TODAY IS THE DAY: Kiss the Pig

Ohne Frage das hasserfüllteste, zerstörerischste und schnellste Material, dass TODAY IS THE DAY jemals aufgenommen haben. Auch das Beste?

Vieles deutete darauf hin, dass Kiss the Pig kein normales Album des berüchtigten Amerikanischen Dreigespanns ist. Mainman Steve Austins unübertrefflicher und beängstigender Seelenstriptease Sadness Will Prevail konnte unmöglich wiederholt werden, nicht nur weil er sonst wahrscheinlich schon sechs Fuß tief unter der Erde liegen würde, sondern auch weil man diese extreme Belastung dem Hörer auf diese Art besser kein zweites Mal antut. Der sonderbar aggressive Titel und die Kürze des Albums zeigen an: Hier wird ein anderes Geschütz aufgefahren.

Relapse sagt, Kiss the Pig ist das hasserfüllteste, zerstörerischste und schnellste Material, dass TODAY IS THE DAY jemals aufgenommen haben, und damit haben sie auch verdammt recht. Kiss the Pig ist genauso hässlich wie sein Vorgänger, dieses Mal ist es aber nicht zum selbsthassen und Pulsadern aufschneiden geeignet, sondern zum Amoklaufen. Über das Leben im heutigen Amerika drehen sich die Texte und dementsprechend wütend ist die Musik. Steve Austin wird politisch? Das war er schon immer, doch mit Kiss the Pig und seiner deutlichen Bildsprache, seinem wütenden, punkigem und spontanen Ausbrüchen dürfte auch dem letzten klar sein, dass TODAY IS THE DAY mit ihrem siebten Album keine Gefangenen machen.

Dementsprechend gibt es hier auch keinen Noise Rock wie auf In the Eyes of God mehr zu hören, dafür ist Kiss the Pig viel zu brutal. Grindcore- und Noisecore-Passagen sind die Regel, fette Blast-Beats und Double-Bass Einlagen keine Seltenheit und mörderfette Grooves schleichen sich auch gerne ein. Anteil daran hat der neue Drummer Mike, der auch bei CIRCLE OF DEAD CHILDREN die Felle streichelt und der bereits auf Tour zeigen konnte, wie wieselflink er ist. Mit seinem Spiel überzeugt er durchgehend, ebenso wie Basser Chris Debari, dessen Basslinien in die Magengrube knallen und ordentlich fies verzerrt sind. Steve Austin kreischt wie eh und je, was sehr gut zur neuen Ausrichtung der Band passt. Dadurch klingen brutale Songs wie Outland oder Sympathy Junky ebenso mächtig wie die langsameren Stücke, die nach wie vor existieren. Besonders intensiv ist das abschließende Birthright, dass mit seinen elf Minuten noch einmal alle Stimmungen des Albums durchläuft, einige überraschende Wendungen beinhaltet.

Die Produktion aus Steve Austins hauseigenem Studio ist wie immer recht dünn, aber lärmig und passt hervorragend zur hässlichen Musik. Real and Uncensored quasi. Schade nur, dass da einige Details untergehen, es ist immer das Gleiche. Im Gegenzug haben TODAY IS THE DAY – bei denen sich erstaunlicherweise das Besetzungskarussell nicht komplett gedreht hat, Basser Chris Debari ist nach wie vor dabei – die abwechslungsreichste Scheibe ihres Bestehens geschrieben, wenn auch nicht die Beste. Sadness Will Prevail ist unerreicht geblieben und auch In the Eyes of God. gefällt mir besser, dennoch sollten Fans von Steve Austins kaputten und krankhaften Ausbrüchen bereits nach den ersten Tönen vor Freude in die Luft springen. Oder die Äxte aus den Schränken holen. Aber bitte keine Dummheiten anstellen, ja?

Veröffentlichungstermin: 12. Juli 2004

Spielzeit: 36:26 Min.

Line-Up:
Steve Austin – Guitar, Vocals, Keyboards, Samples

Chris Debari – Bass

Mike Rosswog – Drums

Produziert von SLA und TODAY IS THE DAY
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.todayistheday.org

Tracklist:
1. Why They Hate Us

2. Kiss the Pig

3. Mother´s Ruin

4. This Machine Kills Facists

5. Outland

6. Don´t Tread on Hope

7. Sympathy Junky

8. Platinum Pussy

9. Train Train

10. Bee´s Way and Star Wars

11. Birthright