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TRIBULATION: Where the Gloom Becomes Sound

“Where the Gloom Becomes Sound” ist eine Entdeckungsreise durch den Heavy Metal und führt in Ecken, in denen sich unter Staub und Spinnweben eine morbide Schönheit findet.

TRIBULATION-Gitarrist Jonathan Hultén zieht nicht einfach irgendetwas an, er kleidet sich – und hat definitiv so etwas wie einen eigenen Style entwickelt (dieser Mann kann einen Schlapphut tragen!). Auf der Bühne post und posiert er nicht, er tanzt und tänzelt – und verzichtet dabei auf die sonst üblichen, gerne mal Testosteron-überladenen Moves. Und schließlich schreibt er keine x-beliebigen Songs, sondern komponiert kleine Kunstwerke. Denn mit “Where the Gloom Becomes Sound” haben TRIBULATION ihren eigenen Stil perfektioniert und Songs wie die Vorabsingle “Hour Of The Wolf” sind einerseits ein verflucht eingängiger Mix aus Post Punk, Dark Rock und einigen letzten Spuren der Vergangenheit im Extrem Metal. Andererseits sind sie vollgestopft mit Details, mit Anspielungen, mit Sound-Experimenten.

Jonathan Hultén verlässt TRIBULATION – vor Erscheinen des neuen Albums

Doch es gibt ein Problem: Jonathan Hultén prägte TRIBULATION über alle die Jahre und ist nun nicht mehr dabei. Im Dezember, knapp zwei Monate vor Veröffentlichung des aktuellen Albums “Where the Gloom Becomes Sound” verließ er die Band, um sich künftig anderen Projekten zu widmen. Somit ist das Album irgendwie sein Vermächtnis – und für TRIBULATION dürfte es sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich sein, das klaffende Loch zu schließen, das der Weggang ihres Hauptsongwriters ins Bandgefüge gerissen hat.

“Where the Gloom Becomes Sound” erfüllt alle Hoffnungen, die der Vorgänger geweckt hat

Denn “Where the Gloom Becomes Sound” erfüllt alle Hoffnungen, die der Vorgänger „Down Below“ geweckt hat. Wo auf den früheren Alben Death und Black Metal, Dark Rock und Post Punk nebeneinanderstanden, ist nun alles miteinander verschmolzen. Nicht zu einem schweren Klotz, sondern zu einem faszinierenden Gebilde, wie es auch beim Bleigießen entsteht – mit ganz feinen, zerbrechlichen Spitzen und Strukturen, wie die vielen kleinen Akustik-Parts, wo zum Beispiel das Ende von „Dirge Of A Dying Soul“ in das Zwischenspiel „Lethe“ übergeht. „Lethe“ ist ein klassisch inspiriertes Klavierstück. Das Besondere daran ist aber nicht die Melodie an sich, sondern das Drumherum: Da knarren einzelne Tasten und in einer Welt, in der sämtliche Produktionen auf Lautstärke ausgerichtet sind, regen die ganz leisen Töne mal andere Sinneszellen im Gehör an.

TRIBULATION haben einen ganz eigenen Sound: warm, mächtig und unverkennbar

Überhaupt der Sound: Mit Songs wie “The Lament” und “The World” von „Down Below“ haben TRIBULATION ihre Zauberformel gefunden und kombinieren Extrem Metal mit Post Punk und Gothic, also Raserei mit Schwärze, Melancholie und Selbstversunkenheit. Die Gitarren nehmen mit ihrem Hall unglaublich viel Raum ein, das Schlagzeug klingt wie in der Ferne grollender Donner – “Leviathans” ist mit den zarten Gitarrenfipsern zu Beginn und den hallenden Trommelschlägen und der fast schon orientalischen Zwischenmelodie schlicht überragend und zeugt von der Besessenheit, mit der TRIBULATION an jeder einzelnen Sekunde eines Songs tüfteln.  Johannes Andersson singt nicht, er beschwört, trotz seiner fiesen Gnarls und Growls bleiben viele Zeilen verständlich.”I remember now” singt er im Opener, “Phantoms haunting me – from the shadows they come” und er haucht diesen (für sich genommen nicht übermäßig originellen)  Zeilen Leben ein. Man hört nicht nur, was er meint, man fühlt es.

Dabei sind TRIBULATION schlau genug, immer wieder Vertrautes in ihre Songs zu weben: klassische doppelstimmige Gitarrenleads („Daughter Of The Djinn“), klassische Doom Metal-Riffing („Inanna“), treibende Power (Metal) Chords („Funeral Fyre“), opulente Orgeln (“The Wilderness“) – “Where the Gloom Becomes Sound” ist eine Entdeckungsreise durch den Heavy Metal und führt in Ecken, in denen sich unter Staub und Spinnweben eine morbide Schönheit findet.

VÖ: 29. Januar 2021

Label: Century Media Records

TRIBULATION “Where the Gloom Becomes Sound” Tracklist

1. In Remembrance
2. Hour of the Wolf (Video bei YouTube)
3. Leviathans (Video bei YouTube)
4. Dirge of a Dying Soul
5. Lethe
6. Daughter of the Djinn
7. Elementals
8. Inanna
9. Funeral Pyre (Video bei YouTube)
10. The Wilderness

Bonus tracks:
The Dhampir, Pt. I *
The Dhampir **
Månvisan ***

Besetzung:

Johannes Andersson – Vocals, Bass
Adam Zaars – Gitarre
Jonathan Hultén – Gitarre
Oscar Leander – Drums