TOXIC HOLOCAUST: Conjure And Command

TOXIC HOLOCAUST: Conjure And Command

Neulich (n)irgendwo in einem Plattenladen. Seit wenigen Sekunden dröhnt „Conjure And Command“ von TOXIC HOLOCAUST aus der Anlage. Ein etwa 40-jähriger Kuttenträger, der den Laden gerade erst betreten hat, hält einen Moment inne. Wenige Augenblicke später steuert er zielstrebig auf den Chef des Ladens zu. 

Kunde: „Haben SLAYER einen neuen Sänger?“
Chef.: „Ne, das ist die neue TOXIC HOLOCAUST„.
Kunde: „Wer?“
Chef: „TOXIC HOLOCAUST„.
Kunde: „Kenn ich nicht“.

Der Mann scheint irritiert und wendet sich den prallgefüllten Vinyl-Regalen zu. Während er sich durch die neuesten Releases gräbt, macht sich in seinem Gesicht ein breites Grinsen breit. Kaum ist der letzte Ton verklungen, stapft er lächelnd zur Kasse. Mit gezücktem Portemonnaie schiebt er VENOM´s „Black Metal“ vorsichtig über den Tresen.

Kunde: „Meine spielt nicht mehr. Egal wie die vorhin geheißen haben. Die nehm ich auch mit.“

So oder so ähnlich könnte sich der Kreis schließen, zählen VENOM doch zu TOXIC HOLOCAUST´s Haupteinflüssen.

Im knapp zweiminütigen Eröffnungsinferno „Judgment Awaits You“ hat sich die mittlerweile zu einem Trio angewachsene US-Band offensichtlich ausgiebig von SLAYER´s „Angel Of Death“ inspirieren lassen. In der Klassik würde man wohl von einer Variation sprechen. Der berühmte Tom Araya-Kreischer bleibt allerdings aus. Frontmann, Multinstrumentalist, Kreativkopf und ehemalige One-Man-Band Joel Grind bellt lieber böse ins Mikro. Der Mann nutzt zur Stimmbandreinigung bestimmt das grobkörnige Schmirgelpapier. Auch auf den übrigen Songs ihres Viertlings machen TOXIC HOLOCAUST keinen Hehl daraus, wem man hier Tribut zollt. Neben den bereits genannten, fast schon omnipräsenten SLAYER lassen sich auch weitere Bay Area Thrash-Veteranen wie METALLICA und EXODUS im Bandsound ausmachen. Selbstredend liegt der Fokus dabei auf den Kultwerken der 80er Jahre. Eine dieser lahmen Rip-Off-Bands sind TOXIC HOLOCAUST deswegen aber noch lange nicht.

Joel Grind´s Vorliebe für britischen Hardcore (DISCHARGE, BROKEN BONES) und deftigen Rock´n´Roll (MOTÖRHEAD) war schon auf dem Vorgänger „An Overdose Of Death“ das Salz in der Suppe. Damals waren diese Einflüsse zwar noch um einiges präsenter, selbige kommen aber auch auf „Conjure And Command“ zum tragen.

In Sachen Songwriting zeigen sich TOXIC HOLOCAUST deutlich gereift. Die Songs kommen mehr auf den Punkt, ohne dabei die nötige Abwechslung vermissen zu lassen. Zu den Glanzlichtern des dynamischen Silberlings zählen, neben dem mit einem coolen Groove-Part inklusive Gangshouts versehenen „Bitch“, der bleischwere, unheilschwangere Stampfer „I Am Disease“ und die Abrissbirne „Revelations“. Mit dem eingängigen Albumgroover „The Liars Are Burning“ hat man sogar sowas wie eine kleine Hymne im Gepäck. Skip-Kandidaten sucht man auf „Conjure And Command“ indes vergebens.

TOXIC HOLOCAUST werden für ihren neuesten Streich sicherlich keinen Innovationspreis bekommen. Nichtsdestotrotz sprüht „Conjure And Command“ vor solcher Lebendigkeit und Spielfreude, dass man sich als Thrash-Fan veranlasst, ja fast schon genötigt fühlt, endlich mal wieder intensiv in der eigenen Sammlung zu wühlen. Eine Leistung, vor der man ruhig mal seinen imaginären Hut ziehen kann.
 
Wer also etwas für guten Old-School-Thrash übrig hat, sollte „Conjure And Command“ auf jeden Fall mal antesten, zumal man auch produktionstechnisch nochmal eine gute Schippe zulegen konnte. Die Vinylausgabe lohnt, da Allroundtalent Mr. Grind dieses Mal wirklich ein ansehnliches Artwork gezeichnet hat. Thrash On! 

Veröffentlichungstermin: 03.10.2011

Spielzeit: 33:03 Min.

Line-Up:
Joel Grind – Vocals, Guitar
Phil Gnaast – Bass
Nikki Bellmore – Drums

Produziert von Toxic Holocaust

Label: Relapse

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/toxicholocaust

Tracklist:
1. Judgment Awaits You
2. Agony Of The Damned
3. Bitch
4. Red Winter
5. Nowhere To Run
6. I Am Disease
7. In The Depths (Of Your Mind)
8. The Liars Are Burning
9. Revelations
10. Sound The Charge

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