SOLEMNITY : King of Dreams

Musikalisch gibt es nichts oder nur wenig zu meckern. Aber nach über dreiundzwanzig Jahren Metal hören, brauche ich solche Bands (und Bandfotos) definitiv nicht mehr so sehr…

Ich hab’ nichts gegen traditionellen, tief in den Achtzigern verwurzelten Heavy Metal. Im Gegenteil, ich liebe Bands wie RUNNING WILD, MANOWAR, METAL CHURCH, CIRITH UNGOL und viele, viele andere Kapellen aus dieser Ära (in der ich grossgeworden bin). Und ich stehe auch nachwievor auf das Image, das diese Bands verkörpern bzw. verkörperten. Aber man sollte bitte eines nicht vergessen. Das alles ist vor etwa zwanzig Jahren passiert und deshalb brauchen wir solche Bands wie MAJESTY oder SOLEMNITY aus Augsburg und Aussagen wie „Ein SOLEMNITY-Konzert zu überleben bedeutet auserwählt zu sein, um ihren Namen in Glorie in die Welt hinauszutragen… im Jahre 2003 auch nicht (mehr). Absolut zum Kotzen (oder „un-true“) finde ich übrigens die Intoleranz, die besonders Sänger, Produzent, Texter Gitarrist und Keyboarder Sven the Axe auf der Homepage der Band an den Tag legt. Wer im Jahre 2003 die ONKELZ immer noch als Naziband bezeichnet und alle Musikrichtungen außer Metal (“Fuck grunge, fuck hardcore, fuck techno”) offensichtlich nicht akzeptieren kann/will, ist ein Betonkopf (oder heisst es in diesem Falle „Metallkopf“?) und tritt doch eigentlich genau die Werte (u.a. Toleranz gegenüber andersdenkenden und –musizierenden) mit Füßen, für die „Metal“ eigentlich steht/stand. Oder ist das Teil des Images der Band? Naja, dafür wünscht ja jedes Bandmitglied irgendwelchen Brauereien ein langes Leben. Bands wie SOLEMNITY sind auf jeden Fall der Grund dafür, dass manche Leute (die nicht mehr oder weniger tolerant als Herr the Axe sind) über all die Metal-Klischees (Nieten, Sensen, Totenköpfe, Schwerter, Äxte, Kreuze) lachen/lächeln oder den Kopf schütteln. Okay, bei einer Band wie HAMMERFALL erkenne ich wenigstens ein gewisses Tributzollen an die geilen Zeiten (oh ja, das waren sie), aber ich befürchte, dass SOLEMNITY es fürcherlich ernst meinen. Dabei ist die Band und ihre Musik gar nicht schlecht. Wirklich nicht. Die Wurzeln der Augsburger liegen klar im Metal der glorreichen Achtziger, sowohl was die teutonischen, als auch die amerikanischen Bands betrifft. Natürlich sind Einflüsse solcher Bands wie RUNNING WILD, HELLOWEEN (ohne Happy Metal-Elemente) oder (frühen) BLIND GUARDIAN nicht zu überhören, aber auch von einigen US-Metal-Combos (z.B. CIRITH UNGOL, Omen, MANILLA ROAD) haben sich Solemnity ohrenscheinlich beeinflussen lassen, was ich nicht nur schreibe, weil sich mit „Spirits Of The Dead“ ein Manilla Road-Cover (vom „Mystification“-Album, 1986) auf dem Album befindet. Aprospos Cover : Ken Kelly, der nicht nur für MANOWAR (u.a. „Fighting the World“, „Louder than Hell“), sondern auch für KISS („Love Gun“, „Destroyer“), STEEL PROPHET(„Unseen“) und BLUDGEON („Crucify the Priest“) arbeitete, ist auch (und erneut) für das Coverartwork der neuen Scheibe verantwortlich. Doch zurück zur Musik. Der Hörer kriegt (versehen mit einer guten Produktion) treibende Drums und druckvolle Gitarren geboten. Ihn erwarten eingängig-melodische (oft mehrstimmig vorgetragene) Refrains und (vereinzelte) getragene oder stampfende Parts, was „King of Dreams“ zu einer recht abwechslungsreichen Scheibe macht. Doch nicht nur musikalisch, auch textlich lässt man (obwohl mir nur eine textlose Promo-CD vorliegt) kein Klischee aus. Und weil man nicht nur „voll Metal“ und „true“, sondern auch total lustig ist, darf natürlich ein „Ich-mach-mir-gleich-in-Hosen-vor-lachen“-Hiddentrack als Songnummer 66 (Gähn!) nicht fehlen. Wen’s interessiert : Bei „Vampire´s Dance” ist Steve Sylvester von DEATH SS zu hören. Achja, leider zeigt mein CD-Player eine Gesamtspielzeit von 66:05 Minuten an. Das war wohl nicht so geplant, oder? Musikalisch gibt es nichts oder nur wenig zu meckern. Aber nach über dreiundzwanzig Jahren Metal hören, brauche ich solche Bands (und Bandfotos) definitiv nicht mehr so sehr…

Spielzeit: 65:05 Min.

Line-Up:
Sven The Axe – Sreams & Entertainment (vocals)

Andy Herz – Low Deathtones Of Doom (bass)

Christian Miller – Psychotic Riffmaster (guitars)

Marcel Kemper – Six-String-Killer (guitars)

Adrian Son Of Satan Brock – Drums Of War (drums)

Produziert von Sven the Axe
Label: Remedy Records

Homepage: http://www.solemnity.de

Email: SolemnityMail@aol.com

Tracklist:
1. Fire in Mainstreamland

2. Kill The Majesty

3. The Ninth Gate

4. King Of Dreams

5. Vampire´s Dance

6. Spirits Of The Dead

7. In Dubio Pro Sathanas

8. Heart Of A Raven