HAMMERS RULE: Show No Mercy [Re-Release]

HAMMERS RULE haben zwei Seiten, die ihren Erfolg ausgebremst hatten, hier auf dem Re-Release aber Spaß machen

HAMMERS RULE waren ihrer Zeit voraus, als sie sich 1983 gegründet hatten. Nicht musikalisch, aber es wurde gleich auf eine fette Bühnenshow gesetzt mit schicken Outfits und reichlich Effekten. So wollte man sich sicher auch dem Major-Labels anbieten, die trotzdem wenig Interesse zeigten. So machte die Band das beste draus und veröffentlichte das Album „Show No Mercy“ 1984 auf dem selbst gegründeten Label Tangent Records. Heute ganz normal, damals sehr besonders kam die LP in weißer Farbe. Ein Jahr später gab es die EP „After The Bomb“, zumindest im Underground hatte man schnell einen guten Ruf, auch bei uns.

HAMMERS RULE wollten ganz groß hinaus mit „Show No Mercy“

Und landete beim falschen deutschen Label, das erst eine Compilation mit beiden Releases unter dem Namen der EP „After The Bomb“ veröffentlichte, dann die Band abzockte mit einem nicht genehmigten Release mit Demoaufnahmen. Vom Album „Spontaneous Human Combustion“ sollte man also die Finger lassen. Neu ihre Finger im Spiel haben hingegen Golden Core Records. Zahlreiche andere Labels erhielten von den drei verbliebenen Musikern, Gitarrist Ron Mechlinski verstarb im April 2001, eine Absage. Das Golden Core-Team durfte Debüt und EP neu veröffentlichen, wie gewohnt remastered von Neudi. Das Album bekam eine hübsche Aufmachung inklusive Booklet mit einem Interview mit Sänger Blade und Drummer Chuck, Bildern, Texten usw. Ab dem 13. Januar 2023 wird es den Re-Release auch auf Vinyl geben.

Golden Core Records legen HAMMERS RULE´s „Show No Mercy“ neu auf

Was wird uns denn geboten? Ein bedrohliches Intro, dann rattert uns ein „Children Of The Grave“-Riff entgegen, um dann klassischem US-Metal Platz zu machen, gepaart mit kurzen QUEEN-Gitarren und Momenten, die an andere Ecken von BLACK SABBATH denken lassen. Das findet sich auch im Bassspiel von Shaun Henley wieder, der mal an GEEZER BUTLER und mal an STEVE HARRIS erinnert. Gemeinsam mit Drummer Chuck Hohn ist er auf einem ganz anderen Level unterwegs ist, als es beim ersten Reinhören durch kommt. So drückt man auch gern mal die sehr solide aufspielende Gitarre etwas beiseite. Der Gesang kommt etwas quäkig und gemäßigt, passt zur oft verspielten Musik. Nicht nur bei „Pool Of Piranhas“ klingt er gar, auch durch die Melodieführung, oft nach japanischen Metal-Bands. Der Soloteil kriegt dann eine gute Portion IRON MAIDEN. Beim etwas seltsam dahinschleichenden „Castle Walls“ verbeugt man sich wieder vor frühen BLACK SABBATH, „War Pigs“ schaut vorbei, von diesen Momenten lebt der Song. Die Bandhymne nimmt dann etwas Tempo auf, macht aber auch deutlich, dass HAMMERS RULE immer etwas zu zahm klingen, um wirklich Popo zu treten. Auch das stampfende „If You Only Knew“ macht Spaß, lädt aber eher zum entspannten Mitwippen ein, als zum Headbangen.

