DEVILDRIVER: Dealing With Demons I

DEVILDRIVER sind wirklich nicht die Ersten, die ein Doppelalbum in zwei Teilen veröffentlichen. Dass schon „Dealing With Demons I“ innerhalb kürzester Zeit diesen Schritt in künstlerischer Hinsicht rechtfertigt, haben wir nicht eine Sekunde angezweifelt. Sonderlich abwechslungsreich war der Sound der US-Amerikaner noch nie, Innovation gibt es meist eher im Detail. Das ist natürlich okay, aber gleichzeitig kein Stoff für mehr als 40 Minuten am Stück, zumal die klinische Produktion zwar gut zur Musik passt, allerdings wenig eigenen Charakter mitbringt.

Und so entführen uns DEVILDRIVER erneut auf einen modernen Death Metal-Gewalttrip durchs Midtempo, wo mit dicken Riffs, sattem Groove und aggressiven Shouts kein Stein auf dem anderen gelassen wird. In der Theorie zumindest, denn die sonst routinierten Vocals haben fast schon zu viel Postproduktion erfahren, während die Gitarren oftmals die zündenden Ideen vermissen lassen.

DEVILDRIVER geizen mit Innovation, bleiben aber zunächst auf Kurs

„Dealing With Demons I“ bleibt in seiner Gesamtheit dennoch absolut solide, dafür sind DEVILDRIVER auch viel zu erfahrene Musiker. Mit dezenter Thrash-Handschrift holt uns etwa „Vengeance Is Clear“ nach dem bewusst schleppenden Auftakt „Keep Away From Me“ ab. Hier fühlt sich das Quintett hörbar zu Hause, glänzt aber immer dann besonders, wenn es dem erprobten Formular eine neue Facette hinzufügt: Die Rock’n‘-Roll-Einflüsse, die sich in „Nest Of Vipers“ vor allem im Gitarrenspiel von Mike Spreitzer und Neal Tiemann bemerkbar machen, geben dem Song und damit auch dem Album den Drive, den beide gebraucht haben.

Weiteren Experimenten dieser Art wären wir nicht abgeneigt, müssen uns aber im Weiteren mit den spärlichen Clean-Vocals in „Wishing“ begnügen. Der Song bricht dank seiner Tempowechsel die bisherige Struktur von „Dealing With Demons I“ angenehm auf, bevor er uns in den humorlosen Banger „You Give Me A Reason To Drink“ entlässt. In der zweiten Albumhälfte bleiben DEVILDRIVER zunächst auf Kurs: Der heftige Groove im Titeltrack und „Witches“ spielt die Stärken der Band aus, die sich im Jahr 2020 wie die ähnlich gelagerten LAMB OF GOD in einer verzwickten Lage befindet.

Es bleibt kaum Raum für Entwicklung auf “Dealing With Demons I”

Mit „Dealing With Demons I” positionieren sich die fünf Musiker so breitbeinig in ihrer hart erprobten Nische, dass kaum Raum für Entwicklung bleibt. Gleichzeitig zeigt der bewährte Ansatz mittlerweile hier und da Abnutzungserscheinungen, die sich vor allem zum Ende der Platte verstärkt bemerkbar machen. Das Doppelalbum mit etwas Abstand in zwei Etappen zu veröffentlichen? Eine gute Entscheidung.

Veröffentlichungstermin: 2.10.2020

Spielzeit: 39:27

Line-Up

Dez Fafara – Vocals
Mike Spreitzer – Gitarre
Neal Tiemann – Gitarre
Diego Ibarra – Bass
Austin D’Amond – Drums

Produziert von Steve Evetts und Mike Spreitzer

Label: Napalm Records

Homepage: https://www.devildriver.com/
Facebook: https://www.facebook.com/devildriver

DEVILDRIVER “Dealing With Demons I” Tracklist

1. Keep Away From Me (Lyric-Video bei YouTube)
2. Vengeance Is Clear
3. Nest Of Vipers (Video bei YouTube)
4. Iona (Video bei YouTube)
5. Wishing (Video bei YouTube)
6. You Give Me A Reason To Drink (feat. Simon Blade Fafara)
7. Witches
8. Dealing With Demons
9. The Damned Don’t Cry
10. Scars Me Forever