KATAKLYSM: In The Arms Of Devastation

KATAKLYSM: In The Arms Of Devastation

Mit Serenity in Fire haben KATAKLYSM nicht nur die Messlatte ziemlich hochgelegt, sondern auch ganz einfach die Frage in den Raum gestellt, wie es mit der Band weitergehen soll. Wird sich die Band bei dem Versuch, die Blastattacken des 2004er Werks zu toppen, lächerlich machen? Wird die Band braver, wilder, brutaler, massenkompatibler? Nach Serenity in Fire hätte alles kommen können. Gekommen ist schließlich ein Album, das sich so gar nicht am Vorgänger messen lassen will. In The Arms Of Devastation ist ganz sicher kein zweites Serenity in Fire geworden. KATAKLYSM haben die Maschine ein gutes Stück zurückgeschraubt, geben sich mehr dem Midtempo hin. Die Scheibe ist Thrash-orientierter und melodischer, ohne allerdings von den Trademarks abzulassen. Nachdem Gitarrist Jean-François Degenais die letzte handvoll Alben im Alleingang produziert hatte, beschloss man auch in dieser Richtung etwas zu experimentieren und zog Tue Madsen als Mixer an Land. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß modern und druckvoll. Am Sound selbst, aber auch am Songwriting mag es liegen, dass das Drumgeballer diesmal deutlich weniger im Vordergrund steht. Das Schlagzeug, hinter dem nun wieder Alt-Drummer Max Duhamel sitzt, klingt weniger steril, die Blastparts sind für KATAKLYSM-Verhältnisse stark zurückgeschraubt worden. Man könnte den Kanadiern fast vorwerfen, sich etwas am Markt zu orientieren: die Songs sind eingängig, kraftvoll, direkt und dürften durchaus auch den Nerv der Death-Metal-orientierten Metalcore-Gemeinde treffen. Und hier tut sich auch der Knackpunkt der Scheibe auf: Sound und Spielweise orientieren sich eher an aktuellen Veröffentlichungen, als an klassischem Death Metal. Aber all das kann man schwer gegen In The Arms Of Devastation verwenden. Was dieses Album nämlich auszeichnet ist, dass es zu jeder Zeit unverkennbar nach KATAKLYSM klingt und zusätzlich noch von vorne bis hinten voller guter Songs steckt. KATAKLYSM haben pünktlich zum 15. Geburtstag der Band ein Album ohne Ausfälle eingespielt, dass von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß macht. Zwar dürfte sich die Geschmacksfrage durchaus stellen und Fans alter Scheiben nach wie vor Probleme bereiten, aber dieser Rundling bleibt – qualitativ gesehen – unantastbar. Die Mischung aus Death Metal und Thrash Metal, verbunden mit den heftigen, aber verständlichen Vocals von Maurizio Iacono, Blasts, Grooves und Breakdowns gewinnt 2006 keinen Innovationspreis mehr, und würde nicht jeder Song als solcher überzeugen, könnte man das sicher gegen die Nordamerikaner verwenden. Und auch wenn es irgendwo bedauernswert ist, dass die chaotische Brutalität und die viehische Aggression alter Alben wohl für immer Vergangenheit sein wird, kann das alles nicht im Geringsten meine Freude an In The Arms Of Devastation bremsen. Denn das Teil ist, darauf kann man dieses Review fast begrenzen, eine erstklassige Scheibe. Ein Klassiker wird sie wahrscheinlich dennoch eher nicht werden, denn dafür sind die neun Kompositionen zu glatt, zu zeitgemäß und der Stil schon zu vorbereitet gewesen. Ja, ich wage fast zu sagen, dass In The Arms Of Devastation ein kleines bisschen vorhersehbar ist. KATAKLYSM haben sich nicht ins Dickicht geschlagen, sondern den sicheren Weg über ausgetreten Pfade gewählt und ein kleines Stück ihrer Identität dem Zeitgeist überlassen. Dass man auf diese Weise trotzdem tierisch gute Songs schreiben kann, haben die Kanadier allerdings hiermit eindringlich bewiesen.

Veröffentlichungstermin: 21. 02. 2006

Spielzeit: 41:09 Min.

Line-Up:
Maurizio Iacono – vocals

JF Degenais – guitar

Stephane Barbe – bass

Max Duhamel – drums

Produziert von JF Degenais, gemixed von Tue Madsen
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.kataklysm.net

Tracklist:
01. Like Angels Weeping (The Dark)

02. Let Them Burn

03. Crippled & Broken

04. To Reign Again

05. It Turns To Rust

06. Open Scars

07. Temptation´s Nest

08. In Words Of Desperation

09. The Road To Devastation