THE SAFETY FIRE: Mouth Of Swords

THE SAFETY FIRE: Mouth Of Swords

In England tragen sie Schnauzer. Das demonstrierten jedenfalls THE SAFETY FIRE im Kollektiv, als sie 2012 mit BETWEEN THE BURIED AND ME durch Europa tourten. Unter dem noblen Balken das rasiermesserscharfe Grinsen, verkauften sich die Jungs sympathisch und kompetent. Dass auch abseits der Bühne mit scharfem Besteck hantiert wird, soll jetzt „Mouth Of Swords“ beweisen.

Durchschnitten werden damit vornehmlich die eigenen Hörerwartungen, denn den Progressive Metal zeichnen zahlreiche Wendungen aus: Die melodieführenden Gitarren flechten sich nicht selten ineinander, das Schlagzeug unterbricht den Rhythmus mit krummen Patterns und wilden Fills. Den Laden zusammenhalten muss daher Fronter Sean McWeeney, dessen klare Singstimme in den technischen Passagen für einen roten Faden sorgt, und der in geladenen Momenten durchaus Gas geben kann.

„Mouth Of Swords“ gibt Anlass zum Eintauchen und Entdecken

Nun ist es nicht so, dass „Mouth Of Swords“ für ungeübte Hörer ungenießbar wäre. Immer wieder drosseln THE SAFETY FIRE sowohl Tempo als auch Experimentierdrang, um etwa dem Titelsong einen schmeichelnden Refrain zu spendieren oder das satt drückende „Yellowism“ mit Progressive-Rock-Einflüssen zu veredeln. Langweilig wird „Mouth Of Swords“ trotz unbestrittenem Mid-Tempo-Fetisch von Songwriter Derya Nagle nicht. Eine ganze Ladung Ideen, Wendungen und Soundschichten sind fordernd genug und geben dank des transparenten Sounds Anlass zum Eintauchen und Entdecken.

THE SAFETY FIRE agieren mancherorts nicht unähnlich den Amerikanern von LAST CHANCE TO REASON, solange deren stärkere Death-Metal-Prägung nicht zum Tragen kommt. Gerade der zeitgemäße Progressive Metal in „Red Hatchet“, dem großen Ausklang „Old Souls“ und „Beware The Leopard (Jagwar)“, bei dem BETWEEN THE BURIED AND ME-Sänger Tommy Rogers zur Unterstützung eilt, verschmilzt futuristische Atmosphäre mit verschachtelter Heaviness auf beeindruckende Weise. „The Ghosts That Wait For Spring“ beginnt mächtig und abgezockt mit einem GOJIRA-Riff, nachdem „Wise Hands“ zuvor auf balladeske und leise Töne gesetzt hatte. Es ist kein Geheimnis, dass für manche Parts auch DEFTONES, THE MARS VOLTA und TOOL Pate standen – sicher nicht die schlechtesten Vorbilder.

Den Killerinstinkt müssen THE SAFETY FIRE noch finden

Nach 47 Minuten erkennen wir zwar auch, dass THE SAFETY FIRE für die respektiven Genres vermutlich nie so prägend sein werden, wie es etwa TOOL oder BETWEEN THE BURIED AND ME waren. Und trotzdem ist mit „Mouth Of Swords“ das Zweitwerk der Briten im engen Kreis der besten Genreveröffentlichungen 2013 zu verorten. Den Killerinstinkt müssen THE SAFETY FIRE noch finden, bis dahin bin ich auch mit Schnauzer und rasiermesserscharfem Grinsen zufrieden – vor allem, wenn die Köpfe dahinter derart spannende Musik fabrizieren.

Veröffentlichungstermin: 30.08.2013

Spielzeit: 46:56 Min.

Line-Up:
Sean McWeeney – Vocals
Joaquin Ardiles – Guitar
Derya Dez Nagle – Guitar
Lori Peri – Bass
Calvin Smith – Drums

Produziert von Derya Nagle und Jens Bogren (Mastering)
Label: InsideOut Music

Homepage: http://www.thesafetyfire.com/
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/thesafetyfire

THE SAFETY FIRE „Mouth Of Swords“ Tracklist

1. Mouth of Swords (Video bei YouTube)
2. Glass Crush
3. Yellowism (Video bei YouTube)
4. Beware The Leopard (Jagwar)
5. Red Hatchet
6. Wise Hands
7. The Ghosts That Wait For Spring
8. I Am Time, The Destroyer
9. Old Souls

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.