TALVIHORROS: And It Was So

Unwahrscheinlich organisch klingende Musik aus dem Ambient-Bereich, um den Puls sinken zu lassen, langsam zu werden, sich selbst zu finden und zu ruhen.

Let There Be Light! rufen TALVIHORROS vom Berg der Erkenntnis herab, dort wo die Weisheit im trüben, dicken Nebel des Herbstes sich in Tropfen auf Farnen und Gräsern scheinbar unbemerkt versteckt. And It Was So kommt schier aus dem Nichts und lullt uns ein in diese vage, verschwimmende Welt aus Klängen, in diese wärmende Dunkelheit, diese wundervolle mysteriöse, Antworten auf scheinbar alles gebende Parallelwelt. Ben Chatwin kreiert Musik, die wie ein Phantom wirkt, mit teilweise verfremdeten, teilweise überraschend konventionell klingenden Gitarren und wabernden Synthesizern. Als würden die düsteren, surrealen Bilder von Bunuel und Dali Wirklichkeit werden und eine Matrix zeigen, mit der alle in diesem Album enthaltenen Rätsel entschlüsselt werden können.

Chatwin schwebt auf And It Was So zwischen den wunderschönen, tief berührenden Ambient-Klanglandschaften von TIM HECKER, ULVER und BARN OWL, dem Labelkollegen PAN & ME und SIGUR RÓS, kommt dann mit einigen, schleppenden Rhythmen einer Totenmesse wieder ein wenig in die Realität zurück, wird irgendwann ganz real, ganz nah, ganz traurig. Und wenn schließlich vereinzelte Streicher einsetzen, dann nutzt TALVIHORROS die aufgebaute Stimmung, um mit nur einem Handgriff das Herz zu brechen. TALVIHORROS haben in dieser Dreiviertelstunde einige großartige Momente parat, wie bei Let There Be Light, The Two Great Lights und Great Sea Monsters, bei denen der Nebel wie durch Zauberhand einer Sternenklaren Vollmondnacht weicht. Hier und da erscheinen TALVIHORROS sehr bedrückend, doch in letzter Konsequenz sind die sieben Stücke tröstlich und zutiefst beruhigend.

Dennoch hält Ben Chatwin, zusammen mit seinen Gastmusikern, die unter anderem von Oliver Barret (PETRELS) und Christoph Berg alias FIELD ROTATION schon DENOVALI-Freunden gut bekannt sind, es nicht durch, die ganze Dreiviertelstunde ohne Längen zu überstehen. Bei In The Midst Of The Waters und Swarms Of Living Souls fehlt hier und da ein packendes Element. Davon abgesehen ist And It Was So schön komponiert, es ist zärtlich und gleichermaßen aufwühlend. Eben ein ganz eigenes Universum. TALVIHORROS´ viertes Album mag nicht perfekt sein, aber es hat unwahrscheinlich magische Momente parat. Auf den Bandnamen bezogen: Das ist Musik, um den Puls sinken zu lassen, langsam zu werden, sich selbst zu finden und zu ruhen. Und die Winterruhe könnte in diesem Jahr, mit diesem Soundtrack, sehr tief sein.

Veröffentlichungstermin: 23. November 2012

Spielzeit: 47:17 Min.

Line-Up:
Ben Chatwin – Instrumente

Gastmusiker:
Jordan Chatwin – Drums, Percussion
Christoph Berg – Violine
Anais Lalange – Viola
Oliver Barret – Cello

Produziert von Ben Chatwin
Label: Denovali Records

Homepage: http://www.talvihorros.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/talvihorros

Tracklist:
1. Let There Be Light!
2. In The Midst Of The Waters
3. The Two Great Lights
4. Swarms Of Living Souls
5. Creeping Things
6. Great Sea Monster
7. A Mist Went Up