BÖSEDEATH: …of death [Eigenproduktion]

Death Metal mit Grindcore-Einschlag. Mit krankem Humor auf dem Weg zum Underground Kultstatus? "…of Death" bereitet den Weg.

BÖSEDEATH existieren eigentlich schon länger. Mehr oder weniger kann man die Bandhistory bis 1995 zurückverfolgen, obwohl es vermutlich ehrlicher ist 1999 als Startpunkt erster ernsthafter Versuche dieser Band, in der Musikszene Fuß zu fassen, zu bezeichnen.

Ernsthaft? Das ist hier die große Frage: Neulinge werden schon am Bandname zu beißen haben. Wo soll man eine Formation mit diesem Namen einordnen? Einfach nur schlecht? Merkwürdiger Humor? Möchtegern-böse oder augenzwinkernd? Fällt auf den ersten Blick schwer, hat sich aber auf den zweiten so gut wie erledigt, denn die erste vollständige CD der Darmstädter Jungs lässt keine Fragen offen. Als erstes sieht man die lustigen Tracknamen, die voreilige Hörer sicher auf falsche Schlüsse und bitterernste Metaller zu herabwürdigenden Blicken bringen werden. Humor sollte man schon haben, wenn man Stücke wie „Headbanger`s Gangbang“, „Killed to Death“, „Chainsaw Buttfuck“ oder „Stirb Or Die“ anspielt, aber keine Angst, Bösedeath versuchen offenbar nicht, die J.B.O. des Death-Grindcores zu werden, denn dazu sind sie einfach zu extrem. Ganz offensichtlich sind hier „ernsthafte“ Musiker am Start, die nicht die Musik, sondern das Image der „Guts ‚n Gore“ – Szene mehr oder weniger trivial aber wirkungsvoll aufs Korn nehmen.

Der Opener „Handseife“ macht titeltechnisch wie musikalisch von vorneherein klar, wohin die Reise geht: Hier wird in bester CANNIBAL CORPSE–Manier „gedeathed“ was das Zeug hält. Was dann auch nach nicht mal zwei Minuten schon vorbei ist und ins ähnlich klingende „Killed To Death“ übergeht. Was hier, übrigens ganz gut produziert und mit annehmbarem Sound, aus den Boxen quillt (wenn man von dem Snare-Gekrache absieht) weiß durchaus ansatzweise zu gefallen und fällt technischer und ideenreicher aus, als ich es von der Band erwartet habe. Die Stücke „s.b.“ und „Fistfucked to Death“ schlagen in die gleiche Kerbe, bis es für mich mit „Stirb or Die“ zum ersten Höhepunkt kommt. Dieses Teil entpuppt sich nach der etwas faden Knüppelstrophe urplötzlich zum Mitgrölsong, dessen Refrain mit einer Menge Groove und sogar verständlichem Text aufwarten kann, auch, wenn er nur aus drei Worten besteht. Der Hit der Platte!

„Brutal Brutality“ ist sowohl titel-, als auch musikbezogen wohl ein typisches Lied, danach gilt`s zu ersten Mal die Toleranzgrenze des Hörers und die geistige Zurechnungsfähigkeit der Herren Musiker zu ergründen: „Der Haas ist tot“ heißt dieses überaus poetische Stück Musik. Dieses Lied war schon auf der Homepage der Band zum Download zu haben und stellte gleichzeitig den Grund dar, warum ich BÖSEDEATH eigentlich nie wieder hören wollte, warum ich dachte, dass die Combo ein schlechter Ableger der EXCREMENTORY GRINDUCKERS wäre, ohne jedoch deren „Niveau“ zu erreichen. Der platte und pseudolustige Text „Der Haas ist tot, er liegt platt auf der Straß`“ wird hier musikalisch völlig abgefahren präsentiert. Cleane, RAMMSTEIN-artige Vocals treffen auf irre, aber verständliche Screams und derbe Growls, ohne sich aber auch nur einen Moment vom blöden Text lösen zu können. Das wohl bekannteste Stück von BÖSEDEATH – für mich allerdings das uninteressanteste auf der Platte, wenn auch das auffälligste. Humor ist das aber meiner Meinung nach nicht.

Die restlichen Stücke können mich jedoch durchaus über diesen Tiefpunkt hinwegtrösten, bieten sie doch, mit der vom Anfang des Albums her, bekannten Methode zwar nichts Neues, aber trotzdem eine angenehme Kurzweil der extremen Art. Besonders lustig ist die Stimme des Sängers Daniel, der mit seinem Gegrunze und Gekeife gar nicht erst versucht, den Anschein zu erwecken, dass die meisten Lieder Texte hätten.

Insgesamt kann mich „BÖSEDEATH of Death“ durchaus überzeugen, die Befürchtungen, die ich beim Vorabhören des Tracks „Der Haas ist tot“ hatte, haben sich jedenfalls in Luft aufgelöst.

Die Produktion, die übrigens im bandeigenen Studio stattfand, lässt nicht allzu viel zu wünschen übrig, nur die Snare scheppert mir viel zu laut.

Hingegen all meiner Erwartungen jedoch schaffen es die Herren „böseFrönk“, „böseZäusel“, „böseFläh“, „böseDan“ und „böseTöni“ tatsächlich ein Album aufzunehmen, dass durchaus Wiedererkennungswert besitzt. Für die Topliga reicht`s zwar nicht, aber sicher ist, dass „BÖSEDEATH of Death“ ein Klassiker der besonderen Art ist. Und es macht einfach Spaß zu sehen, dass sich eine Band dieses Genres nicht so verdammt ernst nimmt, wie der größte Teil der Szene vorgibt zu sein. Wer auf heftige Musik steht und trotzdem nicht zum Lachen in den Keller geht, sollte wirklich mal ein Ohr riskieren. Die böse CD kann für 7,00 Euro bei der unten angegebenen Kontaktadresse oder auf der bösen Homepage der Band, bestellt werden.

Keep it böse!

Veröffentlichungstermin: 08.05.2004

Spielzeit: 28:46 Min.

Line-Up:
Frank – Gitarre

Toni – Gitarre

Flo – Drums

Ralf – Bass

Daniel – Gesang

Produziert von Stefan Büchner & Bösedeath
Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.no-fucking-gna.de

Email: daniel@boesedeath.de

Tracklist:
Handseife

Killed To Death

S.B.

Fistfucked To Death

Stirb Or Die

Brutal Brutality

Der Haas ist tot

Headbanger`s Gangbang

Wochenendsatanist

Happy Weekend

No Gnade

Chainsaw Buttfuck