GOJIRA: From Mars to Sirius

GOJIRA: From Mars to Sirius

Reduktion auf das Wesentliche zur Erschaffung des Übernatürlichen. Ich denke, so kann man Album Nummer drei der Franzosen GOJIRA ganz treffend beschreiben, zumindest Fans der Band sollte jetzt bereits das Wasser im Mund zusammen laufen. GOJIRA zumindest haben sich zusammengerauft. Nicht, dass der geniale Vorgänger The Link auch nur eine Länge gehabt hätte, aber From Mars to Sirius ist ein kleines Universum. Kompakter, dennoch epischer.

Schließt die Augen, lasst euch von der Wucht des Materials packen, von den Killerriffs wegwehen, ein Wirbelsturm packt euch, ihr werdet merken wie die sägenden Riffs das zentrale Nervensystem lahmlegen und ihr mit der Double Bass wegfliegt. Was eigentlich recht simpel aufgebaut ist, wirkt viel besser als jede übertriebene Frickelei der Welt. Hier gibt es tödliche Riffs, tightes Drumming und erbarmungsloses Geschrei und man fragt sich wer doch gleich MORBID ANGEL waren, denn wenn man deren letzte Taten mit denen von GOJIRA vergleicht, man fragt sich ernsthaft, welche Band ihren Status wirklich verdient hat.

Eigentlich ist From Mars to Sirius keine zu komplexe Scheibe, im Gegenteil. In jedem Song gibt es nur eine Handvoll Riffs. Die haben allerdings alle Klassikerqualitäten. Und so nebenbei: Bitte versteht mich nicht falsch. Bei From Mars to Sirius geht es um mehr als nur gute Songs. Denn die Atmosphäre, die entsteht wenn man die Songs atmen lässt, wie GOJIRA es tun, ist schlicht Gänsehaut erzeugend. Bestes Beispiel: Flying Whales, das ruhig, mit Walgesängen unterlegt beginnt und dann zu einem mächtigen Monolithen wird, der einen gegen die Wand drückt. Dieser Song sticht sogar aus einem derart hochkarätigem Album hervor, vor allem wegen den gelungenen Tempowechseln. Ganz, ganz groß. Doch der Rest des Albums ist auch nicht von schlechten Eltern. From the Sky, World to Come, To Sirius oder Global Warming sind Stücke, die man sein Leben lang nicht vergessen wird.

Natürlich hat auch die enorm massive Soundwand großen Anteil an der Produktion, die ist so verflucht dicht, da kommt kein Mensch durch. Und dennoch schaffen die Franzosen es immer wieder kleine Spielereien im Hintergrund ablaufen zu lassen, denn so ganz ohne Leadgitarren oder ruhigere Momente wäre auch dieses Album irgendwie witzlos. From Mars to Sirius bietet mit seinen vereinzelt eingestreuten, ruhigen Stellen durchaus viel Abwechslung, auch wenn Vorgänger The Link in dieser Hinsicht etwas besser durchdacht war. Doch in sich geschlossener und intensiver ist dieses Werk.

Und durch die vielen genialen Songs, die einmalige Atmosphäre und die visionäre Herangehensweise und die instrumentale Erhabenheit der Musiker gibt es keinen Zweifel daran, dass dies ein absolutes Highlight im Bereich des extremen Metal anno 2005 ist. MORBID ANGEL werden hiermit von ihrem Thron gestoßen, GORGUTS haben endgültig ihre würdigen Nachfolger gefunden. Und ihr solltet, sofern ihr euch eine Stunde lang fallen lassen könnt und extreme Musik auf einem hohen Level genießen könnt, euch dieses Album dringend aneignen.

Veröffentlichungstermin: 10. Oktober 2005

Spielzeit: 66:52 Min.

Line-Up:
Joe Duplantier – Vocals, Guitars

Christian Andreu – Guitars

Jean-Michel Babadie – Bass

Mario Duplantier – Drums
Label: Listenable Records

Homepage: http://www.gojira-music.com

Tracklist:
1. Ocean Planet

2. Backbone

3. From the Sky

4. Unicorn

5. Where Dragons Dwell

6. The Heaviest Matter of the Universe

7. Flying Whales

8. In the Wilderness

9. World to Come

10. From Mars

11. To Sirius

12. Global Warming

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle