MINDFIELD: Deviant

MINDFIELD: Deviant

Beipackzettel von Promo-CDs sind meistens recht lustig. So auch der zum Debütalbum der Hammer Formation MINDFIELD, in dem es heißt: „MINDFIELD sind bereit, um der Welt zu zeigen, wer die beste dunkelmelodische Rockband ist.“ Ahhhja. Höchst interessant, denkt sich der Rezensent und freut sich, denn er weiß, nun wird ihm wohl Sentenced gezeigt. Und, wer hätte es gedacht, so ist es auch. MINDFIELD klingen fast exakt wie die Finnen, ungelogen. Ich weiß nicht, wie Sänger Danny Kabus es hinbekommen hat, aber seine Stimme ist so gut wie identisch mit der von Vampis Lieblings-Ville. Und noch dazu die Melodien! Wer bei Songs wie dem Opener „Emotion Picture“ oder dem beinahe genauso klingenden „The Silent Hour“ nicht sofort an Sentenced denkt, kennt die wahrscheinlich gar nicht.

Aber gut, ich will nicht zuviel meckern, es ist ja auch halb so wild, wenn eine Band sich an ihren Vorbildern orientiert (woran auch sonst), und MINDFIELD machen das schließlich ganz ausgezeichnet. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Professionalität eine Underground-Band wie MINDFIELD hier zu Werke geht. Packende Refrains, brettharte Riffs, wirklich exzellentes Drumming – das alles bietet so gut wie jeder der zehn Songs. Was mich allerdings wundert, ist, daß der Gesang viel zu leise klingt – hatte der sonst sehr gute Produzent Andy Classen hier ein paar schlechte Tage? Oder einfach keinen Bock? Anders läßt sich das wohl nicht erklären. Gott sei Dank stört es nicht sonderlich, man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Ein weiteres Manko ist die mangelnde Abwechslung, denn MINDFIELD haben es sich bei den Melodien wirklich ein wenig einfach gemacht. Wie anfangs schon erwähnt, sind die Refrains von „Emotion Picture“ und „The Silent Hour“ fast austauschbar, und wenn man Ohrwürmer von den Songs hat (was oft vorkommt), vermischt man im Kopf einige Songs, da sie einfach zu ähnlich klingen. Auch ist mir der Sänger an manchen Stellen zu brav, und das Grunzen von Bassist Philip Akoto könnte ruhig öfter auftauchen, um den Songs ein wenig mehr Aggressivität zu verleihen. Wenn die Gitarren und das Schlagzeug fast schon Death Metal-mäßig losbrettern, sollte doch wenn möglich kein leiser melodischer Gesang darübergelegt werden, sondern aggressive Growls.

Trotz dieser kleinen Makel ist „Deviant“ aber, wie schon gesagt, ein sehr sehr gutes Debüt-Album geworden, das sich durchaus hören lassen kann. Sentenced-Fans sollten auf jeden Fall mal reinhören, viel kann man da nicht falsch machen. Daumen nach oben!

Anspieltips: „Emotion Picture“, „Black Room“.

Spielzeit: 54:11 Min.

Line-Up:
Danny Kabus – vocals, keyboards

Rainer Sickler – guitar

Marc Zirnsak – guitar

Philip Akoto – bass, backing vocals

Felix Martens – drums

Produziert von Andy Classen
Label: Gutter Rec.

Tracklist:
1. Emotion Picture

2. I Confess

3. Black Room

4. The Silent Hour

5. Control

6. Buy My Heaven

7. Sound Of Deep

8. Deviant

9. Ethics

10. Lurid Inside

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Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.