THE BURDEN REMAINS: Downfall Of Man

Debüt aus der Schweiz. Durchwachsen, stimmt aber hoffnungsvoll.

Aaalso, laaangsam. Phase 1: Sachlich-fachliches Feststellen, um was es sich bei Downfall of Man handelt – nämlich um ein Debütalbum voll Thrash-/Power-Metal, leicht progressiv und mit amerikanischer Prägung. Frühe NEVERMORE hört man heraus, und mit aller Regelmäßigkeit die Barden von BLIND GUARDIAN. Die Songs der Schweizer THE BURDEN REMAINS sind komplex und ambitioniert, die graphische Gestaltung des Digipacks ist dem Auge eine Wohltat.

Phase 2: Einschränken. Tommy Schweizers Vocals nerven mitunter. Seine kraftvolle und wandelbare Stimme nölt und gröhlt manchmal orientierungslos umher und verläuft sich in Gefilden, die man besser Warrel Dane überlässt. Gegen Ende des Albums häufen sich zudem die schwachen Songs, mit Verlegenheits-Uff-Zack-Beats, Verlegenheits-Double-Bass-Drum-Teppichen, Verlegenheits-Riffs. Verlegenheit, weil derlei im Gegensatz zum Gros des THE-BURDEN-REMAINS-Handwerks nach Notbehelf klingt: Hey, drei Parts müssen her, wir haben 45 Sekunden Zeit, sie zu schreiben. Schrammel-schrammel, uffz-zack. Außerdem sind die Lyrics Käse. Metal-Käse-Attitüde: Men are but creatures full of lust, weak-minded, treacherous and blind. Auch die Nummer mit den Todsünden ist totgenudelt.

Phase 3: Relativieren (mit Herzblut!). THE BURDEN REMAINS sind jung, blutjung! Noch halbe Kinder! Dass einer der Burschen auf dem Bandfoto schwarzen Pollunder auf weißem Kragenhemd trägt, als komme er gerade aus dem Violinen-Unterricht, will ich unter Jugendsünden verbuchen. Doch diese Burschen sind, wie gesagt, ambitioniert, sie wollen die Aufmerksamkeit des Hörers bannen und diesen nicht langweilen, und geben sich somit bis auf die kritisierten Ausreißer (vermutlich Songs aus Zeiten der Vorgänger-Band) nicht mit dem erstbesten Songmaterial zufrieden.

So ganz zünden die oft episch langen Songs nicht immer, aber in jedem dieser Songs steckt mehr an kompositorischer Reflektiertheit und künstlerischer Hingabe als auf manchen ganzen Alben, die man so hört.

THE BURDEN REMAINS probieren sich aus, und was innerhalb eines Songs, innerhalb eines Albums machbar ist. Hätten sie sich noch an elektronischen Spielereien versucht, ich könnt´s verstehen – wären diese Müll geworden, ich wöllt´s verzeihen. Zumal das Quartett mit spannend düsteren Passagen und wunderschönen Refrains (Prophecy of Decay) aufwartet, bei denen man gleich mit auf den Iron Hill klettern und das Still-standen of Time besingen möchte.

Nur dieses eine Fazit möchte ich fällen, beziehungsweise diese eine Bitte der Leserschaft antragen, die man nie langweilen darf und deren Aufmerksamkeit schwierig zu bannen ist: man behalte diese noch junge Band im Auge. Mit etwas Glück waschen sich diese Metal-Käse-Lasten aus, und mit noch mehr Glück ist das zweite Album eines, das man guten Gewissens nicht allzu weit entfernt von der Dreaming Neon Black im Regal platzieren darf.

Veröffentlichungstermin: 12.09.2011

Spielzeit: 49:53 Min.

Line-Up:

Tommy Schweizer – Vocals, Bass
Philippe Aebischer – Gitarren
Thomas Jenny – Gitarren
Silvan Mangold – Drums

Label: Fireantmusic

Homepage: http://www.theburdenremains.com/

Tracklist:

1. To The Wolves
2. Towards The Abyss
3. Prophecy Of Decay
4. Strike Down Salvation
5. Out Of The Fire / Into The Flames
6. Resistance: Failure
7. Ashes From The Skies
8. Technoid Gods
9. Into The Unknown
10. The Burden Of Truth