SAHG: II

"II" steht dem Debüt in nichts nach und dürfte SAHG in der Doom-Szene und vor allem bei den BLACK SABBATH-Fans endgültig etablieren.

Das Debüt der Bergener SAHG hat mich vor knapp zwei Jahren komplett und sofort umgehauen. Das mit Leidenschaft erwartete neue, schlicht II betitelte Album hingegen konnte mich nicht gleich begeistern, nach einigen Durchgängen wanderte die Scheibe erstmal zurück in die Vampsterkiste. Vielleicht hätte ich sie nicht bei Zimmerlautstärke hören sollen, oder ich – oder die CD – war zur falschen Zeit am falschen Ort. Denn nun beim erneuten Versuch hat II doch seine volle Pracht entfaltet.

Sicher liegt es mit daran, dass die 2004 von Leuten von GORGOROTH, AUDREY HORNE und MANNGARD gegründeten SAHG auf dem Debüt I etwas brachialer und doomiger aus den Boxen dröhnten. Hier aber gehen sie weitaus offener und freier zu Werke, schauen auch mal abseits ihrer BLACK SABBATH– und PENTAGRAM-Sammlung durch die 70er und frühen 80er. Mit dem abwechslungsreicheren, verspielten und differenzierteren Gitarrenspiel, welches erfreulich auch mal kaum verzerrt im Vintage-Sound daher kommt, denkt man sehr schnell an LED ZEPPELIN. Dezente DEEP PURPLE, aber auch kauzige NWOBHM-Bands wie WITCHFINDER GENERAL, WITCHFYNDE oder auch frühe CLOVEN HOOF könnten finster Pate gestanden haben. Dass wieder nahezu immer BLACK SABBATH anwesend sind, das lässt sich mit den sehr nach OZZY auf den späten BLACK SABBATH-Scheiben klingenden Vocals kaum vermeiden. In diese Richtung eröffnet Ascent to decadence die Scheibe und stellt mit packendem Groove und melodischen Parts schnell klar, dass man die eingeheimsten Lorbeeren für´s Debüt nicht verwelken lassen will. Echoes ring forever ist einer der vielen Anspieltipps, absolut klasse kommt der hart groovende Doomer Star-crossed. Bei Pyromancer oder Wicked temptress wird jeder Doomer sofort auch an die Italiener THUNDERSTORM denken. Diesmal leben SAHG auch eine überraschend psychedelische Ader aus, Escape the crimson sun kommt wie eine spacige Ballade der alten SABBATH-Scheiben daher. Das sorgt für Entspannung, sonst würde man wohl unentwegt durch die Bude bangen. Schade, beim Rausschmeißer Monomania zickt die Promo, der Song scheint sich in seiner 11-minütigen Spielzeit zu einem absolut intensiven Psychedelic-Monstrum zu entwickeln, das bei mir leider ab der Hälfte nicht mehr anzuhören ist.
Was auf II deutlich herauszuhören ist, das ist auf der einen Seite das Zusammenwachsen der Band, da hat sicher auch die ausgedehnte U.S.A.-Tour als Opener für CELTIC FROST mitgeholfen. Auf der anderen Seite erkennt man reichlich Wut und Frustration in der Grundstimmung der Scheibe. Das verwundert kaum, wenn man bedenkt, dass die Band mitten in der Aufnahmephase das Studio verlassen musste, weil dieses irgendwelche Lokalpolitiker störte und dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Was SAHG hier auf dem zweiten Album zusammengebraut haben, steht dem Debüt in nichts nach und dürfte die Band in der gemäßigten Doom-Szene, bei harten Classic-Rockern und vor allem bei den BLACK SABBATH-Fans endgültig etablieren. Für ein paar Durchläufe sollte man sich Zeit nehmen, dafür bekommt man eine langlebige Scheibe, die man immer wieder gern in den Player legt. Und am besten gleich mit dem Lautstärkeregler auf 11, damit sie gleich von Anfang an rockt. Aber auch für Erkundungsreisen unter dem Kopfhörer bietet sich II wunderbar an.
Unklar bleibt, wer denn die Drums eingespielt hat. Aber da haben die Jungs in Bergen sicher genug Kollegen zur Verfügung gehabt.

Veröffentlichungstermin: 18.03.2008

Spielzeit: 48:40 Min.

Line-Up:
Olav – Vocals, Guitars
Thomas – Guitars
King – Bass

Produziert von SAHG und Brynjulv Guddal
Label: Regain Records/Soulfood

Homepage: http://www.sahgweb.com

Tracklist:
1. Ascent to decadence
2. Echoes ring forever
3. From conscious sleep
4. Star crossed
5. Escape the crimson sun
6. Pyromancer
7. Wicked temptress
8. By the toll Of the bell
9. Monomania