ERRORHEAD: Error Rhythm

Den Innovationsstatus des Vorgängers kann "Error Rhythm" natürlich nicht erreichen. Bleibt ein gutes, ausgereiftes Album, das die Fans von ERRORHEAD sicher nicht enttäuscht, gemeinsam mit der Erkenntnis, dass es auch 2004 niemanden gibt, der diesen Techno-Gitarren Stil besser beherrscht als Marcus Deml.

Sologuitar meets Electronic Kapitel Nummer 2. Sechs Jahre sind mittlerweile seit dem Debüt von ERRORHEAD und der Geburt dieses ganz spezifischen Sounds vergangen. Die lange Zeit zwischen Error Rhythm und Errorhead (Sat 9002.2) sei Marcus Deml verziehen. Der gebürtige Prager ist als Studiogitarrist auch nicht gerade unbeliebt. Auch die großen Erwartungen der ERRORHEAD-Kenner zu erfüllen ist mit Sicherheit keine leichte Aufgabe. Schließlich verlangt man von einem Künstler wie Mr. Errorhead ja keine einfach Neuauflage des Debüts, sondern schlicht und ergreifend musikalische Evolution.

Mit dem orientalischen Intro The Way To… wird Error Rhyhtm eingeleitet. Mit Perkussion geht es dann in Bhakti, das ebenfalls durch orientalische Scales und den bestens bekannten ERRORHEAD Sound aus Beats und organischen Basslinien gekennzeichnet ist. Natürlich darf auch das effektvolle Solospiel nicht fehlen. Nach kurzem Zurechtfinden ist sogar der Spannungsbogen in Bhakti leicht zu erkennen. Scratching The Surface wird seinem Namen dann mehr als gerecht: Wild und ungeniert schrubbt Marcus Deml über seine Saiten. Grob vergleichbar ist diese Technik mit den Einlagen eines Tom Morellos (AUDIOSLAVE). Visit Your Soul ist ein langsamer, getragener und melodiöser Track, der durch ein einfaches Hall/Echo Riff sein Gerüst bekommt. Ein Highlight des Albums ist Rocket-Boy, das sich fast filmisch aufbaut. Man kann sich gut eine Wüstenlandschaft zur Musik vorstellen, in der allerdings einige Technokraten wüten, die durch das Sprachsample Rocket Boy angefeuert werden. Sehr cool sind das Lick im Refrain und der pulsierende Beat. Message Of Love ist dann keineswegs so schnulzig, wie es der Titel vermuten lässt. Zum ersten Mal kommen eigentlich die Funk und Blues Einflüsse zum Vorschein, die bisher auf Error Rhythm wie versteckt wirkten. Cowgirl ist gitarrentechnisch wirklich beeindruckend, aber doch stark Geschmackssache. Es ist diese Country Problematik, die auch schon JOHN 5 auf seinem kürzlich erschienenen Soloalbum ins Rollen brachte. Colour Of Your Tear ist dermaßen melancholisch, dass man glatt meinen könnte, man hätte es mit PORTISHEAD zu tun. Ein weiteres absolutes Highlight ist Dead Or Alive – spannend und cool von Anfang bis Ende. Ein geniales Lick jagt das nächste. Vielleicht die besten 3 Minuten auf Error Rhythm. 99 lässt das Album dann traurig ausklingen – bis zum nächsten Mal.

Ist das Ganze jetzt musikalische Evolution, Revolution oder Stillstand? Weder noch, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Fest steht, dass Error Rhythm wieder die Markenzeichen des ERRORHEAD Debüts erkennen lässt. Marcus Deml ist, man kann es nicht oft genug betonen, ein hervorragender Gitarrist mit einem imponierenden Ton und einem Gespür für Melodien und Harmonien. Auch Jeremy Sash und Frank Itt haben in der Programmierung mal wieder ganze Arbeit geleistet. Es ist eine Tendenz zu erkennen, dass die Wärme des Debüts zu Gunsten von einer klareren Fixierung auf die Themen der Songs aufgegeben wurde. Error Rhythm wirkt perfekter als sein Vorgänger, ohne dass man auf dem Vorgänger Fehler findet. Das kann auch mit dem rundum verbesserten Sound zusammenhängen, der einfach wesentlich klarer ist.

Den Innovationsstatus des Vorgängers kann Error Rhythm natürlich nicht erreichen. Bleibt ein gutes, ausgereiftes Album, das die Fans von ERRORHEAD sicher nicht enttäuscht, gemeinsam mit der Erkenntnis, dass es auch 2004 niemanden gibt, der diesen Techno-Gitarren Stil mit all seinen Facetten zwischen Rock, Blues, Jazz und Fusion besser beherrscht als Marcus Deml.

Veröffentlichungstermin: Februar 2004

Spielzeit: 35:26 Min.

Line-Up:
Marcus Deml – Guitars

Jeremy Sash & Frank Itt – Programming

Oliver Poschmann – Bass

Paul Alexander Schulte – Drums

Produziert von Errorhead
Label: Nepomuc-music

Homepage: http://www.electricguitarplayer.com

Tracklist:
1. The way to…

2. Bhakti

3. Scratching the surface

4. Visit your soul

5. Rocket-boy

6. Message of Love

7. Cowgirl

8. Colour of your tear

9. Dead or alive

10. 99