MORS PRINCIPIUM EST: Seven

MORS PRINCIPIUM EST: Seven

Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen. MORS PRINCIPIUM EST bleiben in dieser schnelllebigen Szene der Fels in der Brandung. Das Bandgerüst mag über die Jahre geschrumpft sein – 2020 besteht das Projekt nur noch aus Fronter Ville Viljanen und Gitarrist Andy Gillion – und doch blieb sich das Gespann stets treu.

Würden wir es kurz machen, könnten wir an dieser Stelle auf unser Archiv verweisen: Alles, was den Vorgänger „Embers Of A Dying World“ (2017) ausmachte, finden wir nahezu unverändert auf „Seven“ wieder. Eigentlich Anlass zur Kritik, wäre das Material nicht so beständig auf hohem Niveau.

Melodic Death Metal skandinavischer Machart wurde über die vergangenen Dekaden hoch und runtergespielt und auch die symphonischen Elemente – immer ein Highlight bei MORS PRINCIPIUM EST – sind keine bahnbrechende Erfindung des Duos. Und doch gibt es heute irgendwie kaum noch Bands, die dieses erprobte Rezept so versiert auf Platte bannen, wie es Viljanen und Gillion hier tun. CHILDREN OF BODOM sind Geschichte, INSOMNIUM zieht es ins Melancholische. Bleiben noch KALMAH, die jedoch auch nicht mehr so produktiv sind wie in ihren Anfangstagen.

„Seven“ schickt uns auf einen Nostalgietrip, ohne altbacken zu klingen

Kurzum, MORS PRINCIPIUM EST besetzen ihre Nische nun schon so lange, dass sie so etwas wie Vorreiter einer ganz bestimmten Spielart des Genres geworden sind. Die Streicher in „A Day For Redemption“ heißen uns umgehend Willkommen, bevor uns „Seven“ auf einen emotionalen Nostalgietrip schickt, ohne altbacken zu klingen. „Lost In A Starless Aeon“ klingt wunderbar retro und lebt von seiner fantastischen Gitarrenarbeit: So verspielt Andy Gillion beizeiten agiert, manchmal reicht eine simple Leadgitarre wie im Refrain, der regelrecht unter die Haut geht.

„In Frozen Fields“ schielt dank seiner markanten Synthesizer ein wenig in Richtung CHILDREN OF BODOM bzw. KALMAH, während in „Rebirth“ sogar einige atmosphärische Black Metal-Spitzen warten. Die symphonische Opulenz von „March To War“ wiederum verbindet sich mit den treibenden Strophen zu einem regelrecht dramatischen Szenenbild. Vor diesem Hintergrund überzeugt auch Sänger Ville Viljanen, der vielleicht nicht die abwechslungsreichste Performance darbietet, aber dessen beherzte Growls dank deutlicher Diktion meist gut verständlich bleiben.

MORS PRINCIPIUM EST bleiben standhaft

Einen richtigen Fehltritt leistet sich „Seven“ also nicht, schafft es sogar im homogenen Klangbild immer wieder ein paar nette Akzente zu setzen. Und doch können MORS PRINCIPIUM EST unsere zwischenzeitliche Begeisterung nicht immer aufrechterhalten. Keine Frage, „Master Of The Dead“ oder „My Home, My Grave” sind starke Songs mit Hitpotenzial, können sich im Albumkontext aber nicht immer im Vordergrund platzieren. Ob das Duo ihr neuestes Werk etwas straffer hätte gestalten sollen? Womöglich, denn für knapp 50 Minuten Spieldauer fehlt uns schlicht der entscheidende Twist. Auch die Produktion drückt den Songs hier und da die Luft zum Atmen ab.

Das nimmt den zehn Tracks natürlich nichts von ihrer Qualität, mehr als die Summe seiner Teile wird „Seven“ aus diesem Grund jedoch kaum. Ein kleines Manko, das wir letztendlich in Kauf nehmen, schließlich gibt es in dieser Spielart des Melodic Death Metals und auf diesem Niveau kaum noch ernstzunehmende Alternativen zu MORS PRINCIPIUM EST. Das Bandgerüst mag auf zwei Mitglieder geschrumpft sein, doch musikalisch steht das britisch-finnische Duo so standhaft wie eh und je – in dieser teils kurzlebigen Szene ein durchaus tröstlicher Gedanke.

Veröffentlichungstermin: 23.10.2020

Spielzeit: 48:11

Line-Up

Ville Viljanen – Vocals
Andy Gillion – Gitarren, Programming

Produziert von MORS PRINCIPIUM EST und Thomas Johansson (Mix und Mastering)

Label: AFM Records

Facebook: https://www.facebook.com/MPEofficial/

MORS PRINCIPIUM EST “Seven” Tracklist

1. A Day For Redemption (Lyric-Video bei YouTube)
2. Lost In A Starless Aeon (Audio bei YouTube)
3. In Frozen Fields
4. March of War
5. Rebirth
6. Reverence
7. Master of The Dead
8. The Everlong Night
9. At The Shores Of Silver Sand
10. My Home, My Grave (Lyric-Video bei YouTube)

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.