COSTAS CAKE HOUSE: 555

Für die Hardliner empfehlenswert, sofern sie starke Nerven haben, für old-school Fans mit Berührungsängsten ein pures Grauen.

Wer denkt bei diesem Namen nicht an die Hütte von dem Kerl in der Nachbarschaft, der euch in der Kindheit immer gratis mit leckeren Plätzchen versorgt hat, die so herrlich viele Farben nach dem Futtern mich sich bargen? Ja, die Kindheit war so schöööön, doch die Zeit ist vorbei… und COSTAS CAKE HOUSE aus Karlsruhe fallen in eine komplett andere Schiene als KYUSS und Konsorten: Nämlich Metalcore.

Doch dieser Begriff wird dem Quintett niemals gerecht, denn sie bringen viele unterschiedliche Stile in ihre Musik ein, die allesamt sehr ungewöhnlich sind. Die Hauptinspiration liegt irgendwo zwischen POISON THE WELL und CONVERGE, da sie ebenso gefühlvolle wie kraftvolle Parts haben, die zwischen Eingängigkeit und Wahnsinn hin- und herpendeln. Aber das war noch lange nicht alles aus dem Gemüsegarten vor COSTAS CAKE HOUSE: Ganz leichte Anleihen von schwedischem Todesgerüpel und der Wucht neuer ENTOMBED geben der Musik mit ihren zwei Bässen ein interessantes Bild. Black Metal-Riffs geben Intensität und Konfusion mit einem zynischen Lächeln wieder.

Doch leider wirkt die Band äußerst verworren in ihrem Tun. Breaks vor denen sich keiner retten kann, die unlogisch und nicht atemberaubend, wie bei ihren Vorbildern sind dominieren einige Songs. Andererseits machen aber vor Kraft strotzende Melodien und ambitionierter Gesang viel Feuer unter dem Arsch. Die Lyrics, zum größten Teil in Deutsch gehalten, geben den richtigen Schuss Avantgarde mit. Songs im Stil des Openers Behind Enemy Lines und Das Ende, bzw. Schatz, der Fernseher brennt sollten öfter vorkommen, da sie das eigenwillige Gesamtbild am besten und logischsten widerspiegeln. Erwähnenswert sind auch die melancholischen Passagen, die COSTAS CAKE HOUSE in Solitude und Costa del Sol schon rüberbringen, ohne den Hörer zu langweilen.

Wäre die matschige Produktion mit dem Pringels-Dosen Schlagzeug nicht und hätten die Jungs kein Arrangement-Problem, so wäre 555 ein tolles Scheibchen geworden, aber die Band befindet sich bereits auf dem Wege dahin. Für die Hardliner empfehlenswert, sofern sie starke Nerven haben, für old-school Fans mit Berührungsängsten ein pures Grauen.

VÖ: bereits veröffentlicht

Spielzeit: 28:55 Min.

Line-Up:
Matthias Dabrowski – Guitar
Arnaud Obermann – Bass
Tobias Grossmann – Bass
Carsten Licher – Vokills
Nanouk de Meijere – Drums

Label: Firefly Companies
Email: costascakehouse@gmx.de

Tracklist:
1. Behind Enemy Lines
2. Ein Hauch längst vergangener Stunden
3. Das Ende, bzw. Schatz der Fernseher brennt
4. Brief an Gutzkow
5. Solitude
6. A.K.A. Danke Arschloch
7. Ein Spaziergang im Schatten
8. Costa del Sol
9. Lügen
10. Circus Comes to Town