LONG DISTANCE CALLING: Satellite Bay

LONG DISTANCE CALLING: Satellite Bay

Ein Satellit, der um die Welt segelt, alles an Merkwürdigkeiten und Schönheiten aufspürt, die es auf dem kleinen Ball, der durch das Weltall rast, zu entdecken gibt. Dementsprechend ist Satellite Bay auch eine kleine Weltreise, ein instrumentales Album, das viele verschiedene Facetten aufweist, das warm wie kalt ist, das groß und pompös ist, aber auch zurückhaltend und leise sein kann. Großes haben sich LONG DISTANCE CALLING auf ihrem ersten Album vorgenommen – die Schlacht um den Thron der Instrumental-Rock-Szene ist also von Neuem entfacht.

Doch um es vorweg zu nehmen, LONG DISTANCE CALLING laufen weder RED SPAROWES noch MONO den Rang ab. PELICAN, deren letztes Album eindeutig geschwächelt hat, hingegen schon. Die sieben Songs auf Satellite Bay sind sehr harmonisch, gut durchdacht, sauber arrangiert und sicher gespielt. Hier ist viel Platz für Experimente und genügend Raum für die Songs, um sich optimal zu entfalten. Gerade die beiden von Dmnstrtn bekannten Songs Fire in the Mountain und The Very Last Day überzeugen in ihren neuen Versionen bestens, aber auch das atmosphärische Aurora mit seinen schönen Synthie-Klängen und das rockige Horizon bereichern und erweitern Satellite Bay sehr.

Etwas konfus hingegen wirkt Built Without Hands, der einzige Song mit Gesang. Diesen hat zwar Peter Dolving beigesteuert, der THE HAUNTED-Sänger glänzt jedoch nicht so, wie man es ansonsten von ihm gewöhnt ist – vielleicht auch, weil in der ganzen Nummer die Experimente zu weit getrieben wurden – äußerst schade. Das abschließende Swallow the Water macht jedoch wieder alles wett und liefert schönen, tiefen, verspielten Post Rock ab. Zeit lassen, das ist die Devise und genau so funktionieren LONG DISTANCE CALLING am besten. Bloß nicht hetzen, dann ergibt sich alles von selbst. Und so entstehen zumindest sechs fesselnde Songs, die zum Fliegen einladen.

Dieses Debütalbum ist wirklich gut, schade nur, dass es keinen solchen Gesamteindruck bietet, wie manche konzeptionelle Werke. Davon abgesehen liefern die fünf Musiker aber einen wirklich guten Job ab, großartiges Gitarrenspiel, liebevolles, wohl durchdachtes Drumming, schön pulsierende Basslinien und intelligent eingesetzte Synthesizer harmonieren sehr gut miteinander und sorgen für ein homogenes, schönes Gesamtbild. Die Spitze des Post Rocks erklimmen LONG DISTANCE CALLING mit diesem Album leider noch nicht, wer aber nach besonderer Qualität in diesem Genre sucht, kommt an Satellite Bay nicht vorbei.

Veröffentlichungstermin: 21. September 2007

Spielzeit: 58:38 Min.

Line-Up:
David Jordan – Guitar
Florian Füntmann – Guitar
Jan Hoffmann – Bass
Janosch Rathmer – Drums
Reimut van Bonn – Ambience

Label: Viva Hate Records

Homepage: http://www.longdistancecalling.de

Tracklist:
1. Jungfernflug
2. Fire in the Mountain
3. Aurora
4. Horizon
5. The Very Last Day
6. Built Without Hands
7. Swallow the Water

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle