MESHUGGAH: I

Stellt euch vor, ihr seid in einem Raum, 2 x 2 x 2 Meter und ihr werdet von einer Ecke in die andere geworfen. 21 Minuten lang.

Tief Luft holen. Einatmen, ausatmen. Beruhigen. Verarbeiten. Realisieren. Dann aber doch wieder den Kopf schütteln. Was ist das hier? Was zur Hölle haben MESHUGGAH hier angestellt? Ich bin völlig platt. Und ich höre I nun zum dreizehnten Mal. Nein, es ist wahr, dieses Stück Musik existiert tatsächlich. MESHUGGAH-Songs sind alles andere als normal, egal um welches Album es sich handelt. Aber dies setzt dem Schaffen der Band wirklich die Krone auf.

„I“ ist eine Mini-CD, die aus einem einzigen Song besteht. Der dauert 21 Minuten. Hier lassen MESHUGGAH alles raus, was sie jemals rauslassen wollten und lassen alles raus, was sie zuvor nicht konnten. Keine Frage, I ist das mit Abstand extremste Stück Musik, das es jemals von MESHUGGAH zu hören gab und das will was heißen, wie ihr alle wissen solltet. Diesen Song kann man vielleicht so beschreiben: Stellt euch vor, ihr seid in einem Raum, 2 x 2 x 2 Meter und ihr werdet von einer Ecke in die andere geworfen. 21 Minuten lang. Vielleicht ist dies zu vage, aber wer den Song zum ersten Mal hört fühlt sich genau so. Beginnend mit zwei Minuten langem Riffing, bei dem sich die Betonung jedesmal komplett anders ausfällt bereiten MESHUGGAH den Hörer auf das kommende Unheil vor.

Typische Elemente finden den Weg auf I, brutal wie Chaosphere, heavy wie Nothing und catchy wie Destroy Erase Improve. Doch die Mischung daraus stellt MESHUGGAH so stark dar, wie sie nie zuvor waren. Nicht nur brutal, auch mit melodischen Einsprengseln, sei es die orientalische Melodie zu Beginn oder der leise Mittelteil. Dem stehen dermaßen krasse Riffs gegenüber, die wie ein Schlag ins Gesicht sind und einen Erdrücken wie ein tonnenschwerer Amboss, achtsaitige Gitarren sei Dank. Auch Drummer Tomas dreht völlig durch. Selbst wenn die Gitarren mal relativ gerade spielen, setzt er sein Drumming so versetzt ein, dass man den Glauben an sämtliche physikalische Gesetze verliert. Sänger Jens Kidman steht bei I zwar weniger im Vordergrund als auf den Vorgängern, doch er klingt angepisster als jemals zuvor, und gibt der EP den letzten Schliff.

Nach einem hypnotisch geloopten Riff, über das eine fiese Melodie gelegt wurde schließt diese rhythmische Meisterleistung, diese ultrakomplexe Wahnsinnsveröffentlichung ab, die MESHUGGAH brutal, heavy, kompromisslos und extrem wie niemals zuvor zeigt. Doch Vorsicht bevor ihr eure Taschenrechner zückt: MESHUGGAH sollte man mit einem anderen Album kennen lernen, mit Destroy Erase Improve beispielsweise. Denn selbst ich als langjähriger Meshuggener war zunächst überfordert. Versuchen dies zu verstehen ist zwecklos. I ist wie ein schwarzes Loch, es ist einfach da und existiert. Und das liebe Leser, spricht für I.

Veröffentlichungstermin: 18. Oktober 2004

Spielzeit: 21:00 Min.

Line-Up:
Jens Kidmann – Lead Vocals

Fredrik Thordendal – Rhythm Guitar, Solo Guitar, Bass Guitar

Marten Hägström – Rhythm Guitar

Tomas Haake – Drums

Label: Fractured Transmitter Record Co.

Homepage: http://www.meshuggah.net

Tracklist:
I