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IN FLAMES: I, The Mask

IN FLAMES: I, The Mask

Kaum zu glauben, aber „Colony“ wird dieses Jahr 20 Jahre alt und „Lunar Strain“ knackt gar ein Vierteljahrhundert. Hätte man der Szene damals „I, The Mask“ vorgelegt, wäre man schief angeschaut worden. Die Musik darauf möge vieles sein, aber sicherlich nicht von IN FLAMES geschrieben. Die musikalische Wandlung der schwedischen Metal-Urgesteine ist Geschichte, viel interessanter dagegen die Frage, ob Album Nummer 13 dem zuletzt etablierten Modern Metal neue Facetten hinzufügen kann.

Tatsächlich haben die Skandinavier an verschiedenen Schrauben gedreht: Das Melodic-Death-Metal-Fundament blitzt weiterhin in den schnelleren Stücken durch, wo die Gitarren etwa in „Burn“ oder dem starken Titeltrack bestes Göteborg-Riffing kredenzen. An anderer Stelle zeichnet „I, The Mask“ das Bild einer Band, die in ihrem eigenen Vermächtnis nach etwas Neuem sucht. Es wäre vielleicht zu viel des Guten, das Songwriting als gereift zu bezeichnen. Doch schnell ist klar, dass IN FLAMES auf ihrem neuen Werk endlich wieder eine Vision haben.

Nie klang Sänger Anders Fridén selbstbewusster

Das Augenmerk liegt deutlicher als zuletzt auf dem Gesang, der nicht selten die zentrale Rolle einnimmt. Während die Screams wie eh und je sitzen, scheint Anders Fridén vor allem an seiner Singstimme gearbeitet zu haben. Nie klang der Frontmann selbstbewusster, nie drang er in höhere Tonregionen vor als auf „I, The Mask“. Dies bereichert insbesondere die Powerballade „Follow Me“ um eine emotionale Komponente. Das Resultat mag ein bisschen schmalzig sein, geht aber ähnlich wie das von der Akustikgitarre getragene „Stay With Me“ unter die Haut.

Ironischerweise sind es gerade diese Augenblicke, wo sich der abgeklärte Modern Metal in fast schon kitschigen Arrangements ergießt, die dem Werk seinen Charakter bescheren. In „We Will Remember“, ein Rückblick auf die eigene Bandhistorie, steckt so viel Zuversicht und Energie, als hätte Anders Fridén die Botschaft vom Gipfel des höchsten Bergs Skandinaviens gerufen. Den passenden Kontrast setzen IN FLAMES immer dann, wenn sie das Tempo anziehen: Im Opener „Voices“ inszenieren die Skandinavier routiniert alle Trademarks ihres aktuellen Sounds, während die aggressive Single „I Am Above“ trotz des eingängigen Refrains schnell zum Banger mutiert.

IN FLAMES haben endlich wieder ein Ziel vor Augen

Bei all dem Mut, die Facetten ihres vielschichtigen Sounds je nach Ausgangslage konsequenter in den Vordergrund zu rücken, gelingt dies IN FLAMES nicht ohne Fehltritte. Hin und wieder beißt sich etwa der sonst aufpeitschende Klargesang mit den Melodeath-Arrangements („Burn“). Darüber hinaus bleibt das Schlagzeug insgesamt eher zweckmäßig und setzt nur selten Akzente. Nichts mehr zu machen ist derweil beim zusammengestückelten „(This Is Our) House“, das untypisch an schlampigem Songwriting krankt.

Waren „Siren Charms“ und zuletzt „Battles“ in Teilen zwischen den Stühlen gesessen, hat „I, The Mask“, im Gesamten endlich wieder ein Ziel vor Augen. IN FLAMES verschieben den Fokus letztlich zwar in Richtung Stadionmetal, haben aber dank Anders Fridéns starker Performance genügend Schneid, um diesen Wandel selbstbewusst zu tragen. In Kombination mit den nach wie vor präsenten Melodeath-Spitzen gibt es also ein bisschen was von allem. 20 Jahre später ist „I, The Mask“ somit kein weiteres „Colony“ und ganz bestimmt kein „Lunar Strain“, aber eines ist es sicherlich: unverkennbar von IN FLAMES geschrieben.

Veröffentlichungstermin: 01.03.2019

Spielzeit: 50:48

Line-Up:
Anders Fridén – vocals
Björn Gelotte – guitars
Niclas Engelin – guitars
Bryce Paul – bass
Joe Rickard / Tanner Wayne – drums

Produziert von Howard Benson

Label: Nuclear Blast Records

Homepage: http://www.inflames.com/
Facebook: https://www.facebook.com/inflames/

IN FLAMES “I, The Mask” Tracklist:

1. Voices
2. I, The Mask (Lyrics-Video bei YouTube)
3. Call My Name
4. I Am Above (Video bei YouTube)
5. Follow Me
6. (This is Our) House (Lyrics-Video bei YouTube)
7. We Will Remember
8. In This Life
9. Burn (Lyrics-Video bei YouTube)
10. Deep Inside
11. All The Pain
12. Stay With Me

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal