ENIGMATIK: Slitherin

ENIGMATIK: Slitherin

Ein experimentelles Konstrukt aus Jazz, Samples, Death Metal und Grindcore stampft die Schweizer Formation ENIGMATIK aus dem Boden heraus. Und wenn man unvorbereitet plötzlich vor diesem Monolithen steht, dann hört man die Musik vor lauter Geräuschen nicht. Verzwickt und verzwackt werden die Stilebenen übereinander gelegt. Da slappt Bassist Loic in funkiger Manier vor sich hin, während sich Schlagzeuger Guido die Seele aus dem Leib blastbeatet. Umgekehrt funktioniert die Chose genauso, denn das Schlagzeug kann ebenso gut jazzige Rhythmen vorgeben oder in Mathcore-Gefilde vordringen, um ungewöhnliche Takte zu generieren.

Natürlich ist Slitherin alles andere als leichte Kost. Doch aufgrund von Passagen, die einfach nur dahinbolzen, oder ruhigeren Jazz-Oasen lassen die Eidgenossen auch mal Raum zum Verschnaufen – selbst wenn die Doublebass im Highspeed-Tempo getreten wird. Weniger songdienlich wirkt dagegen das Einstreuen der Samples sowie die im Tonstudio auf alt getrimmten Grammophon-Aufnahmen. Alleine durch ihren Stil haben ENIGMATIK schon genug oberflächliche Zerfahrenheit, als dass sie diese mit solchen Spielereien noch steigern müssten. Andererseits sollen diese Elemente dem Albumkonzept des Obskurantismus zwischen 1850 und 1920 dienen.

Obwohl man bei diesem breiten Spektrum an Genres einiges an Variantenreichtum erwarten könnte, erweist sich Slitherin aber letztendlich doch als etwas abwechslungsarm. So bleibt der Gesang stets in der gleichen Growl-Tonlage und die einzelnen Songs unterscheiden sich auch nicht groß voneinander, obwohl da und dort immer wieder lauschenswerte Details herausblitzen. Ob nun am Bass, an der Gitarre oder am Schlagzeug. Gespielt sind die Stücke versiert und wirklich cool. Wer demnach Interesse an schwer zugänglichem Extrem Metal hat, der zwar noch nicht in sich geschlossen klingt, aber instrumental einiges zu bieten hat, der sollte hier zwei, drei Mal hineinhören. Denn mit einer einzigen kurzen Hörprobe ist es bei ENIGMATIK nicht getan.

Veröffentlichungstermin: 31. März 2008

Spielzeit: 74:15 Min.

Line-Up:
Guido – Schlagzeug & Samples
Benoit – Gitarre & Gesang
Loic – Bass & Gesang
Dominique – Gitarre

Produziert von Dominique Gendre & Guido Wyss @ Grinder Studio
Label: Manitou Music

Homepage: http://www.enigmatik.ch

Tracklist:
1. The Hanged Man
2. Nautilus
3. Beasthunter
4. Let the Brother Receive the Light
5. Laudanum
6. Dark Age of Reason
7. The Green Fairy
8. The Ghost of William Blake
9. Fata Morgana
10. The Nucleus of the Spheres
11. Pallas Athena
12. Metropolis

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.