HARDCORE SUPERSTAR: The Party Ain´t Over ´Til We Say So… [Best Of]

HARDCORE SUPERSTAR: The Party Ain´t Over ´Til We Say So… [Best Of]

Jedes Jahr, wenn die Tage kürzer werden und es langsam aber sicher auf Weihnachten zugeht, kommen sie in Scharen, um um die Gunst potentieller Käufer zu buhlen: Best Of-Veröffentlichungen. Dieses Jahr beehren uns auch HARDCORE SUPERSTAR mit der ersten Retrospektive ihrer Karriere. Nachvollziehbar, denn nach acht Studioalben und zahlreichen Hits, kann man aus den Vollen schöpfen. Zumindest theoretisch, aber dazu später.

Die Songauswahl deckt, mit Ausnahme des Albumdebüts „It´s Only Rock´n´Roll“ aus dem Jahre 1998, alle Alben der Bandkarriere ab. Wobei, so ist das auch nicht ganz richtig. Denn mit „Someone Special“ ist das Debüt immerhin in Form einer Neueinspielung aus dem 2000er Zweitwerk „Bad Sneakers  And A Pina Colada“ vertreten, das fälschlicherweise nach wie vor von vielen als Debüt der Band angesehenen wird.
Erwartungsgemäß hat man sich bei „The Party Ain´t Over ´Til We Say So…“ auf die Schaffensphase ab dem famosen 2005er-Werk „Hardcore Superstar“ konzentriert. Wer bei Hymnen wie „We Don´t Celebrate Sundays“, „My Good Reputation“ oder „Wild Boys“ die Füße still halten kann, muss schon hart mit sich und seinen Tretern kämpfen. Auf ihrer selbstbetitelten Platte haben die im Sleaze-/Hard-Rock der 80er verwurzelten Schweden damit angefangen, ihren Sound zu Gunsten einer deutlich härteren Ausrichtung zu modifizieren. Kurzerhand begründete die Band ihr eigenes Genre: „Street Metal“ – ein Mix aus Sleaze Rock und Thrash Metal. Das Thrash vor dem Metal sollte man allerdings nicht zu sehr beim Wort nehmen, jedenfalls nicht in musikalischer Hinsicht. Im Vordergrund steht hier die schmutzige Attitüde, der gemeinsame Nenner von Sleaze und Trash. Auch wenn die Double-Bass nicht nur rumsteht. weil es cool aussieht und die Gitarre schon gerne mal losgallopiert, mit Thrash-Abrissbirnen a´ la SLAYER und Konsorten haben die Jungs definitiv nichts am Hut. Vielmehr schallt einem ein herrlich unverbraucht klingender Mix aus gepimpten MÖTLEY CRÜE-meets-TESLA entgegen. Leichtfüßig, geradeaus, immer mit genug Rotz in der Nase, die Eier direkt neben dem Herz offen auf der Zunge tragend und stets schön mitsingkompitabel. Man könnte auch sagen: Hirn aus und Party On!

Songs wie „Dreamin´ In A Casket“, „Beg For It“ oder „Last Call For Alcohol“ zeigen, dass HARDCORE SUPERSTAR auch auf den nachfolgenden Releases das hohe Niveau ihres gleichnahmigen Vorgängers halten konnten, während die Metalschlagseite im Bandsound mehr Gewicht und das Songwriting zunehmend Feinschliff erhielt. Die immerhin sechs Songs aus der Prä-„Street Metal“-Ära dagegen legen Zeugnis über die interessante Entwicklung der Band ab: Vom poppigen Punk´n´Roll der Anfangstage, über die AEROSMITH-Verneigung „Thank You (For Letting Us Be Ourselves)“ und dem vom britischen Punk beeinflussten „No Regrets“, kann die Band bis zur besagten Kehrtwende im Jahr 2005 auf facettenreiche Verquickungen mit ihren Sleaze-Wurzeln zurückblicken. Auch wenn die Hitdichte in den Anfangstagen nicht so hoch war wie in den letzten Jahren. Songs wie „Someone Special“ oder „Liberation“ zeigen eindrucksvoll, dass die Jungs schon zu Beginn ihrer Karriere ein Händchen für gutes Songwriting hatten.

