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ELEND: Winds Devouring Men

ELEND: Winds Devouring Men

Ganze fünf Jahre ist es nun schon her, seit ELEND ihr letztes Album auf die Menschheit losließen, und so durfte man gespannt sein, ob und in welche Richtung sich das französisch-österreichische Trio in dieser langen Zeit weiterentwickelt hat. Und bereits nach dem ersten Hören ist klar: nachdem man mit The Umbersun seinen bisherigen Stil perfektioniert hat, wird gar nicht erst versucht, jenes Werk zu kopieren und diesen so ureigenen Stil weiterzuverfolgen. Anno 2003 klingt die Musik zwar immer noch irgendwie unverkennbar nach ELEND, doch geht man weit weniger extrem vor als auf vergangenen Alben. Das mag alte Fans, die gerade dieses Extreme am Sound der Band mochten, zunächst verschrecken, ist aber doch deutlich positiv zu bewerten. Während auf The Umbersun teilweise so viel gleichzeitig passierte , dass man als Zuhörer leicht überfordert wurde, all diese Eindrücke überhaupt zu verarbeiten (zumal es kaum Ruhephasen gab), ist das neue Album um einiges leichter anzuhören, ist aber natürlich noch immer meilenweit davon entfernt, zur Hintergrundberieselung geeignet zu sein.
Winds Devouring Men ist ein über weite Strecken erstaunlich ruhiges Album, getragen von melodischen Streichern, Harfen- und Cembalo-Klängen sowie dem fragilen Gesang der Klangzauberer, die auf die bekannten extremen Schreie diesmal völlig verzichten. Der betörende Soprangesang von Nathalie Barbary und Esteri Rémond ist zwar immer noch vorhanden, übernimmt allerdings keine führende Rolle mehr. Bei diesen ruhigen Passagen kann man so richtig in die tief traurige Stimmung der sehr harmonischen Musik versinken. Umso besser kommen dadurch allerdings auch die lauten, dramatischen und bewusst unmelodischen und vor allem disharmonischen Passagen zur Geltung, bei denen zumeist – wie im Opener The Poisonous Eye mächtige Paukenklänge ertönen und eine zutiefst bedrohliche und düstere Atmosphäre schaffen, der man sich kaum entziehen kann. Der Soundtrack zum Weltuntergang! Die teilweise auch verwendeten Industrial-Geräuschkulissen wirken hingegen auf eine ganz andere Art und Weise bedrohlich. Während diese Industrial-Noise-Elemente oft aufgrund des starken Kontrastes nicht so recht ins Bild passen wollen und reichlich bizarr wirken, gelingt dem Trio bei Under War-Broken Trees das Kunstwerk, sie in die harmonische, von traditionellen Instrumenten dominierte Musik einzufügen, ohne dass sie auch nur im Entferntesten wie ein Fremdkörper wirkt.
ELEND ist es mit Winds Devouring Men gelungen, neue Wege zu gehen, so dass das Album gerade aufgrund seiner Andersartigkeit neben Werken wie The Umbersun ohne Probleme bestehen kann. Alte ELEND-Fans werden vielleicht gewisse Trademarks vermissen, dürften aber dennoch mit diesem neuen Lebenszeichen einer der ungewöhnlichsten Bands dieses Planeten glücklich werden. Alle anderen musikalisch aufgeschlossenen Freunde extremer, düsterer Musik , denen ELEND bisher etwas zu anstrengend waren, sollten mit Winds Devouring Men einfach mal einen neuen Versuch starten, denn auf diesem Album zeigt sich die Band zugänglicher denn je.

VÖ: 14.04.2003

Spielzeit: 60:15 Min.

Line-Up:
Iskandar Hasnawi, Sebastien Roland, Renaud Tschirner – Vocals, Programmings, all other instruments, industrial landscapes and noises

Gäste:
Klaus Amann – Trumpet, Horn, Trombone
Nathalie Barbary – Soprano
Shinji Chihara – Violin, Viola
David Kempf – Violin, Solo Violin
Esteri Rémond – Soprano
Label: Prophecy Productions

Tracklist:
1. The Poisonous Eye
2. Worn Out With Dreams
3. Charis
4. Under War-Broken Trees
5. Away From Barren Stars
6. Winds Devouring Men
7. Vision Is All That Matters
8. The Newborn Sailor
9. The Plain Masks Of Daylight
10. A Staggering Moon