GREEN CARNATION: Acoustic Verses

Die Norweger zeigen sich von ihrer ruhigen Seite, können aber auch in akustischem Kontext durch gute Songs und interessante Spielereien überzeugen.

Im Grunde ist es doch schon ein ungeschriebenes Gesetz, dass wenn GREEN CARNATION ein neues Album veröffentlichen, sie sich nicht auf ihren alten Glanztaten ausruhen, sondern weiterhin neue Wege beschreiten. Nun kann man natürlich trefflichst darüber streiten, wie originell oder unoriginell ein Akustik-Album ist und tatsächlich muss man auch zum Ergebnis kommen, dass die Norweger auf Album Nummer 5 songwriterisch keine großartigen Experimente eingehen. Dennoch spürt man auf Acoustic Verses zu jeder Sekunde die Suche nach Stimmungen und Klängen und so hält auch dieses Werk wieder viele kleine Abenteuer bereit.

Grundlegend ist man sich also in allen Belangen treu geblieben und liefert gewohnte Qualität. Doch neben der instrumentalen Umgestaltung der Musik fällt eine Änderung ganz besonders auf: Schon beim Opener Sweat Leaf übernimmt nicht nur Kjetil Nordhus das Mikrophon, auch Multitalent Stein Roger Sordal liefert einige Vocals ab. Beim zweiten Song The Burden is mine…Alone geht die Band sogar noch einen Schritt weiter und überlässt den Gesang komplett ihrem Bassisten, der somit den Sound von GREEN CARNATION immer deutlicher prägt.

Die Stücke an sich erfüllen alles, was man sich von einem GREEN CARNATION-Akustik-Album wünschen möchte. Das heißt: klar strukturierte Songs, einfühlsame Melodien und unaufdringliche Überraschungsmomente. Die Musik begleitet die Texte, die erneut sehr persönlich wirken, auch wenn sie im Einzelfall vielleicht die Grenze des eigenen Erlebens überschreiten. Melancholie erhält die Spannung zwischen Traurigkeit und Hoffnung. Speziell das bereits erwähnte The Burden is mine…Alone ist ein herrlich emotionales Stück, veredelt durch den zerbrechlich wirkenden Gesang von Sordal. Auch die Nordhus-Komposition Maybe? lädt zum Zurücklehnen und Besinnen ein, wobei einen die Theremin am Ende des Songs gänzlich in andere Gedankenwelten trägt. Alone ist von einer angenehmen Leichtigkeit und schönem Violineneinsatz geprägt, die Rhythmik wirkt schon beinahe folkloristisch.

Außergewöhnlichstes Stück des Albums ist sicherlich das 16-minütige 9-29-045, das aus drei Parts besteht, von denen jeder einzelne seinen besonderen Reiz hat. Außerordentlich schön wirken hier die gefühlvolle Mellotron-Begleitung und die kleinen Brückenmelodien. Dass GREEN CARNATION dazu in der Lage sind, die Spannung über die komplette Länge des Stückes zu erhalten, muss dabei eigentlich nicht explizit erwähnt werden.

Der dritte Teil zu Childs Play, rein Instrumental mit einer zentralen Pianomelodie, wäre im Grunde der perfekte Fade-Out zu diesem Album, zumal die Spannung mit 9-29-045 eigentlich ihren Höhepunkt fand. Da wirkt High Tide Waves am Ende von Acoustic Verses geradezu unbequem, da die Band hier auch noch mal in eine eher düstere, bedrohliche Richtung abdriftet. Ich will nicht unbedingt sagen, dass das Album somit gegen Ende hin abflacht, aber die Reihenfolge der Stücke bringt eben doch ein gewisses Absacken mit sich.

Vielen wird es vielleicht schwer fallen, Acoustic Verses als vollwertiges GREEN CARNATION-Album anzuerkennen. Dabei sollte man die Sinnigkeit darin aber nicht übersehen. Denn sicherlich würden alle Songs auf diesem Album auch hervorragend in normalen Versionen funktionieren, bestimmte Klangerlebnisse wären dann aber nicht möglich gewesen. Und es passt ja auch einfach in die Historie der Norweger, zumal man für den nächsten Release wieder etwas sehr Monumentales erwarten kann – eventuell also wieder genau das Gegenteil von diesem Release.

Veröffentlichungstermin: 13.01.06

Line-Up:
Stein Roger Sordal – Bass, ebow, coffe, lead vocals and backing vocals

Tchort – Acoustic Guitar

Kjetil Nordhus – Lead Vocals and Backing Vocals

Tommy Jackson – Drums and Percussion

Michael S Krumins – Acoustic guitar, semi hollow guitar and Theremin

Kenneht Silden – Piano, Rhodes, Strings and Mellotron

Bjorn Harstad – Tremolo Guitar, Slide and Guitar Effects

Guest musicians

Leif Wiese – Violin

Gustav Ekeberg – Viola

Bernt Andre Moen – Chello
Label: Sublife Productions / Twilight Vertrieb

Homepage: http://www.greencarnation.no

Tracklist:
Sweet leaf

The Burden is mine… Alone

Maybe?

Alone

9-29-045 (3 parts)

– My greater Cause

– Homecoming

– House of Cards

Childs Play part III

Hight Tide Waves