TEARS OF MYSTIGMA: Reflect Project: Colder Side (Eigenproduktion)

TEARS OF MYSTIGMA: Reflect Project: Colder Side (Eigenproduktion)

Nach dem Ableben der DREADFUL SHADOWS (das wegen des eher lauen letzten Albums The Cycle eigentlich nicht wirklich störte) habe ich bislang keine Band gefunden, die auf eine ähnliche Weise deren Platz einnehmen könnte. Gut, besonders angestrengt gesucht habe ich nicht, aber wäre die Welt eine gerechte, hätte ich natürlich längst die ultimative Gothic-Band gefunden. Wie dem auch sei, die sechs Herren aus Rheine, die sich TEARS OF MYSTIGMA nennen und ursprünglich mal Death Metal spielten, versuchen jedenfalls, diese ultimative Band zu sein. Sie orientieren sich unüberhörbar an den Shadows, lassen aber auch Einflüsse aus dem Synthie-Bereich á la DEPECHE MODE zu. Anfänglich hört sich diese ruhige Variante des Gothic Rocks ziemlich monoton an, Sänger Torsten Bäumer aalt sich in seiner tiefen, Gothic-typischen Stimme, die Instrumentalisten indes spielen eine solide Basis aus Gitarrenteppichen und unspektakulärem Schlagzeug, und natürlich darf auch der Synthesizer nicht fehlen. Sowieso ist alles recht unspektakulär. Nach einigen Durchläufen allerdings erschließen sich einzelne Songs dem Hörer, und dieses typische Das muß ich noch einmal hören-Gefühl entsteht, die Melancholie senkt sich wohlig auf des Hörers Herz, und er erkennt, dass Reflect Project: Colder Side ein wirklich gutes Album ist und unter den deutschen Eigenproduktionen im Gothic-Lager auf jeden Fall einen Spitzenplatz einnimmt. Besonders die herrliche Ballade To dread a new horizon sticht dabei hervor – mit diesem Song hat die Band sich wirklich selbst übertroffen. Leider kann der Rest des Albums da nicht mithalten, bietet aber ausschließlich gute Songs auf einem hohen Level, auch wenn die Texte wegen einiger Grammatikfehler negativ auffallen und auch nichts besonderes im Seelenleid-Selbstmitleid-Brei bieten. Negativ fällt weiterhin der sterile Klang des Albums auf; im Booklet wird damit angegeben, man habe auf sog. Pro Tools aufgenommen. Leider weiß ich nicht, was das ist, kann mir aber vorstellen, daß die digitale Sterilität damit zusammenhängt. Ein objektiv guter Klang ist dadurch aber natürlich gegeben, auch wenn irgendwie die Seele fehlt – ganz im Gegensatz zu einem Album der großen DREADFUL SHADOWS, die ja vor Seele nur so strotzten. Bis dahin ist es für TEARS OF MYSTIGMA noch ein Stück weit; mal sehen, wie sich die Band entwickelt.

Spielzeit: 55:40 Min.

Line-Up:
Jörg Bäumer – guitars & programming

Clemens Leugers – guitars

Torsten Bäumer – vocals

Jens Meier – drums

Stephan Richter – bass

Gunter Wißmann – Synthesizer

Produziert von TEARS OF MYSTIGMA

Homepage: http://www.tears-of-mystigma.de

Email: info@tears-of-mystigma.de

Tracklist:
1. Unchained the downfall

2. Subversive

3. Pale reflection

4. In no sense

5. Guilt

6. Disillusion

7. To dread a new horizon

8. Weakness

9. Cold coloures

10. Supreme suffering

11. The harvester

12. The eve of neptune

Andreas Holz
Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.