SOLEMNITY: Shockwave Of Steel

Wenn jemand ernsthaft meint, dass tausendfach gehörte Riffs/Refrains und ein sehr limitierter Stimmumfang ausreichen, um den Status "Götteralbum" zu erhalten, dann leidet dieser jemand an einem ernsthaften Verlust des Realitätsinns!

Es gibt Musiker wie Joey DeMaio oder Gene Simmons, die gerne mal den Mund sehr voll nehmen und mächtig auf die Größenwahn-Pauke hauen.

Aber gerade bei den beiden Herren weiß man erstens, dass sie das Spiel mit den Medien zu spielen verstehen und viele Dinge eher augenzwinkernd bzw. mit einer gehörigen Portion Selbstironie verkünden.

Zweitens haben diese beiden Herren schon was in ihrem Musikerleben geleistet bzw. erreicht und – zumindest was Herrn Simmons angeht – Musikgeschichte geschrieben.

Wenn also diese beiden Gestalten auf die Kacke hauen, dann ist das bis zu einem gewissen Grad okay und sogar unterhaltsam.

Was das im Review einer Undergroundproduktion zu suchen hat? Eigentlich nichts, aber es gibt offensichtlich auch im deutschen Untergrund einige Musiker, die sich und ihre Musik vielleicht etwas zu selbstbewusst und mit zu verklärtem Blick einstufen.

Axt-Sven, ein diplomierter Toningenieur und Sänger aus dem Süden der Republik, ist so ein Paradebeispiel.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Bands, die es packen wollen und dementsprechend selbstbewusst und ambitioniert an eine Sache rangehen.

Man sollte aber immer auf dem Boden bleiben, doch hier hat jemand ein wenig die Haftung verloren. Wie kann man solch ein Info verfassen und damit rechnen, von auch nur einem Menschen ernst genommen zu werden?

Eigenen Angaben zufolge schrieben SOLEMNITY bereits Metalgeschichte und veröffentlichten mit Reign In Hell nicht nur das druckvollste Album, das man sich wünschen kann, sondern auch acht Songs der Superlative.

Die Band veröffentlichte in der Vergangenheit monumentale Granaten der Extraklasse…wie es die Welt noch nicht gesehen hat.

Wenn ich dann noch lesen muss/darf, dass das aktuelle Album Shockwave of Steel ab sofort in den Reigen der Götteralben aufgenommen worden ist und in einem Atemzug genannt wird mit Meilensteinen wie ´Kings Of Metal´, ´Kill ´Em All´ oder ´The Number Of The Beast´, dann kann ich darüber nicht mal mehr lachen.

Axti (ich darf doch Axti sagen, oder?!?), Zeitgenossen wie IRON MAIDEN und MANOWAR blicken also demütig auf deine Band herab, da sie dessen sicher sind, solche Epen heute nicht mehr schaffen zu können?

Tun sie mit absoluter Sicherheit – und zählen dabei ihre Millionen verdienter Dollar (IRON MAIDEN) bzw. lassen sich von einem Pleasure Slave zu einer Erektion verhelfen (MANOWAR).

Und jetzt kommt mir bitte nicht damit, dass Axt-Sven das alles doch gar nicht ernst meint? Doch meint er, das könnt ihr mir nach dem zwischen ihm und mir geführten Schriftverkehr anlässlich meiner Kritik zum letzten Albums King Of Dreams glauben.

Dabei hat er so ein schwachsinniges Gesülze gar nicht nötig, denn musikalisch ist seine bis auf den Drummer runderneuerte und im Moment ohne Deal dastehende Combo gar nicht so übel.

Deutlich von Achtziger Jahre-Metal-Ikonen wie CIRITH UNGOL, IRON MAIDEN, MERCYFUL FATE, MANILLA ROAD und frühen MANOWAR beeinflusst, lässt man weder musikalisch noch textlich auch nur ein Klischee aus – auch die eine oder andere Reminiszenz an die STORMWITCH-Frühphase konnte ich heraushören, was auch an dem hohen und etwas an Andy Mück erinnernden und auf Dauer etwas anstrengenden Gesang liegen mag.

Eigene und originelle Song- und Text-Ideen sind hier Mangelware – aber gut geklaut, verwurstet und unterhaltsam klingt es dennoch und sollte Axti und seinen Kriegern nicht ernsthaft negativ angekreidet werden.

Die Band hat auf der einen Seite Songs der Sorte flott am Start (Axe Attack, Shockwave Of Steel), sorgt aber mit wuchtig-getrageneren Klängen wie The Book Of Eibon, Bloodbath oder Red Monk für Abwechslung, die auch durch einige gesprochene Parts, Säbelgerassel und atmosphärisch-morbide Keyboardsounds oder die in russisch gesungene Coverversion eines Songs der in ihrem Heimatland tierisch angesagten russischen Combo ARIA erzeugt wird.

Wenn Axt-Sven SOLEMNITY als – wie ich finde sogar gute – 80s-Metal Tributeband bezeichnen würde, hätte ich damit überhaupt kein Problem und würde vor soviel gesunder Selbsteinschätzung sogar meinen imaginären Hut ziehen.

Wenn Herr Sostak, dem eine gewisse Bodenständigkeit mal wieder ganz gut tun würde, aber ernsthaft meint, dass tausendfach gehörte Riffs bzw. Refrains und ein sehr limitierter Stimmumfang (der zur Musik passt, das gebe ich gerne zu) ausreichen, um den Status Götteralbum zu erhalten, dann leidet er an einem ernsthaften Verlust des Realitätsinns.

Und wenn ich in seinen Augen kein echter Metaller (mehr) bin, weil ich Texte, Einstellung, Musik und Outfit nicht wirklich ernst nehmen kann, dann soll es wohl so sein…

Kontakt: Solemnity Music, Hittistetter Str.1, 89250 Senden

Veröffentlichungstermin: 30.04.2005

Spielzeit: 52:08 Min.

Line-Up:
Sven The Axe (Vocals)

Nosferatu Kuba (Guitar)

Ralf Red Monk Gromer (Bass)

Adrian Son Of Satan Brock (Drums)

Produziert von Sven The Axe Sostak
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.solemnity.de

Email: info@solemnity.de

Tracklist:
1. Enter The Axeworld

2. Mephisto

3. Axe Attack

4. The Queen Of Hades

5. The Book Of Eibon

6. Shockwave Of Steel

7. Bloodbath

8. Red Monk

9. Impaler

10. Wolja I Rasji

11. Chainsaw Lullabye

12. Black Horizon

13. Up From The Grave