CULT OF FIRE: Ascetic Meditation of Death

Black Metal goes Hinduismus. Kann dieser gewagte Stilmix gut gehen?

Rapide ist der Fortschritt von CULT OF FIRE. 2010 wurde die Band gegründet, nur ein Jahr später erschien die erste EP 20:11, wiederum im darauf folgenden Jahr das erste Album Triumvirat, das den Kollegen Agony&Ecstasy zu ersten Lobeshymnen veranlasste.
Doch anscheinend war man mit der eigenen Ausrichtung, die in Richtung klassisch okkulte  Teufelsanbetung tendierte, nicht zufrieden und drehte etwas an der Feinjustierung. Denn mit dem unaussprechlichen Zweit-Album मृत्यु का तापसी अनुध्यान richtet man seinen Fokus auf den Hinduismus und kreiert einen mir bis jetzt nicht untergekommen Stilmix aus traditionellen Folklore-Elemente dieser Kultur und norwegischen Neunziger-Jahre Black Metal.

Man kann es den Tschechen nicht hoch genug anrechnen, dass diese wagemutige Verschmelzung tatsächlich funktioniert. Bereits beim starken Opener greift ein Zahnrad ins andere. Dominieren im Intro zuerst noch Sitarklänge mit Meditationscharakter, integriert sich allmählich ein verzerrter Gitarrenton um den Weg für die anschließende Raserei zu bahnen. Die Blast-Parts verzichten weitgehend auf fernöstliche Einflüsse und erinnern besonders durch ihre temporäre Keyboardunterstützung und Klangfärbung der Gitarren an EMPEROR oder SATYRICON, ohne dabei jedoch die Komplexität der Norweger zu erreichen. Vielmehr verwendet man einprägsame Melodieläufe, die mit jeder Wiederholung den hypnotischen Effekt der Musik weiter befeuern.
Auch hat man im Hause CULT OF FIRE augenscheinlich Gefallen an der Verwendung von Hammond-Orgel-Sounds wie zum Beispiel in den Tracks Zwei und Drei gefunden. Wie diese zur übergeordneten hinduistischen Thematik passen, erschließt sich mir zwar nicht vollständig, schadet dem psychedelisch-schwarzen Gesamtbild jedoch nicht.

An sich ist man bedacht den Hörer nicht zu langweilen. Im Verlaufe des Albums variiert man nicht nur das Instrumentarium geschickt, sondern auch die Tempi der einzelnen Songs – mal wildert man in Bereichen des Black´n´Roll und frönt dem Midtempo, verliert sich anschließend wieder in epischen Agressionsparts, nur um später durchzuatmen und Raum für Atmosphäre zu lassen. Oft geschieht dies alles in einem Song, was sich jedoch manchmal in unschönen Pausen zwischen den einzelnen Abschnitten widerspiegelt. Besser funktioniert das Songwriting in den am wenigsten nach Metal klingenden Tracks vier und acht, die sich vollständig auf das Transportieren fremdartiger Klänge konzentrieren und so nicht zwischen den Stühlen sitzt. Dennoch sind alle Songs qualitativ auf hochwertigen Niveau mit nur geringen Schwankungen nach unten.

Danke, dass es heutzutage noch Black-Metal-Bands wie CULT OF FIRE gibt, die tatsächlich bereit sind Experimente zu wagen, ihren Sound zu erweitern und das Risiko eingehen von einer beträchtlichen Anzahl Traditionalisten ignoriert zu werden. Mit ihrem zweiten Album gelingt es den Tschechen ihren Stil äußerlich, als auch innerlich auf ein neues Level zu hieven. Dabei ist sicherlich noch etwas Platz im Songwriting nach oben um die Verschmelzung der Stile zu perfektionieren. Nichtsdestotrotz handelt es sich beim aktuellen Werk um eines der innovativsten und spannensten Black-Metal-Alben des Jahres. Bitte mehr in Zukunft davon!

Veröffentlichungstermin: 30.11.2013

Spielzeit: 47:34 Min.

Line-Up:
Tom Coroner – Drums    
Infernal Vlad – Guitars, Vocals
Devilish – Vocals
Label: Iron Bonehead Productions

Homepage: http://www.cultoffire.cz/

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/pages/Cult-Of-Fire/101579073262511?fref=ts

Tracklist:
01. संहार रक्त काली
02. अस्तित्व की चिता पर
03. शव साधना
04. काली मां
05. मृत्यु ही सत्य है
06. मृत्यु का वीभत्स नृत्य
07. खण्ड मण्ड योग
08. दिव्य प्रेम की ज्वाला से दग्ध