PERIPHERY: Periphery

PERIPHERY: Periphery

Verdammt, ich sage dir, so was können eigentlich nur noch die jungen Wilden und von denen gibt es bestenfalls noch eine Handvoll. Was PERIPHERY auf ihrem selbstbetitelten Debüt anstellen, ist ungestüm, ausgereift, frech und wahnsinnig erfrischend. Man hat das Gefühl, die fünf Amerikaner haben MESHUGGAH, DEFTONES, ARCHITECTS, ATREYU und THE DILLINGER ESCAPE PLAN in einen Topf geworfen, den Inhalt dann durchgeschüttelt und gesehen, was rauskommt. Vertracktes Riffing und Polyrhythmik im Stil von MESHUGGAH treffen auf emotional aufgeladenen Gesang nach dem Rezept von ATREYU und formen einen dynamischen wie mitreißenden Wirbelsturm, der an Originalität kaum zu überbieten ist und in Gestalt von Songs wie „Icarus Lives!“ oder „Insomnia“ die Gehörgänge frei fegt.

Vielschichter als „Periphery“ kann ein Album kaum sein

Was an Spannung ohnehin schon kaum zu überbieten ist, erfährt schließlich eine zusätzliche Steigerung auf Albumebene. Hier ist es nicht einfach nur der variable Gesang aus brachialen Screams, Shouts und zerbrechlicher Singstimme, der für Abwechslung sorgt, sondern es ist das Songmaterial selbst, das vielschichtiger kaum sein könnte. Vom knackig-kurzen Midtempo-Groover „Icarus Lives!“ bis zum 15-minütigen Progressive Metal-Epos „Racecar“ inklusive Gastsolo von Jeff Loomis (NEVERMORE); vom verfrickelten Mathcore-Wutbrocken „The Walk“ bis zur verqueren Ballade „Jetpacks Was Yes!“ samt verschachtelten Drumcomputern der Marke THE DILLINGER ESCAPE PLAN zu „Ire Works“-Zeiten – PERIPHERY loten wirklich alle erdenkbaren Extreme aus.

Hinzu gesellt sich eine spieltechnische Leistung von atemberaubender Präzision und Kreativität. Die Riffs sind ungewohnt, fordernd und doch nachvollziehbar, die Leads stets verspult und gern verfrickelt, das Drumming ebenso komplex wie originell. Bassist Tom Murphy fügt sich in das Klangbild hervorragend ein, wird vom sonst tadellosen Mix aber eher in den Hintergrund gerückt.

Eines der kreativsten Alben des Jahres

Klar, vielleicht erscheint dir „Periphery“ zumindest anfangs ziemlich anstrengend, beim Blick auf die Laufzeit ist dieser überquellende Topf aus Kreativität jedoch absolut essentiell, da PERIPHERY dich stolze 72 Minuten in Beschlag nehmen wollen. Und das werden sie auch, wenn du dich darauf einlässt. Denn obgleich die Jungs viel von dir verlangen, sie bezahlen es letztlich hundertfach zurück. Mit dem rohen Charme ihrer jugendlichen Wildheit, mit der Ausgefeiltheit ihrer Arrangements, mit einem spieltechnischen Anspruch, der seinesgleichen sucht, mit der unbändigen Leidenschaft zur Musik, kurz: Mit einem der vielseitigsten und kreativsten Alben des Jahres.

Veröffentlichungstermin: 28.05.2010

Spielzeit: 71:33 Min.

Line-Up:

Spencer Sotelo – Vocals
Misha Mansoor – Guitars
Alex Bois – Guitars
Jake Bowen – Guitars
Tom Murphy – Bass
Matt Halpern – Drums

Produziert von Misha Mansoor und Matt Murphy
Label: Roadrunner Records

PERIPHERY „Periphery“ Tracklist

01. Insomnia
02. The Walk
03. Letter Experiment
04. Jetpacks Was Yes!
05. Light
06. All New Materials
07. Buttersnips
08. Icarus Lives! (Video bei YouTube)
09. Totla Mad
10. Ow My Feelings
11. Zyglrox
12. Racecar

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.