ENSIFERUM: Unsung Heroes

ENSIFERUM: Unsung Heroes

Wir waren einst gute Freunde, haben viel Zeit miteinander verbracht. Das war vor etwa einer Dekade. Zwischenzeitlich hatten wir uns aus den Augen verloren, hatten kaum Kontakt. Mir war schon zu Ohren gekommen, dass du dich in dieser Zeit verändert hattest, und doch hatte ich dich nach unserem Wiedersehen zunächst kaum wiedererkannt. Das ruppig Raue deiner Anfangstage ist nahezu verschwunden: Gestriegelt stehst du da, ein bisschen kitschig im Auftreten – eine Fassade, die nach Größerem strebt. Ich weiß, du hattest früher schon ähnliche Tendenzen, aber wir kamen trotzdem gut miteinander aus.

Auch jetzt schätze ich noch die gleichen Eigenschaften an dir wie damals. Eingängig und melodisch kommst du daher. Die Riffs in „In My Sword I Trust“ sind catchy und atmen einen Hauch von der neumodischen Epik, die du jetzt zelebrierst. Die wechselnden Vocals zwischen den guten alten Screams und den fürs Melodic Death- / Folk-Genre mittlerweile prägenden Chorgesängen im Refrain passen auch gut zueinander, das will ich dir gar nicht absprechen. Man muss diese aufgesetzte Schlachtensymbolik Marke TURISAS nur eben mögen.

Die Konzeption von „Unsung Heroes“ stottert

Gerade das gemäßigte Tempo, das Hymnenhafte, hat es dir seit unserem letzten Aufeinandertreffen angetan, das merke ich spätestens beim Titeltrack und dem folgenden „Burning Leaves“. Das ist okay, damit könnte ich mich anfreunden, wenn du nicht immer wieder dem Fass den Boden ausschlagen würdest. Die Folkballaden „Celestial Bond“ und „Last Breath“ präsentierst du mir als Ausdifferenzierung deines Charakters, deiner stilprägenden Einflüsse. Umgesetzt sind sie aber nur halbgar, die nette Damenstimme, die Flötenmelodien sowie der zurückgenommene Ansatz in „Celestial Bond“ rauben dir Energie, die du dringend nötig hast. Da hilft dir auch der aggressive Melodic Thrash-Rundumschlag „Retribution Shall Be Mine“ nichts, selbst wenn er mir zeigt, dass du eigentlich noch der Alte bist.

Das Dilemma deines aktuellen Auftretens resultiert hingegen vielmehr aus der gut gemeinten Auffächerung deiner Einflüsse, die deine Eigenschaften ins rechte Licht rücken sollte, aber stattdessen große Probleme im Rhythmus offenbart. Die Konzeption stottert, dein neues Gesicht, „Unsung Heroes“, hat nur mit viel Fantasie markante Konturen in seinem Allerweltsprofil. Dass der überambitionierte 17-Minüter „Passion Proof Power“ zum Abschluss mehr Flickenteppich als Epos ist, unterstreicht den Verdacht, dass deine Phase der Identitätsfindung nach all den Jahren immer noch nicht zum endgültigen Abschluss gekommen ist.

Verstehe mich nicht falsch, alter Freund, Veränderung ist gut – Visionen sind es auch. Und selbst wenn du auf deinem jetzigen Weg ins Straucheln kommst, wirst du dich wieder aufrappeln, wirst du Freunde an deiner Seite wissen, die dir auf die Beine helfen. Nur ich werde leider nicht mehr darunter sein. Ich mag einige deiner Eigenschaften noch immer, doch ich fürchte, wir haben uns voneinander entfernt.

Veröffentlichungstermin: 24.08.2012

Spielzeit: 61:18 Min.

Line-Up:
Petri Lindroos – Vocals, Guitar
Markus Tolvonen – Guitars, Banjo, Backing Vocals
Emmi Silvennoinen – Keyboards, Hammond, Backing Vocals
Sami Hinkka – Bass, Backing Vocals
Jeanne Parviainen – Drums, Shaman Drum

Label: Spinefarm Records

Homepage: http://www.ensiferum.com/
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/Ensiferum

ENSIFERUM „Unsung Heroes“ Tracklist

01. Symbols
02. In My Sword I Trust (Video bei YouTube)
03. Unsung Heroes
04. Burning Leaves
05. Celestial Bond
06. Retribution Shall Be Mine
07. Star Queen (Celestial Bond Part II)
08. Pohjola
09. Last Breath
10. Passion Proof Power

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.