CALLISTO: Noir

CALLISTO: Noir

Norden, Kälte, triste Natur, zig Grad unter Null. Doch auch dort wird es Frühling, die Sonne wärmt die ausgekühlten Seelen zum ersten Mal nach langer Zeit wieder, der Schnee verschwindet, das Leben kehrt zurück. Schwarz ist Noir beileibe nicht und dennoch passt der Titel zum Album. Das Wort Noir klingt so weich, so schön. Entsprechend der Musik. Nach dem beachtlichen Debüt True Nature Unfolds erscheint der Nachfolger in Europa fast ein Jahr nach der Veröffentlichung in Finnland. Es wäre eine Schande gewesen, dieses großartige Werk dem Rest der Welt nicht zugänglich zu machen.

Fast schon schüchtern bieten CALLISTO die acht Songs dieses Albums dar, mit der Unsicherheit eines Tieres, das Winterschlaf gehalten hat und nun zum ersten Mal den Kopf aus dem Bau steckt. Und gerade das ist das Schöne an Noir. Zurückhaltung wird großgeschrieben, die Songs sind mit wunderbaren Ideen gespickt, mit Riffs, die Schmetterlinge im Bauch fliegen lassen. CALLISTO verzaubern den Hörer, stecken ihn an mit wohliger Melancholie, laden ihn ein zum Fliegen. Latterday Saints und The Fugitive gehen einem nicht mehr aus dem Ohr, nach diesen Riffs wird man süchtig.

Und doch, es gibt in all dieser Ruhe den einen oder anderen Ausbruch, Dynamik wird auch auf Noir eingesetzt, sparsam und gerade deshalb sehr wirksam. Da wird auch mal laut geschrieen und die verzerrten Gitarren spielen mit Dissonanz. Dies geschieht aber nur am Rande, denn Harmonie und Elegie ist das wichtigste auf diesem Album. Und wenn es sich noch so monströs und majestätisch aufbaut wie bei A Close Encounter, dann weiß man, dass man Noir niemals vergessen wird. Einerseits ist es das große kreative Potenzial der Band, andererseits ist es die Seele, die CALLISTO ihrer Musik verleihen, das alles trifft den Hörer mitten ins Herz.

Die Musiker harmonieren miteinander, keiner hat ein Ego-Problem. Wenn das Keyboard die Melodieführung übernimmt, stehen wie in Pathos die Gitarren neidlos hinten an. Der Gesang hält sich gerne zu Gunsten der Atmosphäre zurück, weshalb das Album über weite Strecken sehr instrumental ausgerichtet ist. Keiner versucht mit technischen Spielereien zu glänzen, dafür spielt die Band ihr Material umso leidenschaftlicher und mit umso mehr Hingabe.

CALLISTO ist mit ihrem zweiten Album ein Werk geglückt, das sich an Größen wie CULT OF LUNA und ISIS musikalisch anlehnt, aber ihnen in wirklich nicht viel nachsteht. Epische, schöne Songs werden im hohen Norden einfach am besten gespielt. Wenn man über den Tellerrand schaut, sich so entwickelt wie CALLISTO, wenn man an der richtigen Stelle ein Saxophon einbaut, wenn man die Musik, die man macht, fühlt und wenn man mit Leib und Seele dahinter steht, kann aus einem Album gar nichts anderes werden als ein Volltreffer. Noir ist ein Kleinod für Suchende, ein Album, das trotz seiner relativen Stille ein tiefes, magisches Werk darstellt.

Veröffentlichungstermin: 16. Februar 2007

Spielzeit: 53:44 Min.

Line-Up:
Markus Myllykangas – Vocals, Guitar
Johannes Nygard – Guitar
Juho Niemelä – Bass, Backing Vocals
Ariel Björklund – Drums
Arto Karvonen – Synthesizer

Produziert von Jonas Olsson
Label: Fullsteam Records

Homepage: http://www.callistochaos.com

Email: callisto@callistochaos.com

Tracklist:
1. Wormwood
2. Latterday Saints
3. The Fugitive
4. Backwoods
5. A Close Encounter
6. Pathos
7. Folkslave
8. Woven Hands