HAMMERS RULE bewegen sich zwischen englischen Helden und US-Metal

Dann wird deutlich, dass die Band sich nicht sicher war, ob sie an der ihr gut stehenden Power Metal-Front kämpfen will oder lieber auch mal bei MTV laufen würde. Die zweite Hälfte des Albums zeigt letzteres. Bei „Set Me Free“ rockt man fröhlich im TWISTED SISTER-Stil, bei „She’s A Rocker“ versucht man es mit MÖTLEY CRÜE-Dreck unter den Nägeln. Bei „Little Girls“ zeigt man sich in funky EXTREME/LIVING COLOUR-Ausflügen und rock`n´rollt mit allen Klischees durch „Sex Drugs And Rock-n-Roll“. Hier mag man auch an frühe WASP denken mit kurzem MAIDEN-Part. Dieser Ruck Richtung großes Publikum wäre für sich durchaus gelungen, würde dem nicht die erste Albumseite gegenüber stehen. So bleibt der Eindruck, man wollte sich beiden Seiten anbieten. Dass sich HAMMERS RULE eigentlich auf der härteren Seite wohler gefühlt haben, das zeigten sie mit den beiden neuen Songs der EP, „Kamikaze“ und „Stop The World“ mit MAIDEN Mitsing, Auftakt. Man gibt wieder etwas Gas, der Haarspray-Rock weicht wieder einer metallreicheren Linie.

Auf der zweiten Seite schielten HAMMERS RULE auf MTV und großes Airplay

HAMMERS RULE hatten reichlich Potenzial und hätten bei einer klareren Linie sicher weitaus mehr werden können. Die US-/Power Metal Fraktion wird gut bedient, die Songs machen Spaß und laden zum genauer Hinhören ein, auch und gerade bei der coolen Rhythmus-Section. Bei einem Albumtitel wie „Show No Mercy“ hat man natürlich falsche Hoffnungen geweckt bei den damaligen Metal-Kriegern. Dem Slogan hatte eine freundliche Band aus Kalifornien ja kurz vorher ihren klaren Stempel aufgedrückt und den erforderlichen Härtegrad für diesen Titel klargestellt. Um bei den gemäßigten Power-Metalbands erfolgreich mitzumischen wäre alles da gewesen. Auch um im Mainstream Rock bzw. dem damals heißen Hair Rock mitzutanzen, wenn man die zweite Seite beurteilt. Mit dieser unklaren Linie hat man aber an beiden Märkten vorbei gespielt.

HAMMERS RULE macht Spaß, aber man weiss nicht, ob man nun sein Nietenarmband oder Haarspray nehmen soll

Das ist schade, beides hat seinen Reiz, aber ganz vorne liegt die erste Seite mit der härteren Ausrichtung. Die dürfte Freunden des gemäßigten US-Metal gefallen, gut dass Golden Core auch hier wieder eine Band ins hier und jetzt bringt, die damals – selbst verschuldet von der Band aus Baltimore mangels klarem Genre – deutlich unter ihren Möglichkeiten gehandelt wurde. Als Freund vom 80er Hair Rock/Metal hat man auch mit der etwas schwächeren zweiten Seite Spaß. Hier auf CD sorgt das letztendlich auch für Abwechslung, auf LP kann man dann je nach Tageslaune den gewünschten Stil auflegen. Ebenso macht es Spaß, diese oft kurzen Momente zu erwischen, wo HAMMERS RULE direkt bei ihren Helden geklaut haben. Aber das machen wir ja doch irgendwie alle.

Veröffentlicht am 08.07.2022

Spielzeit: 50:47 Min.

Lineup:
Blade Duncan – Gesang
Ron „Spunki“ Mechlinski († 2001) – Gitarre
Shaun Henley – Bass
Chuck Hohn – Drums

Label: Golden Core Records /ZYX

Die Tracklist von “Show No Mercy”:

1. Prelude / The Calm Before The Storm
2. After The Bomb
3. Pool Of Piranhas
4. Castle Walls
5. Hammers Rule
6. If You Only Knew
7. Kamikaze – Mission Of Death
8. Set Me Free
9. She’s A Rocker
10.Stop The World
11. Little Girls
12. Sex Drugs And Rock-n-Roll