Stellt sich nunmehr die Frage, wen man mit dieser Best Of-Compilation eigentlich erreichen möchte. Langjährige Fans der Band scheint man jedenfalls nicht ansprechen zu wollen. Mit „We Don´t Need A Cure“ lässt sich lediglich ein bisher unveröffentlichter Track auf „The Party Ain´t Over ´Til We Say So…“ ausfindig machen, und der hat leider nur gutes B-Seiten-Niveau. Dafür gibt es mit „Bastards“ noch einen sehr geilen Single-Only-Release aus dem Jahr 2007. Das war´s dann aber auch schon mit den Extras. Schade, denn egal ob unveröffentlichtes Studiomaterial, Liveaufnahmen oder eine Zusammenstellung der zahlreichen B-Seiten aus der Prä-„Street Metal“-Ära, für die treue Anhängerschaft hätte sich bestimmt etwas Wertiges in den Archiven finden lassen.

Als Zielgruppe verbleiben also eigentlich nur noch die Interessierten. Sprich Leute, die diese Band entdecken wollen. Auch hier hat man seine Chance vertan. Wenn man sich schon für die spartanische Ausführung als Einzeltonträger entscheidet, der auch bei üppiger Spielzeit lediglich einen groben Einblick in das langjährige Gesamtwerk einer Band wie HARDCORE SUPERSTAR geben kann, muss die Songauswahl einfach stimmen. Kein Problem möchte man meinen. Bei den Massen an grandiosem Material, die diese Band im Gepäck hat, wäre es ja fast schon eine Kunst, keinen perfekten Party-Soundtrack zusammenzustellen. Dass man leider genau diese Kunst beherrscht, stellt man eindrücklich unter Beweis, indem man, entgegen der guten alten SUM 41-Parole „All Killer No Filler“, auch schwächere Songs berücksichtigt hat – warum man mit „Here Comes That Sick Bitch“, „Run To Your Mama“ und „Moonshine“ ausgerechnet die einzigen Durchschnittsnummern von „Split Your Lip“ auswählen musste, verstehe wer will.

Die Ansprüche an eine Best Of-Platte sind doch seit jeher klar definiert: Das Ding soll Interessierte mit einer homogenen Zusammenstellung voller Killersongs für die Band begeistern und alten Fans genug wertiges Bonusmaterial bieten, damit auch sie einen Grund haben, das Teil zu erwerben. Hier ist es leider nur beim halbherzigen Versuch geblieben, diesen Ansprüchen zu genügen. Warum man „The Party Ain´t Over ´Til We Say So…“  keine zweite CD oder Bonus DVD spendiert hat, um diesen Dilemma zu entgehen, wissen wohl nur die Macher dieser Veröffentlichung. 

„The Party Ain´t Over ´Til We Say So…“ braucht in dieser Form kein Mensch. Fans der Band werden zu Recht über den geringen Mehrwert enttäuscht sein und die bereits reservierte Lücke im Plattenregal, wohl überwiegend für den nächsten, regulären Longplayer der Jungs freihalten. Auch Interessierte würden gut daran tun, lieber gleich zum Referenzwerk „Hardcore Superstar“ zu greifen, und die Bandhistorie im Anschluss auf eigene Faust weiter zu erkunden. Dabei empfehle ich dringend nicht nur den Weg nach vorne zu nehmen, sondern auch in der Bandhistorie zurück zu reisen. Die ersten Werke dieser grandiosen Band werden sträflicherweise allzu gerne übergangen. 

Veröffentlichungstermin: 28.10.2011

Spielzeit: 78:29 Min.

Line-Up:

Joakim „Jocke“ Berg – Vocals
Vic Zino – Guitar
Martin Sandvick – Bass
Magnus „Adde“ Andreasson – Drums

Label: Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.hardcoresuperstar.com

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/OfficialHardcoreSuperstar

Tracklist:

1. We Don´t Need A Cure (New Song)
2. We Don´t Celebrate Sundays („Hardcore Superstar“)
3. Moonshine („Split Your Lip“)
4. My Good Reputation („Hardcore Superstar“)
5. Wild Boys („Hardcore Superstar“)
6. Someone Special („Bad Sneakers And A Pina Colada“)
7. Dreamin´ In A Casket („Dreamin´ In A Casket“)
8. Into Debauchery („Beg For It“)
9. Here Comes That Sick Bitch („Split Your Lip“)
10. Last Call For Alcohol („Split Your Lip“)
11. Beg For It („Beg For It“)
12. Liberation („Bad Sneakers And A Pina Colada“)
13. Bastards („Bastards“-Single)
14. Medicate Me („Dreamin´ In A Casket“)
15. Standin´ On The Verge („Hardcore Superstar“)
16. Still I´m Glad („No Regrets“)
17. Have You Been Around („Bad Sneakers And A Pina Colada“)
18. Shame („Thank You (For Letting Us Be Ourselves)“)
19. Honey Tongue („No Regrets“)
20. Run To Your Mama („Split Your Lip“)

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