IN EXTREMO: Sängerkrieg

Die drei Jahre seit Erscheinen des letzten Studioalbums müssen IN EXTREMO richtig gut getan haben. Das Septett unterstreicht wieder einmal eindrucksvoll, warum sie zur Speerspitze des Mittelalter-Rocks gehören.

Meine Herren, die drei Jahre seit Erscheinen des letzten Studioalbums müssen den Mittelalter-Rockern von IN EXTREMO richtig gut getan haben. Ließ die Single “Frei zu sein” noch eine Anbiederung an den Mainstream befürchten, belehrt mich gleich das eröffnende “7 Köche” eines Besseren.

Die sieben Spielleute lassen im wahrsten Sinne des Wortes nichts anbrennen und schicken gleich zu Beginn einen dermaßen rotzigen Song ins Rennen, dass man sich erstmal fragt, ob man überhaupt die richtige CD eingelegt hat. Tatsächlich entwickelt “Sängerkrieg” über die komplette Spielzeit seinen ganz eigenen räudigen Charme, der Songs wie dem geradlinigen Titelstück oder dem unbeschwerten “Neues Glück” äußerst gut zu Gesicht steht. Spätestens nach “In diesem Licht”, das mit einer unglaublichen coolen Bassspur daher kommt, dürften dann auch die letzten Skeptiker überzeugt sein. Mit der “Flaschenpost” haben IN EXTREMO nebenbei noch einen Hit mit Ohrwurmgarantie im Gepäck, der von zukünftigen Live-Shows nicht mehr wegzudenken sein wird.

Auf “Sängerkrieg” gibt es viel Traditionelles zu entdecken

Allerdings hat die Platte auch eine ruhigere Seite. So tritt der estnische “Zauberspruch” mit sanften Harfen- und Flötenklängen – zunächst leise und andächtig, später laut und druckvoll – mühelos in die Fußstapfen der “Merseburger Zaubersprüche”, während das “Requiem” die rein akustisch dargebotene Vertonung eines Francois-Villon-Gedichts darstellt. Es gibt also auch für die Fans aus der Mittelalter-Sparte einiges zu entdecken.

Natürlich macht das mittelalterliche Instrumentarium nach wie vor einen wesentlichen Bestandteil des IN EXTREMO-Sounds aus. Seien es Harfe, Drehleier und Nyckel Harpa wie in “Mein Sehnen” oder ganz einfach eine Wand aus Sackpfeifen, die in “En Esta Noche” das Saltarelli zitiert, dem traditionellen Aspekt wird immer genügend Platz eingeräumt.

IN EXTREMO gehören weiterhin zur Speerspitze des Genres

Es gibt also bei “Sängerkrieg” insgesamt nur wenig zu beanstanden. Abzüge gibt es lediglich für das etwas platte EDITORS-Cover “An End Has A Start”. Von diesem Fehltritt mal abgesehen, unterstreicht das Septett auch 2008 eindrucksvoll, warum es zur Speerspitze des Mittelalter-Rocks gehört. Bleibt nur zu hoffen, dass es dieses Mal keine weiteren drei Jahre bis zum nächsten Album dauert.

Veröffentlichungstermin: 09.05.2008

Spielzeit: 55:23 Min.

Line-Up:
Das Letzte Einhorn: Gesang, Davul, Cyster
Van Lange: Gitarre, Cyster, Backing Vocals
Flex der Biegsame: Dudelsäcke, Tin Whistle, Drehleiher, Schalmayen, Backing Vocals
Yellow Pfeiffer: Dudelsäcke, Nyckel Harpa, Schalmayen, Darabuka
Dr. Pymonte: Dudelsäcke, Pommer, Harfe, Hackbrett
Die Lutter: Bass
Der Morgenstern: Schlagzeug

Produziert von Resetti-Brothers(Vincent Sorg und Jörg Umbreit)
Label: Universal Music Group

Homepage: http://www.inextremo.de

IN EXTREMO “Sängerkrieg” Tracklist

01. Sieben Köche
02. Sängerkrieg
03. Neues Glück
04. En Esta Noche
05. Mein Sehnen
06. Flaschenpost
07. Requiem
08. Frei zu sein
09. Zauberspruch
10. In diesem Licht
11. Tanz mit mir
12. An end has a start
13. Mein liebster Feind
14. Auf´s Leben