ODETOSUN: Gods Forgotten Orbit [Eigenproduktion]

ODETOSUN: Gods Forgotten Orbit [Eigenproduktion]

Die größte aller Welten finden wir nicht in irgendeiner gottverlassenen Ecke am Rande des Universums, sondern in uns selbst. Introspektion nennen wir die Suche nach ihr, auf die Expedition dorthin begleitet uns das Augsburger Projekt ODETOSUN. Deren Debüt „Gods Forgotten Orbit“ ist aber keine einfache Roadmap, eine Karte ins Eldorado unserer Psyche. Es leitet uns vielmehr an, unseren eigenen Weg zu finden. Was sich bislang enorm bedeutungsschwer liest, fußt auf einem ganz einfachen Prinzip: dem der Offenheit. Stilistisch bewegen sich ODETOSUN im progressiven Death Metal, dessen Blick bis hin zu Post-Rock und Post-Hardcore reicht: OPETH steckt „Gods Forgotten Orbit“ somit ebenso im Mark wie INTRONAUT, ISIS, TEPHRA und vielleicht SWALLOW THE SUN. Weitgehend entfaltet sich das Konzept folglich instrumental; nie gehetzt zwar, doch auch weniger massiv und erdrückend, als es eben ISIS in ihrer aktiven Zeit mitunter vormachten. Eine klare Leadgitarrenführung durchzieht beispielsweise „Veil Of Maya“ und prägt auch den mächtigen Opener „Cracking Shell Of Calypso“ – ein roter Faden, der sich durch die dunklen Sphären spinnt, in denen sich ODETOSUN entfalten. Immer wieder drängt sich der Bass nach vorne, sorgt im instrumentalen „Journey To Gliese“ tatsächlich für die kantigen Gegensätze zu den schwebenden Gitarren, während sich das Schlagzeug seinen Platz für gewöhnlich hinter der ersten Reihe sucht. Von dieser Seite her dürften gerne deutlichere Akzente kommen: immer zweckentsprechend, selten offensiv wäre es schade, wenn das Drumming zum bloßen Grundwerk verkommen würde, auf dem sich die üblichen Instrumente austoben.

Unabhängig davon findet sich zwischen warmen Harmonien in „Eclipse Chaser“, meditativen Momenten der Reflexion und ungeniert bohrenden Growls eine Fülle an Emotionen. Obwohl dem instrumentalen Aspekt große Räume verschafft werden, verlieren ODETOSUN nicht den Faden. Ein mentales Wegdriften steht immer in engem Zusammenhang mit der eingangs angesprochenen Suche nach uns selbst. Zumal uns die Augsburger immer dann mit einem deutlichen Phasenwechsel einfangen, wenn uns Kontrolle und Übersicht aus den Händen zu gleiten drohen. Das hält die Faszination bis zum astralen Titeltrack aufrecht und stellt uns ernsthaft vor die Frage, warum wir überhaupt das Ende des Universums anstreben sollten, wenn wir doch so viel in uns selbst finden. Okay, ein Argument gibt es: Das Restaurant dort mixt den vielleicht besten pangalaktischen Donnergurgler des, nun ja, Universums.

Veröffentlichungstermin: 01.08.2013

Spielzeit: 42:45 Min.

Line-Up:
Luke Stuchly – Vocals
Benny Stuchly – Guitars, Bass, Synthesizers
Gunther Rehmer – Drums

Produziert von Benny Stuchly
Label: Eigenproduktion

Mehr im Netz: http://odetosun.bandcamp.com/

Tracklist:
1. Cracking Shell Of Calypso
2. Veil Of Leviathan
3. Eclipse Chaser
4. Journey To Gliese
5. The Swarming Infinity
6. Gods Forgotten Orbit

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.