DESPISED ICON: The Ills of Modern Man

DESPISED ICON: The Ills of Modern Man

Was für ein wunderbarer Titel, den sich DESPISED ICON für ihr neuestes Werk ausgesucht haben. Da steckt so viel Raum für Assoziationen drin, so viel Pessimismus, so viel Verachtung. Herrlich. Ferner passen diese schönen Worte perfekt zur Musik. Der Nachfolger des großartigen The Healing Process ist ebenso erstaunlich und Ehrfurcht einflößend wie sein Vorgänger. Hier wird alles verschmolzen was nur ansatzweise brutal ist und heraus kommt eine Achterbahnfahrt, der es an Intensität ebenso wenig mangelt wie an catchy Riffs.

Ui, stand da eben catchy? Ja, es stand da. Denn bereits beim dem ersten Durchlauf bleiben einige Stellen sofort kleben. Der Titeltrack, Furtive Monologue und Oval Shaped Instructions sind beispielsweise solche gemeinen Säue. Statt wildem Saitengewichse legen DESPISED ICON wert auf krasse Riffs, eben solches Drumming und krankes Gebrüll. Das Resultat ist eine anspruchsvolle Scheibe, die aber nicht überladen wirkt. Was nicht heißen soll, dass die sechs Kanadier an der Simplizität gefallen gefunden haben. Technisch ist ihre Musik nach wie vor erhaben, nur dieses Mal ist all das ein wenig versteckter. Das wunderbar polyrhythmische A Fractured Hand geht so dermaßen in die Beine, dass man den hohen Anspruch fast gar nicht wahrnimmt.

The Ills of Modern Man ist ein furioses Album, das schafft, was andere verzweifelt versuchen: Stile glaubhaft miteinander zu verbinden. Brutaler Death Metal, Hardcore, Metalcore und etwas Grind verschmelzen zu einer homogenen Einheit, egal ob ein Hardcore-Part mit Circle Pit-Garantie auf SUFFOCATION-mäßigen Death Metal trifft, oder ob Breakdowns mit üblem Gegurgel unterlegt werden. Was DESPISED ICON auf ihrem neuesten Album darbieten, macht einfach Sinn und zeigte eine variable und keine konfuse Band. Wer sich ein wenig anstrengt findet gut in diese Scheibe rein und wer ein offenes Herz hat, wird diese Scheibe so schnell nicht mehr aus dem CD-Player holen.

Einzig gibt es für meinen Geschmack zu viele Breakdowns, die hier und da die Aggression etwas rausnehmen. Das von Gitarrist Yannick St-Amand brutalst sauber produzierte und von Andy Sneap unglaublich fett gemixte Album weist ansonsten keine Schwächen auf, vor allem da die Musiker dermaßen gut eingespielt sind, dass allein schon die Performance der Musiker den Hörer kaputt drischt. Bei jeder anderen Band wäre mir die Produktion zu steril, bei DESPISED ICON hingegen passt sie wie die Faust aufs Auge. The Ills of Modern Man ist ein furioses Deathcore-Album, an dem sich andere Bands gerne versuchen können, toppen werden sie es auf keinen Fall können.

Veröffentlichungstermin: 18. Mai 2007

Spielzeit: 39:47 Min.

Line-Up:
Alexandre Erian – Vocals
Steve Marois – Vocals
Yannick St-Amand – Guitar
Eric Jarin – Guitar
Sebastien Piche – Bass
Alexandre Pelletier – Drums

Produziert von Yannick St-Amand
Label: Century Media

Homepage: http://www.despisedicon.com

Tracklist:
1. In the Arms of Perdition
2. Furtive Monologue
3. Quarantine
4. The Ills of Modern Man
5. A Fractured Hand
6. Sheltered Reminiscence
7. Nameless
8. Tears of the Blameless
9. Oval Shaped Incisions
10. Fainted Blue Ornaments