überraschenden Albums.

Welches Fazit ziehen wir also zu dieser Scheibe? Der Schritt den TRIVIUM gewagt haben war sicherlich wohl überlegt und man war sich dem kommerziellen Potential der Kurskorrektur sicherlich bewusst. Trotzdem war es ein mutiger Schritt, denn hätten die Jungs Ascendancy Teil2 aufgenommen hätte ihnen das sicherlich keiner übel genommen. So muss sich zeigen ob der Band das Kunststück gelingt, sowohl die jungen Fans bei der Stange zu halten, als auch die älteren Semester für den eigenen Sound zu begeistern. Die notwendige Qualität hierfür ist auf The Crusade jedenfalls definitiv vorhanden. Eine ganz heiße Scheibe! Diese Band wird groß!

Veröffentlichungstermin: 06.10.2006

Spielzeit: 57:34 Min.

Line-Up:
Matthew Kiichi Heafy – vocals, guitars
Corey Beaulieu – guitars
Paolo Gregoletto – bass
Travis Smith – drums

Produziert von TRIVIUM & Jason Suecof @ Audiohammer Studios & Morrisound Studios
Label: Roadrunner Records

Homepage: http://www.trivium.org

Tracklist:
01. Ignition
02. Detonation
03. Entrance Of The Conflagration
04. Anthem (We Are The Fire)
05. Unrepentant
06. And Sadness Will Sear
07. Becoming The Dragon
08. To The Rats
09. This World Can´t Tear Us Apart
10. Tread The Floods
11. Contempt Breeds Contamination
12. The Rising
13. The Crusade

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.