HERZEL: Le Dernier Rempart

Mit ihrem Debüt “Le Dernier Rempart” haben HERZEL ein wunderbares, melancholisches Epic Metal Album erschaffen.

HERZEL wurden 2013 gegründet und stammen aus der Bretagne – einer Region, die stolz auf ihre eigene Kultur, Sprache und Geschichte ist. Dies spiegelt sich in den Texten und der Musik von HERZEL wieder. Aber der Reihe nach. 2015 wurde mit “Unis Dans La Glorie” ein Demo mit zwei Songs veröffentlicht. Auf dieses Demo stieß ich kürzlich auf bandcamp und war sofort begeistert vom epischen, verträumten Heavy Metal der fünf Bretonen. Da passte es super, dass gerade die Veröffentlichung des Debütalbums anstand. “Le Dernier Rempart” heißt grob übersetzt “das letzte Bollwerk”. Gegen wen oder was? Das wird uns die Band hoffentlich in Kürze im Interview verraten.

Geschichtsstunde mit alten IRON MAIDEN und US Metal

Die ersten beiden Songs nehmen sich historischer Ereignisse aus der Bretagne an. Der Opener “Maîtres de l’océan” nimmt sich der Seeschlacht der Veneter gegen die Römer an, welche mit einer Niederlage der stolzen venetischen Seefahrer und letztendlich der Unterwerfung der Bretagne endete. Musikalisch erinnert der Song an alte IRON MAIDEN, klassischer Galopper, doch mit einer irgendwie entrückten, melancholischen Grundstimmung.

“La Flamme” wiederum handelt von Johanna von Flandern, welche nach der Gefangennahme ihres Mannes im bretonischen Erbfolgekrieg die Verteidigung der Stadt Hennebont übernahm. Hier geht es eher in Richtung US Metal inklusive hoher Screams. Allerdings nicht die rifflastige auf die Fresse-Richtung, sondern eher vertrackt, leicht progressiv, mystisch und episch. Beim folgenden Titelsong handelt es sich um ein gut anderthalbminütiges Instrumental, bei dem Ronan Le Dissez, ein bretonischer Folk Musiker und der Bruder von Bassist Mordiern Le Dissez die Talabard spielt, ein klassisches Instrument der bretonischen Folklore. Dazu gesellen sich Schlagzeug und Gitarre, was ein großartiges, stimmungsvolles Stück Musik ergibt, welches den mittelalterlichen Touch des Albums nochmal hervorhebt.

Von Geschichte zu Geschichten – HERZEL singen über Vergangenes und Fiktives

“Berceau de cendres” greift das musikalische Thema des Titeltracks zu Beginn dezent auf und markiert den Beginn einer epischen Trilogie über den fiktiven Helden Herzel, der den Bretonen das Schwert der Götter bringt. Auch hier gibt es ausufernde Songs mit langen Instrumental-Passagen, die mal kämpferische, mal melancholische Stimmung verbreiten. Sänger Thomas Guillesser ist ein guter, überzeugt mit seinem leidenschaftlichen, mittelhohen Gesang, hat aber auch die hohen Screams drauf. Dass er auf französisch singt, sehe ich als großen Pluspunkt. Dadurch verstehe ich die Texte zwar nicht, doch es passt einfach zum ganzen Drumherum bei HERZEL und klingt in Verbindung mit den mal epischen, mal verträumten, melancholischen Songs einfach perfekt.

“Le Dernier Rempart” – ein Bollwerk des bretonischen Epic Metal

Klar, man könnte nun kritisieren, dass das Album auf der einen Seite recht kurz ausgefallen ist und manch einem werden die Songs vielleicht auch nicht ausreichend auf den Punkt kommen. Ist mir aber alles egal, “Le Dernier Rempart” ist neben WITHERFALLs überragendem Drittwerk “Curse Of Autumn” für mich bisher das Highlight des Jahres. Wunderschöne Musik, um von vergangenen Zeiten zu träumen. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass HERZEL mit diesem Album auch am Ende des Jahres ganz weit oben in meiner persönlichen Favoritenliste stehen werden. Tut euch selbst einen Gefallen, hört euch “Le Dernier Rempart” an. Dieses Album ist ein echtes Kleinod.

 

Veröffentlichungsdatum: 19.03.2021

Spielzeit: 36:04

Line Up:
Thomas Guillesser – vocals
Gurvan Lardeux – guitars
Kévin Le Vern – guitars
Mordiern Le Dissez – bass
Ion Philippon – drums

Label: Gates Of Hell Records

Facebook: https://www.facebook.com/herzelbreizhsteel
Bandcamp: https://herzel-music.bandcamp.com/releases

HERZEL “Le Dernier Rempart” Tracklist

1. Maîtres de l’océan (8:36) (Lyric-Video bei YouTube)
2. La Flamme (5:16)
3. Le Dernier Rempart (1:42)
4. Berceau de Cendre (7:19)
5. L’épée des Dieux (5:23)
6. L’Ultime Combat (7:49)