THIS OR THE APOCALYPSE: Dead Years

Guter technischer Metalcore, den der Trend leider eingeholt hat.

Der Trend im Metalcore geht seit geraumer Zeit in eine technikbetonte Richtung. Beatdowns sind nicht gänzlich außer Mode, doch gut spielen können müssen die Beteiligten mittlerweile auch. Die Entwicklung bewegt sich folglich in eine Richtung, die THIS OR THE APOCALYPSE alles andere als ungelegen kommt. Die Amerikaner haben unlängst ihr viertes Studioalbum vorgelegt, auf dem sie ihre Stärken mit geschwellter Brust zur Schau stellen.

“Hell Praiser” nennt sich der brutale Einstieg, fährt von Breaks, über komplexe Technikspielereien bis zu markerschütternden Screams in wendungsreichen vier Minuten alles auf, was den technischen Metalcore auszeichnet. Tief gestimmte Gitarren fehlen ebenso wenig wie verknotete Leads und Soli, die als Kontrast den Breaks die Wucht eines Vierzigtonners verleihen. “In Wolves” vollendet diese standardisierte Herangehensweise durch die letzte fehlende Zutat, nämlich den obligatorischen Klargesang im Refrain.

“Dead Years” verlangt seinen Hörern mehr ab als nötig

Hier wendet sich also schnell das Blatt: Die Struktur wird zeitweise klar und geradlinig, die zahlreichen, verflochtenen Stränge lösen sich zu einer transparenten Vorstellung dessen, was unter dem Deckmantel des brutalen Metalcore schlummert. Diesen Ansatz verfolgen THIS OR THE APOCALYPSE ebenso im klar strukturierten, von überlegten Gitarren dominierten, “Americans”, bevor “Hate The Ones You Love” wieder die straighte, aber nichtsdestotrotz verspielte, Seite der Jungs nach außen kehrt.

Produziert ist “Dead Years” genretypisch laut und fett, was dem Härtegrad des Albums zwar entgegenkommt, die eigentlich vorhandene Dynamik beim Songwriting im Gegenzug ein Stück weit untergräbt. Da selbst verhältnismäßig zurückgenommene Passagen, wie sie unter anderem im sehr variablen “Gaunt And Fierce” zu finden sind, enorm kraftvoll aus der Anlage schallen, verlangt “Dead Years” seinen Hörern mehr ab als nötig.

Der Trend hat THIS OR THE APOCALYPSE eingeholt

Doch was will man von einer Band erwarten, die ihre Fans zwar zwischendurch mit Samthandschuhen anpackt, nicht jedoch ohne sie zuvor mit Stacheldraht zu umwickeln? Eben. Und genau das wollen wir doch haben. Ganz in dieser Tradition steht also das Viertwerk von THIS OR THE APOCALYPSE. Und ganz in dieser Tradition fehlen ihm bei aller spielerischen Klasse und bei aller kompositorischer Routine die originellen Einfälle, um sich selbst an die Spitze des monumentalen Eisbergs zu hieven. “Dead Years” macht eine Menge Spaß, keine Frage, lässt nach seinen 43 Minuten jedoch ein kleines Vakuum zurück, das nicht zu beantworten vermag, was genau THIS OR THE APOCALYPSE so einzigartig machen sollte. Der Trend hat die Jungs eingeholt.

Veröffentlichungstermin: 21.09.2012

Spielzeit: 42:44 Min.

Line-Up:
Rick Armellino – Vocals
Jack Esbenshade – Guitar
Rodney Phillips – Guitar, Vocals
Matthew Marcellus – Bass, Vocals
Aaron Ovecka – Drums

Produziert von Andreas Magnusson
Label: Lifeforce

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/thisortheapocalypse/

THIS OR THE APOCALYPSE “Dead Years” Tracklist

01. Hell Praiser (Video bei YouTube)
02. Power Hawk
03. In Wolves
04. Americans
05. Hate The Ones You Love
06. You Own No One But You
07. A Damn Moment
08. Gaunt And Fierce
09. Kill´em With Guidance
10. Hard Brach To Snap