DESPISED ICON: Day Of Mourning

DESPISED ICON wollen sich von Trends abgrenzen und gießen stattdessen Öl ins Deathcore-Feuer. Ob das gut geht?

Nach dem irren The Ills Of Modern Man ging es rund. Nicht nur im Circle Pit, sondern vor allem auch im Deathcore-Bereich. DESPISED ICON verkamen zu Galionsfiguren, ihre Anhänger machten es im besten Falle mehr schlecht als recht nach. Die Klischees von Slam-Death, Beatdown und Pig-Squeals wurden in den letzten zwei Jahren bis zum Erbrechen ausgereizt, da leidet auch der Eindruck von DESPISED ICON darunter. Das kanadische Sextett bemüht sich dennoch, ein wenig ihrer Schublade zu entfliehen. Day Of Mourning verzichtet komplett auf Gequieke, die Beatdown-Parts halten sich im Rahmen, aber auch die kranken technischen Stellen wurden reduziert. Day Of Mourning ist The Ills Of Modern Man light, mit mehr Groove, mehr Mosh, mehr vertrackten Rhythmen und mehr eingängigen Parts. Leider ist Day Of Mourning weder Fisch noch Fleisch, weder die technische Komponente von The Healing Process wird neu belebt, noch wird ein Hit nach dem anderen rausgehauen, wie noch vor zwei Jahren. Klar, die Songs sind gut, drücken, treten in die Fresse und sind brutal, aber an Faszination hat die Band klar verloren.

Day Of Mourning will sich vom momentanen Deathcore-Trend abgrenzen, gießt aber stattdessen Öl ins Feuer und wird bei den Kids für verschwitzte Pits und vielleicht auch den einen oder anderen Knochenbruch sorgen. Dabei sind wiederum eine Handvoll richtig guter Songs auf dem vierten Album von DESPISED ICON vertreten, die sich noch dazu nicht mehr so leicht in die SUFFOCATION-Schublade stecken lassen: Das Titelstück, MVP, Black Lungs und Entre Le Bien Et Le Mal liebäugeln viel eher mit MESHUGGAH und sind etwas gezügelter. Dennoch, Blast Beats und pfeilschnelles Riffing sind immer noch häufig an der Tagesordnung, wenn auch klarer strukturiert als bisher, vielleicht auch Anteil des neuen Gitarrist Ben Landreville. Der abwechslungsreiche, sehr brutale Gesang zeichnet die Band auch ohne Gequieke aus und kommt im abschließendem, erstaunlich emotionalem Sleepless richtig gut. Day Of Mourning ist allerdings auch das erste Album von DESPISED ICON, bei dem ihre übermäßig sterile Produktion eher stört und aufgesetzt wirkt als noch einen zusätzlichen Kick gibt.

Als Fazit bleibt nach Day Of Mourning eine kleine Enttäuschung, allerdings auch nicht unerwartet, denn der Weg nach The Ills Of Modern Man wird konsequent weiter verfolgt, allerdings in die falsche Richtung. Schade für mich, aber dank der erhöhten Zugänglichkeit werden sich viele neue Fans finden. Und dank dem einen oder anderen Gangshout und wegen immer noch vorhandenen Breakdowns gibt es keinen Zweifel, dass DESPISED ICON, wenn schon nicht künstlerisch, zumindest geschäftlich auf dem richtigen Weg sind.

Veröffentlichungstermin: 18. September 2009

Spielzeit: 34:59 Min.

Line-Up:
Alexandre Erian – Vocals
Steve Marois – Vocals
Ben Landreville – Guitar
Eric Jarrin – Guitar
Max Lavelle – Bass
Alexandre Pelletier – Drums

Produziert von Yannick St-Amand
Label: Century Media Records

Homepage: http://www.despisedicon.com

MySpace: http://www.myspace.com/despisedicon

Tracklist:
1. Les Temps Changet
2. Day Of Mourning
3. MVP
4. All For Nothing
5. Eulogy
6. Made Of Glass
7. Black Lungs
8. Diva Of Disgust
9. Entre Le Bien Et Le Mal
10. Sleepless