HERETIC: From The Vault… Tortured And Broken [2CD+DVD]

HERETIC: From The Vault… Tortured And Broken [2CD+DVD]

Was haben Metal Blade denn da für ein Relikt vom Dachboden heruntergeschleppt? Entstaubt und mit neuer Mastering-Politur aufgehübscht entpuppt sich der Fund als Vermächtnis der 80er: Die Debüt-EP „Torture Knows No Boundary“ und das erste Album „Breaking Point“ der amerikanischen Speed- / Power-Metal-Band HERETIC waren fast vergessen, kommen jetzt aber wieder ans Tageslicht. Der Zeitpunkt ist wenig überraschend: Nachdem sich HERETIC 1988 bereits aufgelöst hatten, folgte über zwei Dekaden später im Jahr 2011 die Reunion samt dem 2012er Comeback „A Time Of Crisis“. Eine Neuauflage des lange vergriffenen Frühwerks lag also nahe, zumal das Boxset „From The Vault… Tortured And Broken“ durch Bonusmaterial eine zusätzliche Aufwertung erfahren sollte.

„Breaking Point“ erklingt dank neuem Mastering transparent

Doch sprechen wir zuerst über die beiden Werke selbst. Produktionstechnisch kann das neue Mastering das Alter der Veröffentlichungen selbstverständlich nicht verbergen. Schlimm ist das keineswegs, denn die Aufnahmen haben sich gut gehalten, „Breaking Point“ erklingt transparent und ist selbst heute problemlos hörbar. Geboten wird elfmal klassischer 80er-Jahre-Speed-Metal mit gelegentlichen Mid-Tempo-Ausflügen. Hier mal eine Thrash-Spitze („The Circle“), dort mal ein IRON MAIDEN-Verweis – das ist aus heutiger Sicht nichts Revolutionäres mehr; nicht zuletzt dank des souveränen Gesangs von Mike Howe (Ex-METAL CHURCH) jedoch durchweg gelungen. „Shifting Fire“, der energische Bonustrack „Impulse“, die Titelnummer sowie das straighte „Let ‚em Bleed“ sind für Nostalgiker ein wahres Fest, das nach Zugabe schreit.

Gewährt wird selbige auf der zweiten Disc: „Torture Knows No Boundary“ erschien chronologisch vor „Breaking Point“, hat aber mit Julian Mendez denselben Frontmann an Bord wie das Reunion-Werk „A Time Of Crisis“. Mendez zeigt einen vergleichsweise hysterischen Auftritt – insgesamt ordentlich, doch Mike Howe gefällt mir bei HERETIC ein Stück besser. Das Material der Debüt-EP fällt dagegen direkter und unkomplizierter aus. „Blood Will Tell“ oder „Riding With The Angels“ sind nicht komplex, bringen dafür eine rotzige Rock’n’Roll-Attitüde mit.

Die Bonustracks sind selbst für beinharte HERETIC-Fans von zweifelhaftem Mehrwert

Abgerundet werden beide Neuveröffentlichungen durch einen Schwall Bonustracks. Das erwähnte „Impulse“ findet sich in leicht unterschiedlichen Interpretationen auf beiden Discs, ansonsten gibt es eine aktuelle Neuaufnahme von „Blood Will Tell“ und zusammen insgesamt zehn Live-Mitschnitte. Und hier kommt der Haken: Gerade diese Konzertaufnahmen aus den 80ern sind durch die Bank unhörbar und legen die Vermutung nahe, dass einfach die Tonspur einer Kamera verwertet wurde. Das Resultat ist so dumpf und matschig, sogar heutige Handyvideos auf YouTube liefern besseren Konzertsound. Der Qualitätsabfall im Vergleich zu den Studioaufnahmen ist von einem Ausmaß, dass die Frage diskutiert werden muss, wer so etwas überhaupt guten Gewissens auf einen kommerziell vertriebenen Tonträger packen kann – Zeitdokument hin oder her.

Dem Boxset „From The Vault… Tortured And Broken“ liegt überdies eine weitere DVD mit Videoclip und Konzertaufnahmen bei. Da diese nicht zur Rezension vorlag, kann über deren Qualität keine Auskunft gegeben werden. Ob der Ton auf dem Datenträger einen besseren Eindruck macht, kann daher nicht beurteilt werden.

Wenn wir also die Live-Dreingaben vorsichtig als überflüssig bezeichnen, verbleiben wir mit einer Zusammenstellung des lange vergriffenen Frühwerks der US-Amerikaner. Lohnenswert ist dieses allemal; zumindest Nostalgiker, Anhänger der Band und Freunde des authentischen 80er-Jahre-Metals finden so zu einem Vermächtnis, das vielen vielleicht nicht oder nicht mehr geläufig war. Verblüffend, was wir auf dem Dachboden zwischen vergilbten Fotoalben und verstaubten Kisten so finden können.

Veröffentlichungstermin: 05.07.2013

Spielzeit: 62:50 / 55:44 Min.

Line-Up:
Torture Knows No Boundary
Julian Mendez – Vocals
Brian Korban – Guitar
Bobby Marquez – Guitar
Dennis O´Hara – Bass
Rick Merick – Drums

Breaking Point
Mike Howe – Vocals
Brian Korban – Guitar
Bobby Marquez – Guitar
Dennis O’Hara – Bass
Rick Merick – Drums
Label: Metal Blade

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/HERETICUSA

HERETIC „From The Vault… Tortured and Broken“ Tracklist

CD1 – Breaking Point
01. Heretic
02. And Kingdoms Fall
03. The Circle
04. The Enemy Within
05. Time Runs Short
06. Pale Shelter
07. Shifting Fire
08. Let ‚em Bleed
09. Evil For Evil
10. The Search
11. Impulse
12. Riding With The Angels (Live)
13. Portrait Of Faith (Live)
14. Let There Be Rock (Live)

CD2 – Torture Knows No Boundary

01. Riding With The Angels
02. Blood Will Tell
03. Portrait Of Faith
04. Whitechapel
05. Torture Knows No Bondary
06. Impulse (von Metal Massacre VII)
07. Blood Will Tell (2012)
08. Master At Her Game (Live)
09. Evil For Evil (Live)
10. Burn Away The Night (Live)
11. Escape (Live)
12. Too Much (Live)
13. Heretic (Live )
14. Born To Be Wild (Live; STEPPENWOLF-Cover)

DVD:
Country Club (26.12.1985):
01. Intro
02. Blood Will Tell
03. Master Of The Game
04. Evil For Evil
05. Burn Away The Night
06. Impulse
07. Escape
08. Too Much
09. Whitechapel
10. Heretic
11. Born To Be Wild (STEPPENWOLF-Cover)

Jezebels (1986):
01. Heretic
02. Evil For Evil
03. Let Em Bleed
04. The Enemy Within
05. Riding With The Angels (RUSS BALLARD/SAMSON-Cover)
06. Time Runs Short
07. Portrait Of Faith
08. The Circle
09. Impulse
10. Let There be Rock (AC/DC-Cover)

Bonus:
01. Let ‚Em Bleed (Videoclip)

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.