HEKATE: Sonnentanz

HEKATE: Sonnentanz

Ein durch und durch sonderbares Album. Ein Werk, das ich nicht vermag einzuordnen, das mich perplex vor der Anlage hat sitzen lassen. HEKATE sind eigenständig, keine Frage. Wie aber soll man dem Leser als Rezensent eine solche Musik näherbringen? Vielleicht so: Pure deutsche Nostalgie, vermischt mit modernen, düsteren Ambient-Stücken, Synthesizer-Romantik vermischt mit Landsknechttrommel und Volksmusik. Klingt geradezu widerlich, wenn man das so liest, ist es aber nicht. Denn HEKATE klingen niemals peinlich, auch dann nicht, wenn man „Die Gedanken sind frei“ intoniert. Und das ist ja auch nur die eine Seite dieses Albums. Da wären ja dann noch herrlich romantisch-melancholische englischsprachige Stücke, ein erhaben-stolzes französisches Lied, das wohl als Schlachthymne gedacht ist, und der absolute Höhepunkt, eine ergreifende Interpretation des jiddischen Volksliedes „Dos Kelbl“, das in den Zeiten des Nationalsozialismus den Juden Kraft geben sollte gegen die Tyrannei der Deutschen. Als ich dieses Lied gehört habe, sind auch sofort meine Befürchtungen gestorben, es könnte sich bei HEKATE um nationalistische Spinner handeln. Titel wie „Fatherland“ lassen das nämlich vermuten, ebenso die Gestaltung des Booklets, die man wohl am ehesten als „30er-Jahre-Romantik“ bezeichnen könnte. Aber offenbar geht es bei all dem wirklich nur um Nostalgie und Romantik – und das umzusetzen, darin sind die Musiker Meister. Auch die zahlreichen Sythesizer-Einsätze wirken nach einigen Durchläufen nicht mehr störend, sondern dadurch wird noch zusätzliche Atmosphäre geschaffen; eine Atmosphäre, die sehr mysteriös, eben durch und durch sonderbar ist.

HEKATE existieren übrigens schon seit Anfang der 90er, haben allerdings bisher nur eine LP mit dem Titel „Hambach“ veröffentlicht. In der langen Zeit bis zu ihrem nun endlich erscheinenden Debüt-Album haben sie viel getourt, unter anderem mit Hagalaz´ Runedance. Das nur zur Verdeutlichung, daß es sich hier nicht um eine unerfahrene Schüler-Band handelt, sondern vielmehr um eine reife Band, der es wirklich ein Bedürfnis ist, Kunst zu schaffen.

Wer sich darauf einläßt, der wird belohnt werden mit einem besonderen Klangerlebnis, fernab von Klischees und Konventionen. Beeindruckend.

Spielzeit: 49:49 Min.

Line-Up:
Axel Heinrich Menz – Gesang, Kesselpauken

Achim Weiler – Synthesizer, Drehleier

Susanne Grosche – Gesang, Landsknechttrommel

Ingo Müller – Gitarre, Schlagwerk

Arne Thau – Gesang, Gongs

Johannes Bernd – Cello, Gitarre

Thomas Schardt – Gitarre

Esther Kazda – Harfe
Label: Well Of Urd

Tracklist:
1. Intro (steht nicht auf der offiziellen Tracklist)

2. Der Nibelunge Nôt

3. To break a heart

4. L´ivresse

5. In deinem Leben

6. Findhorn

7. Fatherland

8. Dos Kelbl

9. Du mein einzig

10. Danse de l´obscurité

11. Die Sonne im Geiste

12. Die Gedanken sind frei

13. Sonnentanz

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Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.