ROBBEN FORD: Pure

Ende 2018 hatte ROBBEN FORD die Blues Rock-Gemeinde wenig überraschend mit dem klasse Album “Purple House” begeistert. Nun folgt mit “Pure” sein erstes Instrumentalalbum nach dem 97er “Tiger Walk”. Auch für ihn wie bei vielen anderen Musikern im vergangenen Jahr ein Album der etwas anderen Art. Statt wie üblich mit ein paar Leuten ins Studio zu gehen und gemeinsam das neue Baby wachsen zu lassen, lag es nun allein an FORD und Mitstreiter Casey Wasner, die Ideen umzusetzen und aufzunehmen. Und den Rest dann passend einzufügen, Unterstützung hatten sie von allerlei erstklassigen Musikern. Herausgekommen ist letztendlich das Album, das für ROBBEN FORD mangels dem direkten Einfluß der beteiligten Musiker seine eigene musikalische Identität am deutlichsten widerspiegelt. Das Album zeigt halt ROBBEN FORD pur.

“Pure” zeigt ROBBEN FORD´s eigene musikalische Identität ganz pur

Von “Pure” gibt es eine kurze Prelude, dann wird tatsächlich erstmal locker flockig gebluest mit “White Rock Beer… 8 Cents”, aufgepeppt mit energischem Saxophon, cool. Ebenso geschmeidig später der Slow-Blues “Blues For Lonnie Johnson”. Passend gefüllt mit feiner Leadgitarre, LONNIE JOHNSON gilt als der Musiker, der als erster Gitarrensoli in seine Blues- und Jazzkompositionen einbaute. Immer mal drückt ein entspanntes West Coast-Feeling durch. Auch scheint FORD ein paar alte Tremolo- und Vibrato-Pedale ausgegraben zu haben. So schwebt “Balafon” durch Raum und Zeit, “Milam Palmo” swingt verträumt vor sich hin.

“Pure” bietet tolle Gitarrenarbeit, Blues, jazzige Ausflüge und coole Grooves

Zappelig mit forderndem Groove baut sich “Go” auf, die Saxophone machen sich breit, es wird gefunkt und gejazzt, dass es eine wahre Freude ist. Auch “A Dragon’s Tail” kommt mit ultracoolem Groove, hier ist es wieder mehr an ROBBEN FORD, sich nach vorn zu drücken, ebenso beim abschließenden Gute Laune-Bringer “If You Want Me To “. Zuvor hat nicht nur der Titelsong deutlich gemacht, warum dieses Album so manchen verwirren wird, der ein knackiges Blues Rock-Album erwarten wird wie den Vorgänger “Purple House“. Dieses Rumgejazze entzückt einen natürlich, wenn man selber Musiker oder gar Gitarrist ist. Ist man das nicht, dann bleibt man sicher oft ratlos zurück, warum denn jetzt alle falsch und aneinander vorbei spielen. Aber genau das macht eben den Reiz, dass man sich frei bewegt und doch wieder zueinander findet, wie im wahren Leben halt. Die Blues- und Hard Rock-Tunes behalten aber letztendlich die Fäden in der Hand.

Die jazzigen Ausflüge auf “Pure” sind Musik von Musikern für Musiker

Zieht man sich unvermeidbar unter dem Kopfhörer zurück und klinkt sich aus der Welt raus, dann erkennt man schnell, dass hier jeder weiß, was er macht. Das kommt dem Hausherrn gerade recht, dafür hat er sich diese namhaften Musiker eingeladen. Er selbst zeigt immer wieder, was für ein großer Gitarrist er ist, warum er auf fünf Grammy-Nominierungen zurückblicken kann. Seinem Gitarrenspiel zu lauschen macht Spaß, alles klingt echt und nicht durch den Computer gejagt. Ehrliche Musik von starken Musikern. Dass der ein oder andere Song auch mit Gesang sehr gut kommen würde und FORD die passende Stimme dafür hat, der Gedanke kommt immer mal auf. Und verschwindet genauso schnell, weil gerade wieder was spannendes passiert im Song.

Ein tolles Album, dass ROBBEN FORD wirklich “Pure” zeigt. Für Gitarrenfreunde eine herrliche Reise, aber natürlich auch für die Blues- und Jazz-Fans. Und wieder ein Beleg, was für ein großartiger Gitarrist ROBBEN FORD ist. Unnötig zu erwähnen, dass “Pure” noch edler kommt als Vinylversion, da machen die Reisen durch die Songs noch mehr Spaß.

Veröffentlicht am 27.08.2021

Spielzeit: 35:25 Min.

Lineup:
Robben Ford – Guitars, Keyboards
Bass – Dave Row (2,6), Brian Allen (3,7,9), Steve Mackey (4), Anton Nesbitt (5,9)
Drums – Patrick Ford (2), Keith Carlock (3), Casey Wasner (4), Nate Smith (5,6), Toss Panos (7,8), Shannon Forest (7,9)
Percussion – Wes Little (4)
Saxophone – Bill Evans & Jeff Coffin (2,5,6)
Russel Ferrante – Wurlitzer Piano (3)
Jimmy Malis – Oud (8)

Produktion: Robben Ford und Casey Wasner

Label: earMusic / EDEL

Homepage: https://www.robbenford.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/RobbenFordOfficial

Die Tracklist von “Pure”:

1. Pure (Prelude)
2. White Rock Beer… 8 Cents (Video bei YouTube)
3. Balafon
4. Milam Palmo
5. Go (Video bei YouTube)
6. Blues For Lonnie Johnson
7. A Dragon’s Tail (Audio bei YouTube)
8. Pure
9. If You Want Me Too