RISING: Abominor

RISING: Abominor

So kraftstrotzend die Musik von RISING ist, so sehr wird deutlich, dass für Gitarrist und Bandchef Jacob Krogholt Aufgeben keine Option ist. Die Aufnahmen von Abominor waren gezeichnet durch den Ausstieg von Sänger und Bassist Henrik W. Hald und Schlagzeuger Jacob Johansen, so dass es schien, als hätte sich RISING erledigt. Krogholt machte aus der Not eine Tugend und drückte den Reset-Knopf: Er gründete sein eigenes Label INDISCIPLINARIAN, er brachte Abominor zum Abschluss, suchte sich eine neue Besetzung. Gut ein Dreivierteljahr später treffen die Songs mit einer Wucht ins Gesicht, dass man seine Wut beinahe spüren kann. Sicher ist, das vor gut zwei Jahren erschienen Debütalbum To Solemn Ash war im ganzen Proto-Metal-Zirkus sicherlich eines der härteren, ist aber kein Vergleich zur Heaviness von Abominor.

Das Zweitwerk der Dänen ist ein unglaublich dreckiger, schmutziger Bastard aus Sludge, aus Southern Metal und aus Crust-Punk, mit einer Wucht und einem Feeling, die ich zuletzt bei DISFEARs Live The Storm spürte. Zwischen all den MASTODON- und KYLESA-Klonen gibt es mit RISING also tatsächlich eine Band, die einen eigenen Charakter und einen eigenen Klang hat. Abominor hat daneben eine Menge an mordsmäßig starken Songs parat. Neunmal schießen RISING, neunmal treffen sie ins Schwarze. Auch wenn nicht in jedem Stück irre Riffs zu hören sind, auch wenn es nicht überall zwingende Hooks gibt, die rohe Power reißt jedes Mal mit. Meistens gibt es aber simple und doch große Songwriting-Kunst zu hören: The Disdain, Vengeance Is Timeles, The Hills Below und Broken Asunder vereinen Ideen, die sich sofort im Ohr festsetzen und überrumpeln mit gnadenloser Power.

RISING, so scheint es, schlagen erst beherzt zu und denken dann, aber das Gegenteil ist der Fall. Sie lassen sich von ihrer eigenen Leidenschaft nicht beherrschen. Songs wie Leech und Gaunt beweisen, dass Krogholt und seine beiden ehemaligen Mitstreiter hier und da auch etwas zurückstecken können und eine gewisse Epik erzeugen. Klar ist, RISING haben knapp vierzig Minuten lang wunderbar wilde, raue Musik parat, die durch ihre schön rohe und krachende Produktion sehr authentisch klingt. Instrumental lässt sich nichts bemängeln, die Gitarrenarbeit ist souverän, pendelt zwischen dreckigem Rock and Roll und einer nicht zu unterschätzenden Finesse, das Schlagzeug poltert gerne im D-Beat, passt sich den jeweiligen Stimmungen aber insgesamt gut an. Zu guter Letzt überrascht das tiefe Gebrüll von Henrik Hald, das an Boshaftigkeit deutlich zugelegt hat.

Die Hitdichte der neun Nummern auf Abominor müssen große Bands erst mal hinbekommen, ein ähnlich spontanes wie gut durchdachtes Album haben nur wenige parat. Jacob Krogholt tat gut daran, den Glauben nicht zu verlieren, mit einem Album wie Abominor in der Hinterhand vermutlich auch die einzige Konsequenz. Warten wir ab, ob die nächste Inkarnation von RISING dieses beachtliche Niveau halten kann. Wem das Genre, in dem die Dänen sich beheimatet fühlen, in letzter Zeit zu brav und fad war, der tut gut daran, sich ein Exemplar der Schallplatte über Indisciplinarian zu sichern.

Veröffentlichungstermin: 4. November 2013

Spielzeit: 38:51 Min.

Line-Up:
Henrik W. Hald – Vocals, Bass
Jacob Krogholt – Guitars
Jacob Johansen – Drums

Produziert von Jakob Reichert Nilelsen
Label: Indisciplinarian

Homepage: http://rising.bandcamp.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/risingdk

Tracklist:
1. The Disdain
2. Reproach
3. Vengeance Is Timeless
4. The Hills Below
5. Leech
6. Suffering Nameless
7. Broken Asunder
8. The Malice
9. Gaunt

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle