MOUNTAIN WITCH: Extinct Cults

MOUNTAIN WITCH:  Extinct Cults

Über Vintage Sound habe ich mich ja schon des öfteren negativ ausgelassen und vermutlich werde ich das auch noch weiterhin tun müssen. Zumindestens solange Nicke Hellacopter weiter Platten veröffentlicht…

Aber es gibt ja durchaus auch positive Beispiele, diese Platte hier zum Beispiel. Hier hat man es tatsächlich geschafft, eine warmen, analogen Sound zu produzieren, der nicht „gewollt“ klingt, sondern das Gefühl vermittelt, die Band klinge einfach so, wie man es hier hört. Vor allem der Drumsound ist wirklich Vintage im besten Sinne, ohne Abstriche an Klarheit und Differenzierung machen zu müssen. Die Becken scheppern, aber nerven nicht, die Bassdrum hat keinen modernen Ping-Pong-„Klick“ aber hämmert trotzdem richtig schön rein und ist präsent, ohne zu wummern. Genauso die Gitarren und der Bass, die schön warm und dunkel klingen, ohne zum mumpfeln.

An dieser Platte kann man auch schön sehen, dass es nicht nur darauf ankommt, Uralt-Technik und authentischen Schnick-Schnack zu benutzen. Sondern liegt es auch zu einem großen Teil einfach daran, wie man das Instrumente spielt. Ein modern denkender Drummer wird auch mit einem „alten“ Sound immer modern klingen. Ein moderner Gitarrist ohne Verständnis von Blues wird auch mit 70er Amps immer komisch und künstlich klingen.

MOUNTAIN WITCH sind Vintage im besten Sinne

Das alles machen MOUNTAIN WITCH auf ihrer dritten LP, die es standesgemäß in mehreren Vinyl-Versionen geben wird, aber komplett richtig. Der Sound ist wirklich Vintage im besten Sinne, so eine gelungene Produktion habe ich im Stoner/Doom/Vintage-Rock Bereich lange nicht gehört.  Und der Blues ist in jedem Riff, in jedem Song als Grundlage für diese Art von Hardrock noch spürbar.

Schon das erste Riff vom Opener „Capping Day“ könnte einem zum Irrtum verleiten, aus Versehen die „Sabbath Bloody Sabbath“ von BLACK SABBATH aufgelegt zu haben. Dann hätte man aber mindestens ein Regal zu hoch gegriffen.

Denn das Song-Material spielt jetzt nicht durchgehend auf einem solch hohen Niveau, bietet aber (ACHTUNG: Klischee AN) dem geneigten Herren-Dutt-Träger alles was er so braucht, um auf dem Freak Valley-Festival eine tolle Zeit zu haben, den Bambus-Kaffee-Becher in die Luft zu recken und laut „Niiiice“ zu rufen (Klischee AUS). – …Mann, Mann, musste das jetzt sein?  Derart abgenudelte Klischees? Das ist das Niveau hier, ja? Natürlich nicht. Dutt trägt doch eh keiner mehr und diese Platte macht auch Spaß, wenn man diese Hipster-Klischee-Reiterei in diesen ganzen Vintage-Rock-Reviews schon lange nicht mehr lesen kann.

„Extinct Cults“: Hardrock mit 70er Flair und Mitwipp-Garantie

Denn tatsächlich ist das , was die drei Hamburger bieten absolut gutklassiger Hardrock mit – logischerweise – 70er Flair.  Simple Riffs auf abgerockten Gitarren, 3-Piece-Drumkit und ab dafür. Wenn dieser Ansatz funktioniert und der Fuß schon beim ersten Hören mitwippt, ist das wieder einmal der beste Beweis für die „Ergebnis-mehr-als-Summe-der-einzelnen-Teile-Thoerie. Und bei MOUNTAIN WITCH funktioniert das durchaus recht gut. Auch die hier und da eingestreuten Keyboard-Flächen (Im Info als grandiose Neuerung im Bandsound verkauft) passen sich gut in das Gesamtbild ein. Die Platte bietet – Überraschung! – keine Überraschungen, sowohl nach oben, aber eben auch nicht nach unten, sondern präsentiert eine Band, die genau weiß, was sie macht und was sie gut kann, und deswegen auch keinen Millimeter davon abweicht. „Reduce to the Max“ sozusagen. Und überhaupt ist die Platte mit 34 Minuten auch viel zu kurz, um Langeweile aufkommen zu lassen.

Erstaunlicherweise erinnert das Album insgesamt weniger als zu erwarten war an BLACK SABBATH, die natürlich präsent sind, sondern eher an das 1974er Werk „Rocka Rolla“ von JUDAS PRIEST, was durchaus als positive Referenz zu verstehen ist.

Fazit: Schöner, altmodischer Hardrock ohne Firlefanz mit erstklassiger Vintage-Produktion und Mitwipp-Garantie. Es sind eben immer wieder die einfachen Dinge, die Spaß machen.

Release Date:  29.05.2020

Label: This Charming Man Records

Line-Up:
Rene Roggmann – Drums, Vocals
Rene Sitte – Guitar
Heiko Badje – Bass

MOUNTAIN WITCH  „Extinct Cults“ Tracklist

Capping Day 6:02 (Video bei YouTube)
Back From The Grave 5:24
Worship You 4:25
Extinct Cults 7:03
Man Is Wolf To Man 3:25
The Devil Probably 6:53

Mehr im Netz:

https://www.facebook.com/mountainwitch/

https://mountainwitch.bandcamp.com/

Album Teaser mit Snippets aus allen Songs bei Youtube