FEUERSCHWANZ: Das elfte Gebot

FEUERSCHWANZ: Das elfte Gebot

Auf dem Papier klingt es gar nicht schlecht: Die einstigen Blödel-Barden von FEUERSCHWANZ sind erwachsen geworden. Statt mittelalterlicher Folk-Comedy über Sex und Saufen bzw. „Met und Miezen“ (2007) haben die Erlanger eine neue Ernsthaftigkeit erlangt; der unbeschwerten Feierlaune eine Prise Nachdenklichkeit hinzuaddiert.

So steht es zumindest im Titeltrack geschrieben, der sich die eigene Sterblichkeit zum Thema genommen hat. Das Problem: „Das elfte Gebot“ gereicht inhaltlich letztendlich zu nicht viel mehr als Phrasendrescherei. Leb jeden Tag so, als wäre es dein letzter – Weisheiten aus der Glückskeks-Dose. Es ist ein Jammer, dass sich der eigentlich gute Ansatz der Mittelalter Rock-Band durch platte Botschaften und oftmals erschreckend einfältige Texte selbst torpediert.

„Das elfte Gebot“ hat keinen wirklichen roten Faden

Am Ende bleibt „Das elfte Gebot“ nichts Halbes und nichts Ganzes, auch in musikalischer Hinsicht. Im Prinzip balancieren FEUERSCHWANZ zwischen klassischem Mittelalter Rock („Metfest“, „Meister der Minne“) und deutschsprachigem Power Metal („Lords Of Powermet“, „Das elfte Gebot“). Ein roter Faden will sich so kaum bilden, zumal sich die Band im Weiteren munter bei diversen Vorbildern bedient. „Im Bauch des Wals“ könnte instrumental ebenso von SUBWAY TO SALLY stammen, „Lords Of Powermet“ zitiert typische POWERWOLF-Trademarks, „Totentanz“ bedient sich mit seinen tiefen Vocals bei der Neuen Deutschen Härte und das hymnisch-sakrale „Malleus Maleficarum“ ist im Prinzip ein SABATON-Song.

Arrangiert ist das Ganze immerhin kompetent. Sackpfeifen, Flöten und Violine sind stets songdienlich eingebunden, die Balance zwischen Gitarren und Ethno-Instrumenten passt. Während die Melodien im Allgemeinen ebenfalls gute Genrekost bieten, stützen sich FEUERSCHWANZ im furchtbaren „Mission Eskalation“ und dem vorhersehbaren „Unter dem Drachenbanner“ zu sehr auf Wiederholungen und generische Melodiebögen.

FEUERSCHWANZ fehlt auf der Cover-CD „Die sieben Todsünden“ der Mut

Ähnlich limitiert offenbaren sich die Cover-Nummern der Bonus-Disc „Die sieben Todsünden“. FEUERSCHWANZ bleiben meist zu nah am Original, um den eigenen Interpretationen von „Hier kommt Alex“ (DIE TOTEN HOSEN) oder „Amen & Attack“ (POWERWOLF) eine Daseinsberechtigung zu geben. Beiden Stücken fehlen Kraft und Elan der Vorlagen. Bei RAMMSTEINs „Engel“ ist das Folk-Instrumentarium immerhin geschickt eingebunden, während ED SHEERANs „I See Fire“ als Rock-Nummer tatsächlich eine gute Figur macht. Überraschenderweise funktioniert sogar SEEEDs „Ding“ irgendwie – vielleicht, weil der unkonventionelle Ansatz mit den eigentlich kauzigen FEUERSCHWANZ gut harmoniert. Essentiell ist dennoch keines der Cover-Stücke, dafür hätte es mehr Mut gebraucht.

Oft reimen FEUERSCHWANZ auf Grundschulniveau

Ungeachtet dieser Dreingabe sind es letztendlich viel zu oft die Texte, die „Das elfte Gebot“ schwer genießbar machen. „Im Muskelvergleich trifft Eisen auf Fleisch | Schlägt dich windelweich | die Schildmaid“, reimen FEUERSCHWANZ in „Schildmaid“ auf Grundschulniveau – und das einen ganzen Song lang. Wenig später heißt es dann in „Unter dem Drachenbanner“ ähnlich plump: „Kampfzwerge, Muskelberge | Schwer bewaffnet bis an die Zähne.“ Diese handwerklichen Defizite lassen sich nur schwer ausblenden und zeigen eben das große Problem der konzeptionell zwiegespaltenen FEUERSCHWANZ im Jahr 2020.

Wo GLORYHAMMER seit drei Studioalben auf der feinen Linie zwischen grandios lächerlich und lächerlich grandios mit Selbstironie und einem durchgeknallten doch erstaunlich gut durchdachten Fantasy-Epos balancieren, ist „Das elfte Gebot“ trotz musikalisch kompetenter Ansätze und der neu entdeckten Ernsthaftigkeit über gewisse Strecken zum Fremdschämen.

Veröffentlichungstermin: 27.06.2020

Spielzeit: 42:49 („Das elfte Gebot“ / 27:13 („Die Sieben Todsünden“)

Line-Up

Hauptmann Feuerschwanz – Vocals, Gitarre
Hans der Aufrechte – Gitarre
Prinz R. Hodenherz III – Flöten, Rauschpfeife, Dudelsack, Gesang
Johann von der Vögelweide – Geige, Drehleier
Jarne Hodinsson – Bass
Sven Karlsson – Keyboards
Sir Lanzeflott – Drums

Produziert von Simon Michael und Christoph Beyerlein (Mastering)

Label: Napalm Records

Homepage: http://feuerschwanz.de/
Facebook: https://www.facebook.com/feuerschwanz/

FEUERSCHWANZ “Das elfte Gebot” Tracklist

01. Meister der Minne
02. Metfest (Video bei YouTube)
03. Das elfte Gebot (Video bei YouTube)
04. Kampfzwerg
05. Im Bauch des Wals
06. Mission Eskalation
07. Schildmaid
08. Malleus Maleficarum
09. Lords Of Powermet
10. Totentanz
11. Unter dem Drachenbanner

FEUERSCHWANZ „Die sieben Todsünden“ – Tracklist

1. Ding – SEEED (Video bei YouTube)
2. Hier kommt Alex – DIE TOTEN HOSEN
3. Amen & Attack – POWERWOLF
4. I See Fire – ED SHEERAN (Video bei YouTube)
5. Gott mit uns – SABATON
6. Limit – DEICHKIND
7. Engel – RAMMSTEIN

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.