HIGHLY SUSPECT: MCID

HIGHLY SUSPECT: MCID

Wir können nur mutmaßen, warum HIGHLY SUSPECT in der Innenseite der Digipak-Verpackung einen Spiegel platziert haben. Um uns zu erschrecken? Dabei hätte es ein Durchlauf von „MCID“ auch getan, um unsere entgeisterten Gesichter zu sehen. Das Drittwerk der Amerikaner ist ein wildes Durcheinander aus wahllosen Genre-Bausteinen, Grundschul-Lyrics und nicht zu Ende gedachten (Schnaps)ideen.

HIGHLY SUSPECT versuchen sich an Rock, Hip Hop, Alternative und flirten in der kuriosen GOJIRA-Kollaboration „SOS“ sogar für ein paar Takte mit dem Metal. Das Dilemma: Funktionieren will davon überhaupt nichts; wenn die kraftlosen Beats uns nicht schlafen schicken, tut die furchtbar blutarme Produktion ihr Übriges.

Textlich ist „MCID“ ein Totalschaden

Die Gitarren – falls vorhanden – sind kaum zu hören, die Synthesizer in „Fly“ oder „16“ sind dumpf und matschig, während Gitarrist und Sänger Johnny Stevens die spärlich vorhandenen Emotionen in seiner Stimme stellenweise unter Autotune begräbt. Den Rap-Parts („Freakstreet“, „Tokyo Ghoul“, „The Silk Road“) fehlt es wiederum an Power, könnten aber auch dann nicht den oft lachhaften Texten irgendeine Ernsthaftigkeit verleihen.

„Well, I thought I was the father
but baby, it’s not my daughter
‚cause baby’s a different color
and baby, I’m not a brother.“

Sänger Johnny verarbeitet hier in der Single „16“ den Seitensprung seiner ersten großen Liebe, präsentiert es uns dann aber wie ein Stück Trash-TV im Hörformat. Immerhin klärt er uns in „These Days“ bereitwillig über seine Libido auf:

“Sometimes I need to bust a nut.
That doesn’t mean I don’t love you.
So what?
You’re saying that you wish that I was playing with your butt.
I guess you can come over.”

HIGHLY SUSPECT agieren konzept- und planlos

Sorry, wir bleiben lieber zu Hause, wo wir uns kurzzeitig an dem soliden Alternative Rock-Chorus von „Canals“ erfreuen, bevor der Song völlig wahllos Swahili-Zeilen einstreut. Ehrlich gesagt nehmen wir das alle Tage lieber als einen Stevens, der schmachtvoll „I wanna be your teddybear!“ ins Mikro raunt („@Tddybear“). Richtig authentisch wird es einzig beim mit Streichern unterlegten Singer/Songwriter-Stück „Arizona“, das so etwas wie einen ungeschönten Einblick in die Seele des Frontmanns gibt.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir die Hoffnung allerdings schon verloren, so kopf- und planlos agieren HIGHLY SUSPECT auf „MCID“. „If I had a fire-breathing dragon, I would have him burn this whole shit to ashes.”, heißt es in “The Silk Road”. Wir schließen uns dem vorbehaltlos an, während uns aus der Innenseite des Digipaks eine völlig entgeisterte Visage anstarrt.

Veröffentlichungstermin: 14.2.2020

Spielzeit: 58:19

Line-Up:

Johnny Stevens – Vocals, Guitar, Synth
Rich Meyer – Bass, Vocals
Ryan Meyer – Schlagzeug, Vocals

Label: 300 Entertainment / Warner

Homepage: https://www.highlysuspect.net/
Facebook: https://www.facebook.com/HighlySuspect/

HIGHLY SUSPECT “MCID” Tracklist

01. Fly
02. 16 (Video bei YouTube)
03. Freakstreet
04. Canals (Audio bei YouTube)
05. Upperdrugs
06. Tetsuo’s Bike
07. Tokyo Ghoul
08. SOS
09. @Tddybear
10. Arizona
11. Juzo
12. The Silk Road
13. Taking Off
14. These Days (Video bei YouTube)
15. Snow White
16. Nairobi (Outro)

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.