FLESHGOD APOCALYPSE: Agony

FLESHGOD APOCALYPSE: Agony

Allein mit Death Metal bringt man heute kaum noch CDs an den Mann. Da muss schon etwas Besonderes her, um der Musik die richtige Würze zu geben. Was eignet sich dafür also besser als epische Streicher und Bläserfanfaren, um der sonst zu unscheinbaren Musik mehr Bombast, mehr Aufmerksamkeit, mehr Dramatik, kurz, mehr von allem zukommen zu lassen? Immerhin fuhren DIMMU BORGIR damit auf Abrahadabra in kommerzieller Hinsicht ganz gut und sogar THE BLACK DAHLIA MURDER haben auf Ritual den einen oder anderen symphonischen Part aufbereitet. FLESHGOD APOCALYPSE liegen mit ihrem Symphonic Death Metal also voll im Trend und so fragt man sich, was bei einem Album, welches mit einem gelungenen Filmmusik-Intro wie Temptation startet, schon schief gehen kann.

Eine ganze Menge sogar, denn all das, was orchestrale Musik ausmacht – die Dynamik, die Dramaturgie, das Auf und Ab der beteiligten Instrumente – fehlt Agony komplett. Im Prinzip bestehen die acht Songs aus durchgehender Doublebass und pausenlosem Geblaste, auf die dann neben matschigen, in den Hintergrund gemischten, Riffwänden und Death-Growls ein regelrechtes Flächenbombardment aus Keyboardstreichern und gelegentlichen Fanfarenstößen losgelassen wurde. Das rein symphonische Outro von The Imposition bekommt man nach minutenlanger Vergewaltigung durch das penetrante Triggerschlagzeug schon gar nicht mehr mit. Gleiches gilt generell auf der kompletten Songebene. Durch die hartnäckige Dauerbeschallung am Anschlag wird so etwas wie Abwechslung mit dem Presslufthammer zerlegt, bevor man überhaupt bemerkt hat, dass gerade ein neuer Song begonnen hat. Tatsächlich ist diese zwanghafte Überproduktion im Fall von Agony ein echtes Problem. Gewohnt ist der moderne Musikkonsument inzwischen einiges, aber wenn eine Band wie FLESHGOD APOCALYPSE, im Bestreben besonders laut zu klingen, mit ihren Drums alles andere nieder prügelt, dann endet das schlicht darin, dass ihr Album im Vergleich zu nicht minder harten Kollegen eben nur mit halber Lautstärke gehört wird.

Doch selbst dann bleibt wenig Markantes übrig, mit dem Agony bestechen könnte. Egal ob man nun The Violation, The Betrayal oder The Oppression nimmt, jeder Song ist im Prinzip gleich aufgebaut, nahezu jeder Song fußt auf wahnsinnig technischem, aber schnell ermüdendem High Speed-Drumming, jeder Song bleibt ob der dominanten Symphonic-Breitseite rifftechnisch bedeutungslos. Auf der positiven Seite bleiben letzten Endes nur die pfeilschnellen Soli übrig, bei denen die Gitarren wenigstens kurzzeitig ihre Bombastfesseln sprengen können. Es ist FLESHGOD APOCALYPSE immerhin anzurechnen, dass sie mittels gelegentlichen Klargesangs um ein Mindestmaß an Variation bemüht sind. Da Bassist Paolo Rossi aber nur genau eine Tonhöhe jenseits üblicher HAMMERFALL-Regionen kennt, geht dieser Versuch ebenfalls nach hinten los. Gerade ob des Potenzials, das Agony eigentlich mit sich bringt, ist es unglaublich ärgerlich, dass FLESHGOD APOCALYPSE scheinbar alles daran setzen, den Titel ihres Zweitwerks für den Hörer zum Programm zu machen. Dass dann ausgerechnet der leise Titeltrack am Ende wieder im Stil bester Filmmusik Atmosphäre und Dramatik schafft, ist nach den vorherigen 45 Minuten eigentlich der pure Hohn.

Veröffentlichungstermin: 19.08.2011

Spielzeit: 49:50 Min.

Line-Up:
Tommaso Riccardi – Vocals, Guitars
 Cristiano Trionfera – Vocals, Guitars
Francesco Ferrini – Piano, Orchestra
Paolo Rossi – Vocals, Bass
Francesco Paoli – Drums, Guitars, Vocals

Produziert von Stefano Morabtio
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.fleshgodapocalypse.com
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/fleshgodapocalypse

Tracklist:
01. Temptation
02. The Hypocrisy
03. The Imposition
04. The Deceit
05. The Violation
06. The Egoism
07. The Betrayal
08. The Forsaking
09. The Oppression
10. Agony

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.