FIDDLER’S GREEN: Winners & Boozers

Auch auf dem zwölften Studioalbum haben FIDDLER´S GREEN noch genügend Feuer in der Hose, um aus der letzten Hinterhofspelunke für eine Nacht das Hammersmith zu machen.

Es ist eine Schande, dass die heimische Whiskybar momentan nur mit billigem Fusel dienen kann. Hätte mein Schwager nach dem letzten Grillabend sein Kilkenny nicht bei mir deponiert, säße ich jetzt vor dem neuen FIDDLER’S GREEN-Album komplett auf dem Trockenen. Ohne Tropfen geht nichts, das sagt mir “Winners & Boozers”; also Bier auf und CD in die Anlage eingeworfen, heute geht hier niemand nüchtern ins Bett.

Schon allein deshalb nicht, weil “Winners & Boozers” so sehr auf irische Folk-Späße ausgelegt ist, dass die Gläser im Minutentakt nachgefüllt werden. Die Geige tanzt, das Akkordeon schunkelt, das Schlagzeug gewährt keine Pause: Fröhliche und eingängige Melodien gehören seit jeher zum Repertoire des Irish Folk, die neuen Eigenkompositionen der Erlanger bleiben anno 2013 nahezu durchgehend in dieser Tradition.

Bevor die Vorräte nicht leer gesoffen sind, geht bei FIDDLER’S GREEN niemand nach Hause

Die E-Gitarre spielt eigentlich nur in “We Don´t Care” und dem angepunkten “Don´t Look Back” eine größere Rolle, ansonsten hält sie sich im Gelage vornehm zurück. Der Rotz der “Sports Day At Killaloe“-Jahre bleibt also abermals draußen auf der Straße. Wobei nicht ganz, “A Bottle A Day” lässt im Up-Tempo nicht nur die Gläser klirren. Dank live eingespielter Instrumente bewahrt sich die rockige Spelunkenhymne eine angenehm rauchige Note – darauf einen Ardbeg.

Dass der Großteil der 16 Nummern von Eigenkompositionen gestemmt wird, fällt aufgrund der Schwerpunktverlagerung in Richtung klassischer Folkrhythmik gar nicht so auf – die vorausgegangene Akustiktour hinterließ wohl ihre Spuren, “Winners & Boozers” heizt jedes Pub auf Betriebstemperatur. Simpel, eingängig, schnell – süffiger als jedes Guinness bringen der flotte Opener “A Night In Dublin”, das stampfende “Never Hide”, die Schunkelhymne “Raise Your Arms” und das leicht punkige Song “For The Living” sofort die aktuelle Agenda in die Runde: Bevor die Vorräte nicht leer gesoffen sind, geht niemand nach Hause.

Mit “Winners & Boozers” wird noch aus der letzten Hinterhofspelunke für einen Abend das Hammersmith

Der potenzielle Promillepegel vernebelt dann auch, dass sich einige Melodiebögen und Strukturen im Verlauf der Platte ähneln. Das ist zwar im Irish Folk nicht unbedingt eine Neuigkeit, doch FIDDLER’S GREEN hielten bislang immer mit charakteristischen Songs aus eigener Feder dagegen. Ausgerechnet die langsameren Stücke “No Lullaby” und “No More Pawn” sowie das instrumentale “Maria” mit osteuropäischer Polkanote schwächeln allerdings ein wenig.

Zu kippen droht die Stimmung derweil nie: “Buccaneer” ergänzt den Folk durch vorsichtige Country-Anleihen, “The More The Merrier” hat dank Drummer Frank Jooss eine unwiderstehliche Energie unterm Kilt und die beiden Traditionals “Old Polina” sowie “Old Dun Cow” zeigen einmal akustisch, einmal stark rockig, wie noch aus der letzten Hinterhofspelunke für einen Abend das Hammersmith wird.

Nicht nur weil “Winners & Boozers” mit der Akustikballade “Into The Sunset Again” zum Abschluss endlich ein beliebtes Stück des Liveprogramms auf CD bannt, können wir getrost feststellen, dass FIDDLER’S GREEN auch auf dem zwölften Studioalbum noch genug Feuer in der Hose haben. Warum ich mir dessen so sicher bin? Nun, ich schulde meinem Schwager einen Sixpack Kilkenny…

Veröffentlichungstermin: 26.07.2013

Spielzeit: 53:00 Min.

Line-Up:
Ralf Albers: Vocals, Acoustic Guitar, Bouzouki, Mandolin
Pat Prziwara: Vocals, Electric Guitars
Tobias Heindl: Violin, Vocals
Stefan Klug: Accordion, Bodhrán
Rainer Schulz: Bass
Frank Jooss: Drums, Percussion

Produziert von Christoph Beyerlein
Label: Deaf Shepherd Recordings / Indigo

Homepage: http://www.fiddlers.de
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/Speedfolk

FIDDLER’S GREEN “Winners & Boozers” Tracklist

01. A Night In Dublin
02. A Bottle A Day
03. No Lullaby
04. Old Dun Cow
05. We Don’t Care
06. Raise Your Arms
07. The More The Merrier (Video bei YouTube)
08. Buccaneer
09. Never Hide
10. Song For The Living
11. No More Pawn
12. Maria
13. Blacksmith Reel
14. Don’t Look Back
15. Old Polina
16. Into The Sunset Again