PASCOW: Jade

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Von den vielen Schlaui-Punk-Kapellen dieser Republik sind PASCOW vielleicht die beste. Seit 1998 zimmert das Quartett aus dem Hunsrück („Das ist Gimbweiler nicht L.A.“) ein sauberes Brett und liefert dazu kryptische Texte zwischen politisch-wütend und melancholisch-befindlichkeitsfixiert mit Tendenz zu loserromantisch, die man als Hörer
erst mal fröhlich dechiffrieren darf.

Damit avancierten PASCOW schnell zu Everybody’s Darling: Nicht nur in meinem erweiterten Umfeld wird die Kapelle göttergleich verehrt, selbst der ein oder andere grimmige Headbanger im Freundeskreis trägt das Bandlogo stolz auf seiner Kutte. Von der Studentin bis zum Nietenpunker scheint jeder dieses Quartett zu lieben oder zumindest zu respektieren. Nachvollziehbar: Das Frühwerk war äußerst charmant („Ich weiß trotzdem wo ich steh, ihr Ficker. Und ich weiß wohin ich geh’, ihr Ficker!“), ihren Zenit hatten Gimbweiler’s Finest dann aber mit ihrem vierten Studioalbum „Alles muss kaputt sein“ (2010), das längst zu einem kleinen deutschen Punkrock-Klassiker gereift ist.

„Jade“ ist weniger Bukowsi-Pop

Der rüde Punkrock der frühen Jahre – die Band selbst sprach gerne von Bukowsi-Pop – wich schon auf dem Nachfolger und letzten Album „Diene der Party“ (2014) runderen, ausgefeilteren Liedern. Die Band wurde ein wenig poppiger, was ihr ziemlich gut stand. Jetzt im Rückblick kann ich es ja fragen: Bin ich der einzige, der sich bei „Im Raumanzug“ leise an IRON MAIDEN erinnert fühlt (was diesen äußerst geschmeidigen Gitarrenlauf angeht)?

Die neue Scheibe „Jade“ ist der zu erwartende Nachfolger von „Diene der Party“ – der nächste logische Schritt, wie es so schön heißt: Noch zugänglicher, für’s subjektive Empfinden musikalisch diesmal dann aber leider doch zu soft … aber immer noch mit schönen Melodien, Feuer und ganz viel Sehnsucht im Herzen („nur weg und nur raus!“). Schreihals Alex versucht sich mehr und mehr im Klargesang und auch mal an einer waschechten Pianoballade (der Rausschmeißer „Wunderkind“), was man wahlweise feiern kann oder auch nicht. Und damit ist eigentlich alles gesagt, denn: Was reimt sich schon auf „Jade“?

PASCOW klingen wie immer und doch anders

Im Ernst: Auf ihrer neuen Scheibe klingen Alex, Swen, Flo und Ollo Pascow wie immer und doch anders. Gott, natürlich lieben wir diese Kapelle, auch wenn ich persönlich finde (ich wiederhole mich), dass ihr die musikalische Härte schon sehr gut gestanden hat und ich diese auf „Jade“ vermisse. Fazit: Nicht so stark wie die letzten beiden Platten, aber trotzdem: Die MS Pascow ist immer noch auf Kurs!

Veröffentlichung: 25. Januar 2019

Label: Rookie Records

PASCOW „Jade“ Tracklist

01. Prolog
02. Silberblick & Scherenhände (Video bei YouTube)
03. Jade
04. Marie
05. Kriegerin
06. Die Backenzähne des Teufels
07. Unter Geiern
08. Treck der Toten
09. Schmutzigrot
10. Heute Jäger, morgen Taucher
11. Sturm, der durch Erlen zieht
12. Wunderkind (Video bei YouTube)

Line-Up PASCOW

Alex Pascow, Gitarre, Gesang
Swen Pascow , itarre
Ollo Pascow, Drums
Flo Pascow, Bass

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.