KEEP OF KALESSIN: Reptilian

Wild, aggressiv, episch, spannend und majestätisch: Besser als "Reptilian" kann ein Mix aus Black, Thrash und Death Metal kaum werden.

Damit hat wohl kaum jemand gerechnet. Nach der Ankündigung, am Vorentscheid zum Eurovision Songcontest teilzunehmen, den man letztlich als Drittplatzierter abschließen konnte, wurden die Rufe nach Ausverkauf laut und die designierte Single “The Dragontower” von der Szenepolizei auf METAL-ARCHIVES mit gerade mal 9 % bei acht Kritiken abgestraft – vier davon gaben nicht einen von hundert Punkten. Eigentlich keine allzu guten Vorzeichen, doch was KEEP OF KALESSIN dem entgegensetzen, ist ein beherzter Tritt in die Weichteile aller Musiknazis dieser Welt.

“Reptilian” ist das, was sein Name andeutet: Wild, aggressiv, episch, spannend und majestätisch. Vom reinen Black Metal hat man sich mittlerweile verabschiedet. Stattdessen reißen die Norweger Genregrenzen nieder und brennen breite Schneisen in die düsteren Landstriche ihres eigenen Kosmos. Natürlich sind dort immer noch die schwarzmetallischen Grundzüge vorzufinden, vor allem in den Riffs wie bei “Awakening”, oder im Drumming mit den ausladenden Blastbeats in “Judgement”.

In Sachen Songwriting schöpfen KEEP OF KALESSIN aus dem Vollen

Doch ist das nur eines der vielen Gesichter des Drachen. Aus dessen Augen flammt die schiere Wut des Thrash Metals und seine Schwingen verkörpern die Erbarmungslosigkeit des Death Metals, die sich in teils erhabener Weise über dem Hörer ausbreitet und in epischen Arrangements mündet, welche wiederum ihren Charakter mittels dezenten Keyboards und Chorälen festigen. Sogar sporadischer Klargesang findet sich auf “Reptilian”, ohne aufdringlich oder aufgesetzt zu sein. Die beschwörerisch anmutenden Vocals erhöhen vielmehr die Intensität und harmonieren bestens mit den überwiegend anzutreffenden Screams sowie den bitterbösen Growls in “Dark As Moonless Night”.

In Sachen Songwriting schöpfen KEEP OF KALESSIN ohnehin aus dem Vollen. Natürlich bleibt das eingängige “The Dragontower” irgendwo der Hit des Albums, erreicht in seiner ursprünglichen Fassung jedoch, auch dank des spannenderen Schlagzeugs, ein Plus an Tiefe. Daneben steht mit “Dragon Iconography” eine Thrashgranate, die mit zerstörerischen Uptempo-Ausflügen à la “Leaving The Mortal Flesh” genauso Hand in Hand geht, wie mit dem schleppenden “Dark As Moonless Night”, welches seine okkulte Atmosphäre vorwiegend aus cleanen Gitarrenspurren und unheilvollem Klargesang zieht. Natürlich profitiert solch ein Song ebenfalls vom druckvollen wie transparenten Mix, bei dem aller Härte zum Trotz sogar der Bass zum Zuge kommen darf.

“Reptilian” spart sich den Höhepunkt für den Schluss auf

Den Höhepunkt haben sich KEEP OF KALESSIN dahingegen bis zum Schluss aufgehoben. In insgesamt 14 Minuten entfaltet sich ein Opus majestätischer Größe, welches zwischen wahnsinnig schnellen Black Metal-Parts, Ambient-Keyboards, epischen Choralpassagen und verspielten Soli springt, und so dieses Werk zu einem mehr als würdigen Abschluss führt. Und das hat nun wirklich nichts mit Ausverkauf oder Mainstream-Anbiederung zu tun, sondern ist schlicht das, was der Titel dieses finalen Kapitels von vornherein versprochen hat: “Reptilian Majesty”.

Veröffentlichungstermin: 14.05.2010

Spielzeit: 57:01 Min.

Line-Up:

Thebon – Vocals
Obsidian C. – Guitars
Wizziac – Bass
Vyl – Drums

Produziert von KEEP OF KALESSIN
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.keepofkalessin.no

KEEP OF KALESSIN “Reptilian” Tracklist

01. Dragon Iconography
02. The Awakening
03. Judgement
04. The Dragontower
05. Leaving The Mortal Flesh
06. Dark As Moonless Night
07. The Divine Land
08. Reptilian Majesty